Wie lange hängt das Schild noch? Der Weilheimer real-Markt gehört zu den größeren Standorten und fällt vor allem wegen seiner innerstädtischen Lage aus dem üblichen Raster auf der grünen Wiese. 
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Wie lange hängt das Schild noch? Der Weilheimer real-Markt gehört zu den größeren Standorten und fällt vor allem wegen seiner innerstädtischen Lage aus dem üblichen Raster auf der grünen Wiese. 

Hängepartie für Mitarbeiter

real-Standort: Entscheidung bis Ende Juni?

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Für die rund 120 Mitarbeiter des Weilheimer real-Markts ist es eine Hängepartie: Noch immer ist unklar, wie es mit dem Standort weitergeht. 

Weilheim – Kami Azghandi ist ebenso ratlos wie freundlich. Er habe„leider noch nichts gehört“, sagt der Leiter des Weilheimer real-Markts auf Anfrage zur Zukunft seines SB-Warenhauses. Seit Monaten befinden sich die rund 120 Mitarbeiter in einem Schwebezustand zwischen Hoffen und Bangen. Wie berichtet, hat der Handelskonzern Metro seine real-Kette samt 276 Filialen mit 34 000 Mitarbeitern an die in Luxemburg sitzende Investmentfirma SCP Group veräußert. Der Deal wurde Mitte Februar bekannt. Die Transaktion soll nach neuesten Meldungen am 25. Juni abgeschlossen werden. Der Neuerwerbung droht umgehend die Zerschlagung: 141 Märkte sollen von Edeka (53 Filialen) und Kaufland (88) übernommen werden, hieß es im April. Auch Globus und Rewe haben Interesse angemeldet. Lediglich 50 Märkte will SCP für maximal 24 Monate unter dem alten Namen „real“ weiterführen – ein Teil davon könnte zu Einkaufsmalls ausgebaut werden. Aber circa 30 Standorte sollen mangels Perspektiven dicht gemacht werden. Das hat der neue Besitzer bereits angekündigt.

Das Geschäft mit Edeka und Kaufland wird wohl noch diesen Monat unterzeichnet, heißt es in Wirtschaftskreisen. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet die real-Märkte bescherten Metro in der Corona-Zeit für das letzte Quartal ein ungeahntes Umsatzplus von 8,7 Prozent.

Firmen möchten keine Stellung nehmen

Die Firmen schweigen. Von SCP und dessen Frankfurter Kommunikationsagentur ist auf Anfrage keine Antwort zu bekommen. Man möge bitte Verständnis haben, „dass wir zu dem Thema Real aktuell keine Stellung nehmen“, heiß es aus der Neckarsulmer Kaufland-Zentrale. Ähnliches von Edeka aus Hamburg: Man äußere sich nicht „zu einem laufenden Prozess“. Auskünfte könne „künftig nur noch der Käufer“ geben, teilt eine Metro-Sprecherin aus Düsseldorf mit.

Verdi kritisiert Umgang mit der Belegschaft

„Es geht wohl noch um Mietverhandlungen“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Manuela Karn, in Kempten für Handel zuständig. Der Bezirk Allgäu betreut den Landkreis. Karn nennt den 30. Juni, bis wann spätestens Ergebnisse mitgeteilt werden sollen. Diese Info gab es von Betriebsräten, mit denen man in engem Kontakt steht.

Ansonsten herrscht Funkstille. „Die lassen gar nichts raus“, kritisiert Karn die Politik der beteiligten Unternehmen. „Wir haben bisher noch keine Auskunft bekommen.“ Weil Entscheidungen nicht in der Region getroffen werden, ist die lokale Interessensvertretung schwierig. Der Berliner Verdi-Bundesverband warnt generell vor der Aufsplitterung des Unternehmens real und einer „Existenzgefährdung für tausende Beschäftigte“.

Weitere Mitarbeiter in anderen real-Märkte betroffen

Weilheim ist nicht das einzige Sorgenkind für Gewerkschaftssekretärin Karn. Weitere real-Märkte im Bezirk finden sich ein Memmingen (rund 100 Mitarbeiter) und Kempten (etwa 80 Mitarbeiter). „Wir kämpfen um jeden Standort“, bekräftigt Karn. Aber: „Es stehen noch Schließungen im Raum.“ Entsprechend schlecht sei die Stimmung in der Belegschaft. „Das geht schon zwei Jahre so.“ Seit 2018 versucht die Metro aus Kostengründen ihre real-Tochter zu verkaufen. Per Sanierungsvertrag hatten sich die Beschäftigten gar zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärt. „Es ist unfassbar, was mit den den Beschäftigten passiert“, sagt Karn. „Sie warten darauf, dass endlich Klarheit herrscht.“

Die ersten Märkte sollen „ab dem vierten Quartal dieses Jahres an Kaufland und Edeka übergehen“, kündigte der Investor laut „manager-magazin“ an. Man rechnet mit einem Zeitraum von etwa 18 Monaten bis alle Filialen den Besitzer gewechselt haben. Für die verbleibenden real-Märkte werden weiterhin alle Optionen geprüft – von einem Verkauf über die Aufteilung in kleinere Flächen bis zur Schließung.

Das sagt die Stadt Weilheim zur Angelegenheit 

Bei der Stadt hat man den heimischen real-Markt stets für seine zentrale Lage gerühmt. Das SB-Warenhaus bediene ein großes Einzugsgebiet, sagte Standortförderer Stefan Frenzl im Februar, als der Metro-Verkauf publik wurde, der Heimatzeitung. „Er nimmt einen Teil der Nahversorgung wahr.“ Bürgermeister Markus Loth (BfP) nennt es einen „wichtigen Standort“. Allerdings räumt er auch ein, dass die Stadt in der Angelegenheit „nicht viel machen“ könne.

Der real-Markt in Weilheim wurde 2012/2013 in einer Kooperation mit dem Augsburger Besitzer „Holzer“ für damals genannte zwölf Millionen Euro saniert und erweitert. Geschäftsleiter Azghandi ist Besitzerwechsel gewohnt. Er arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Kaltenmoserstraße und hat noch die Parkkauf- und Walmart-Zeiten erlebt.

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