Im frisch sanierten Gebäude Obere Stadt 28 hat die Stadt Weilheim Räume angemietet, um von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen unterbringen zu können.
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Im frisch sanierten Gebäude Obere Stadt 28 hat die Stadt Weilheim Räume angemietet, um von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen unterbringen zu können.

Weilheim

Raum für Wohnungslose in der Oberen Stadt

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Eine neue Auffangmöglichkeit für Weilheimer, die obdachlos sind oder denen Wohnungslosigkeit droht: Die Stadt hat für solche Fälle Räume in der Oberen Stadt angemietet – zusätzlich zur Notunterkunft in Töllern. Von einer „Obdachlosenunterkunft“ will man bewusst nicht sprechen. Und zeitweise wären auch andere Nutzungen denkbar.

Weilheim – Bei dem neuen Objekt handelt sich um zwei Stockwerke an der Oberen Stadt 28 – Räume, die von der Stadt Weilheim eigentlich angemietet wurden, weil die städtische Obdachlosenunterkunft neben der Töllernkirche bekanntlich aufwändig saniert werden muss. Angesichts der immensen Kosten dieser Sanierung (das Gebäude ist denkmalgeschützt, das Projekt mit rund 4,8 Millionen Euro veranschlagt) und dem klammen Stadt-Haushalt wurde dieses Vorhaben jedoch aufgeschoben. Wann es der Stadtrat in Angriff nimmt, ist völlig offen.

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Vorerst hat die Stadt das Töllernhaus „notdürftig hergerichtet“, sagt Ordnungsamts-Leiter Andreas Wunder, sodass dort Parterre und erster Stock weiterhin nutzbar sind und der Druck in Sachen Ersatz-Domizil fürs erste raus ist. Aktuell sind in Töllern inklusive Hausmeister sieben Personen untergebracht, erklärt Tobias Stiglmair, der im Rathaus das „Amt für soziale Angelegenheiten“ leitet. Allerdings könne dort zum Beispiel keine Familie mit Kindern aufgenommen werden – wofür aber durchaus Bedarf ist. Auf der Warteliste für Sozialwohnungen finden sich „in letzter Zeit relativ viele“ Familien, denen etwa wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, so Stiglmair auf „Tagblatt“-Anfrage. Und nicht immer könne diesen rechtzeitig eine Sozialwohnung vermittelt werden.

Genau für solche Fälle sollen die neu angemieteten und vom Eigentümer frisch renovierten Räume in der Oberen Stadt eine Übergangsmöglichkeit sein. Laut Stiglmair stehen dort im Erdgeschoss drei und im ersten Stock vier Zimmer zur Verfügung – die sowohl für Familien als auch für Einzelpersonen (dann mit Gemeinschaftsbad und -küche) geeignet sind. Damit habe die Stadt Weilheim in Sachen Notunterbringung „alles abgedeckt, was man abdecken kann“.

Ordnungsamts-Chef Wunder betont, diese Räumlichkeiten seien auch für andere Zwecke nutzbar, sie könnten zum Beispiel „übergangsweise auch Büros werden“. Doch grundsätzlich seien die Räume zur Notunterbringung von Weilheimern gedacht, die obdachlos oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind, wie Bürgermeister Markus Loth gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Eine klassische „Obdachlosenunterkunft“ sei es freilich nicht. Im Mai werde eventuell eine erste Familie einziehen. Im städtischen Haushaltsplan für 2021 sind laut Stadtkämmerer Christoph Scharf rund 29 000 Euro für das angemietete Objekt veranschlagt.

Wie groß der Bedarf für eine solche Unterkunft ist, zeigen auch aktuelle Zahlen von Sozialamts-Leiter Tobias Stiglmair: 197 Bewerber stehen derzeit auf der Warteliste für Sozialwohnungen in Weilheim, sie alle haben einen entsprechenden Wohnberechtigungsschein. Das Spektrum reicht von „Einzelpersonen bis zu Haushalten über sechs Personen“, quer durch alle Altersgruppen. „Und die Tendenz steigt eher.“

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