Rückwärts ausfahrende Autos aus den Stellplätzen an der Fischergasse sind mitunter gefährlich für Radler.
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Rückwärts ausfahrende Autos aus den Stellplätzen an der Fischergasse sind mitunter gefährlich für Radler.

Weilheim

Radler oder Parkplätze – was ist wichtiger?

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Die Fischergasse unterhalb der Weilheimer Musikschule soll ein wenig sicherer für Radfahrer werden. Dafür werden testweise acht Schrägparkplätze in vier „Längsparker“ umgewandelt. Ein Kompromiss, der im Verkehrsausschuss höchst umstritten war.

Weilheim – ÖDP-Stadtrat Andreas Halas hatte den Stein vergangenen Herbst ins Rollen gebracht: Weil es hier um die wohl wichtigste Radl-Verbindung zwischen dem Weilheimer Westen und der Altstadt geht, müsse das Radfahren durch die Fischergasse dringend sicherer werden, vor allem für Kinder. Deshalb, so der ÖDP-Antrag, sollten die öffentlichen Schrägparkplätze am engen West-Ende der Fischergasse in Längsparkplätze umgewandelt werden – was mehr Platz und Übersicht auf der Straße bringen und gefährliche Situationen beim Rückwärts-Ausparken verringern würde. Weil das jedoch einige Auto-Stellplätze kosten würde, die insbesondere bei Mitarbeitern von Altstadt-Geschäften heiß begehrt sind, hatte der Verkehrsausschuss des Stadtrates das Thema im Oktober vertagt. Die Firma Gevas, die zurzeit ein Radverkehrskonzept für Weilheim erstellt, solle erst mal die Situation vor Ort prüfen.

Das hat das Ingenieurbüro mittlerweile getan und kommt zu dem Ergebnis: Es sei „wichtig“, die Schrägparkplätze auf der süd-westlichen Seite zu Gunsten besserer Sichtverhältnisse in Längsparken umzuwandeln – „mit der Halbierung der Anzahl der Stellplätze“. Aus aktuell 16 Schrägparkplätzen würden dann acht Längsparkplätze werden, rechnete Weilheims Ordnungsamts-Leiter Andreas Wunder nun in der Frühjahrs-Sitzung des Verkehrsausschusses vor. Um die Gefahrensituation in der Fischergasse zu entschärfen, bliebe ansonsten nur, die Zulassung des Radverkehrs gegen die Einbahnrichtung wieder aufzuheben, schrieb Wunder in seiner Vorlage. Doch das, so fügte er gleich hinzu, „würde bei der Bürgerschaft zu absolutem Unverständnis führen und entspräche nicht den Vorgaben einer fahrradfreundlichen Stadt“.

Bei der Umwandlung der Schräg- in Längsparkplätze wiederum gäbe es gewiss „anfänglichen Ärger von parkplatzsuchenden Innenstadtbediensteten“, so der Ordnungsamts-Chef. Die Situation und Sicherheit für Radler aber würde sich verbessern, weil die Fahrbahn breiter wird und ausparkende Autofahrer die gegen die Einbahnrichtung fahrenden Radfahrer dann „im direkten vorderen Blickfeld haben“.

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Im Verkehrsausschuss prallten dazu kontroverse Meinungen aufeinander. Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne) warb vehement für die Änderung der Parkplätze, die einen „großen Gewinn für Radfahrer“ auf einer für sie „zentralen Achse“ bedeute. Antragsteller Halas (ÖDP) forderte, die Fischergasse zusätzlich zur Fahrradstraße zu machen. Und Horst Martin (SPD) verwies auf die klare Aussage des Gutachters pro Umwandlung der Stellplätze: „Wenn wir uns an fachlichen Rat nicht halten, brauchen wir auch keinen fachlichen Rat mehr einholen.“

Dagegen mahnte Klaus Gast (CSU), man dürfe „nicht immer noch mehr Parkplätze auflösen“: „Viele denken nicht mehr daran, dass Innenstadt auch etwas ist, wo Menschen arbeiten – und die brauchen Parkplätze.“ Roland Schwalb (BfW) merkte an, er radle selber öfter durch die Fischergasse, habe dort aber „eigentlich noch keine brenzligen Situationen erlebt“. Generell gelte: „Auch Radler müssen dort aufpassen.“ Diese Argumentation sei „für einen Erwachsenen verständlich“, antwortete Andreas Halas. Doch für Eltern mit Kindern sei das Radeln durch die Fischergasse derzeit „ein Spießrutenlauf“.

Einen Kompromissvorschlag machte in der Sitzung Ordnungsamts-Leiter Wunder: Man könnte ja einen Teil der Schrägparkplätze in Längsparkplätze umwandeln, und zwar jene an der engsten Stelle der Fischergasse, am Einbiegebereich von der Türlmühlstraße. „Das wäre eine Schnellmaßnahme“, so Wunder. Und genau die hat der Verkehrsausschuss denn auch mehrheitlich beschlossen – nachdem der Antrag, alle Stellplätze zu ändern, mit fünf zu vier Stimmen abgelehnt wurde. Nun werden also acht der insgesamt 16 Schrägparkplätze in vier Längsparkplätze umgebaut; dadurch fallen vier Stellplätze weg. Das Ganze erfolgt „testweise“, wie betont wurde – mit Wiedervorlage in der nächsten Verkehrsausschuss-Sitzung, die voraussichtlich im Juli stattfindet.

mr

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