1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Weilheim: Radler müssen „viel Geduld aufbringen“

Erstellt:

Von: Magnus Reitinger

Kommentare

Die Kreuzung von Prälatenweg, Murnauer und Augsburger Straße bei der Bäckerei Grünwald ist eine der kniffligen Stellen auf der künftigen Fahrrad-Hauptroute.
Die Kreuzung von Prälatenweg, Murnauer und Augsburger Straße bei der Bäckerei Grünwald ist eine der kniffligen Stellen auf der künftigen Fahrrad-Hauptroute. © Gronau

Zentrale Achsen, auf denen Radler bevorrechtigt sind – das ist ein Eckpunkt des Radverkehrskonzeptes für Weilheim. Wie das konkret aussehen könnte, diskutierten Interessierte jetzt auf einer dieser Routen. Dabei wurde aber auch deutlich: Radler müssen sich in Geduld üben.

Weilheim – Eine Route vom Prälatenweg über die Innenstadt in den Norden Weilheims, dazu die Anbindung der Johann-Baur-Straße samt Übergang der B 2 – das sind die Pilotprojekte für ein „durchgängiges, attraktives und zügig befahrbares Fahrrad-Hauptnetz“, das die Stadt laut ihrem 2021 beschlossenen Radverkehrskonzept anstrebt. Radler sollen so abseits der Hauptstraßen des Autoverkehrs geführt und auf „ihren Routen“ dann auch mal bevorrechtigt werden.

Besonders kritische Kreuzungen besichtigt

Wie das gelingen könnte, das wollte nun ein erster Weilheimer „Mobilitäts-Wandel-Gang“ erkunden, den die Initiatoren des „Radentscheids Weilheim“ gemeinsam mit der Stadt veranstalteten. Zu Fuß waren Interessierte dabei auf der Achse Prälatenweg–Stadtzentrum–Nordendstraße unterwegs und diskutierten an besonders kritischen Kreuzungen mögliche Lösungen.

Zum Beispiel an der Kreuzung Prälatenweg/Waisenhausstraße: Letztere soll bekanntlich von einer Staatsstraße zur kommunalen Straße umgewidmet werden – wodurch „eine deutliche Verbesserung der aktuellen Situation möglich wird“, wie Roland Bosch und Thomas Meiwald vom „Radentscheid“ in einer Pressemitteilung schreiben: Eine Reduzierung der Durchgangsgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h komme dann ebenso in Betracht wie eine Bevorrechtigung der Radverkehrsachse Prälatenweg gegenüber der Waisenhausstraße. Allerdings wird die Umwidmung – die für solche Überlegungen Voraussetzung ist – noch einige Zeit auf sich warten lassen. Im Verkehrsausschuss des Stadtrates berichtete der zuständige Sachgebietsleiter des Staatlichen Bauamts kürzlich, es werde wohl erst 2024 soweit sein. Das Verfahren der Umwidmung „ist doch aufwendiger“, so Peter Reichert.

„Shares Space“ bei der Jahnhalle?

Ein Knackpunkt, so war man sich beim „Mobilitäts-Wandel-Gang“ einig, ist auch der Bereich des Parkplatzes zwischen Jahnhalle und Realschule – wo sich zu Stoßzeiten Autos, Busse, Fußgänger und Radfahrer begegnen. Hier erscheine ein sogenannter „Shared Space“ sinnvoll, wie es hieß: eine Fläche, die nicht eindeutig als Fußgängerzone, Radweg oder Straße ausgebaut wird, sondern in der Art eines „Platzes“ so gestaltet wird, „dass hier für jeden erkennbar Gleichberechtigung und gegenseitige Rücksichtnahme im Vordergrund steht“.

Im weiteren Verlauf verdiene die Gestaltung der Kreuzung vor der Bäckerei Grünwald besondere Aufmerksamkeit: Hier, so berichten die Initiatoren, sei ein Mini-Kreisverkehr ebenso denkbar wie eine Ampelanlage oder eine bevorrechtigte und erhöhte „Radwege-Furt“, die durch breite rote Markierungen kenntlich gemacht wird.

Alles hängt von Weilheims Finanzlage ab

Allerdings werden „all diese und die vielen anderen in Weilheim zur Ertüchtigung des Radwegenetzes erforderlichen Einzelmaßnahmen von der Finanzierung abhängen“, heißt es in der Pressemitteilung mit Verweis auf entsprechende Äußerungen von Stadtbaumeisterin Katrin Fischer und Standortförderer Stefan Frenzl, die beide mit vor Ort waren. Vorläufiges Resümee von Thomas Meiwald und Roland Bosch (Letzterer gehört seit September 2021 auch Weilheims Stadtrat an): „Unter dem Strich werden wir Weilheimer angesichts klammer Kassen zwar noch sehr viel Geduld aufbringen müssen, der Weg ist aber jetzt deutlich vorgezeichnet und führt in die richtige Richtung.“

Keine schnelle Lösung in Sicht

Fischer hofft, dass 2023 mit der Planung für die beiden Pilot-Routen begonnen werden kann. Doch die Ausführung selbst werde aufgrund der vielen schwierigen Stellen „noch länger dauern“. Etwa für die Kreuzung bei der Bäckerei Grünwald gebe es „keine einfache, schnelle Lösung“, erläuterte die neue Stadtbaumeisterin auf Tagblatt-Anfrage. Dort müsse man „einen größeren Bereich in den Blick nehmen“ und dann einzelne Bauabschnitte bilden.

Radweg nach Achalaich: Noch kaum Fortschritte

In der jüngsten Verkehrsausschuss-Sitzung ging Fischer auch kurz auf einen weiteren Problempunkt für Radler ein: das neue interkommunale Gewerbegebiet Achalaich zwischen Weilheim und Polling, das per Fahrrad nur schwierig zu erreichen ist. Zur Verbesserung der Situation habe es zwei Arbeitstreffen gegeben, an denen die Bürgermeister beider Kommunen und einmal auch die Landrätin teilnahmen. Doch müsse man erst noch festlegen, „in welche Richtung man gemeinsam geht“, so Fischer. Schon bestehende Planungen werden derzeit von einem Fachbüro aktualisiert; dieses soll zugleich Fördermöglichkeiten eruieren. An einem nächsten Treffen solle dann auch das Staatliche Bauamt teilnehmen, das für die Staatsstraße zuständig ist. Einen Termin dafür gibt es allerdings noch nicht.

Auch interessant

Kommentare