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Weilheims Notunterkunft für Obdachlose neben der Töllernkirche soll saniert und erweitert werden. Der Anbau links wird dabei voraussichtlich ersetzt.

Machbarkeitsstudie vorgestellt 

Weilheim: Sanierung der Notunterkunft kostet 4,8 Millionen

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4,8 Millionen Euro müsste die Stadt in die Sanierung und Erweiterung ihrer Notunterkunft für Obdachlose stecken – das hat eine Machbarkeitsstudie für das denkmalgeschützte Haus neben der Töllernkirche ergeben. 

Weilheim – Es sei „die allerletzte Station für die, die sonst schon alles durch haben“, so charakterisierte Bürgermeister Markus Loth (BfW) in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung das einstige Leprosenhaus unterhalb der Töllernkirche, das die Stadt seit Jahrzehnten als Notunterkunft für Obdachlose nutzt. Aktuell leben dort acht Bewohner inclusive Hausmeister, maximal wäre Platz für etwa zehn – wobei einige dann Durchgangszimmer ohne jede Privatsphäre hätten, wie Tobias Stiglmair, Leiter des städtischen Sozialamts, auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.

Derzeitige Zustände sind „menschenunwürdig“

„Menschenunwürdig“ seien derzeit die baulichen Zustände im Töllernhaus, das sagte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt im Bauausschuss und nannte das Gebäude „stark, stark, stark sanierungsbedürftig“. Wie eine solche Sanierung aussehen könnte und was sie kosten würde, dafür haben das Münchner Architekturbüro WSSA und mehrere Fachplaner im Auftrag der Stadt eine umfangreiche Machbarkeitsstudie erstellt. Nun wurde diese Studie, der intensive Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde sowie statische und bauphysikalische Untersuchungen vorausgegangen waren, im Bauausschuss des Stadtrates vorgestellt.

Im Raum steht demnach eine Sanierung mit Erweiterung: Architektin Ulrike Böhm schlägt einen formgleichen, aber schmaleren Anbau an der Rückseite des denkmalgeschützten Gebäudes vor. Somit wäre auch ein zusätzliches Treppenhaus samt dringend nötiger Fluchttreppe nach draußen möglich; der bestehende Anbau würde dafür abgerissen. Man habe die Planung „so bescheiden wie möglich“ gehalten, betonte die WSSA-Mitarbeiterin, und zugleich „das Größtmögliche rausgeholt“. Denn jeder Bewohner solle nach dem Umbau eine „eigene, autarke Einheit“ mit Bad, Toilette und Küchenzeile erhalten.

„So bescheiden wie möglich“ geplant

Insgesamt sind 19 Einzel- und fünf Doppelzimmer vorgesehen, dazu ein komplett „behindertengerechtes“ Zimmer im Anbau (alle weiteren Zimmer im Parterre sollen zumindest auch für Gehbehinderte erreichbar sein) sowie ein Gemeinschaftsraum für 30 Personen, eine Waschküche, eine Werkstatt und Technikräume. Die Nutzfläche im bestehenden Gebäude betrage nach dem Umbau etwa 500, die im Anbau 300 Quadratmeter.

Statisch müsse das Töllernhaus „an vielen Stellen ertüchtigt“ werden, so Böhm, teils fehlten Fundamente, und auch eine Sanierung der Holzbalken sei nötig. Um Schimmelbildung zu vermeiden, solle eine automatische Lüftung eingebaut werden. Im Inneren des Gebäudes ist der Architektin zufolge „wenig an Denkmalschutz-relevanter Substanz vorhanden“, weshalb ein Umbau gut möglich sei. Allerdings fordere der Denkmalschutz den Einbau passender Holzfenster und eine Sanierung des Gebälks.

Kaum Zuschuss zu erwarten

Für den denkmalpflegerischen Mehraufwand ist laut Stadtbauamt allenfalls ein Zuschuss im niedrigen sechsstelligen Bereich zu erwarten. Ansonsten muss die Stadt die Sanierung und den Anbau komplett selbst schultern. Die Gesamtkosten beziffert WSSA auf rund 4,8 Millionen Euro; 3,5 Millionen davon seien allein für die Sanierung des Altbaus nötig. „Egal, was wir mit dem Haus machen“, sagte Roppelt dazu im Ausschuss: „Die Sanierungskosten werden wir immer haben.“

Vor diesem Hintergrund sahen auch die Stadträte im Ausschuss keine Alternative zu den vorgestellten Plänen. Der denkmalpflegerische Mehraufwand  sei „nötig und angebracht“, sagte CSU-Stadtrat Klaus Gast, der zugleich Kreisheimatpfleger ist: Es handle sich um eine „ganz besondere Situation“ und „ein einzigartiges Gebäude in der Stadt“, entsprechend vorbildlich müsse die Stadt hier mit ihrer Historie umgehen. Dabei solle das Gebäude kein Museum, sondern weiter mit Leben gefüllt werden, so Gast: „Die Frage, ob man das ,für diese Nutzung’ macht, darf sich gar nicht stellen.“

Stadträte sehen „keine Alternative

Man müsse das Erbe dieses historischen Hauses pflegen und es weiterhin „für die Ärmsten zur Verfügung stellen“, befand BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek – „auch das zeichnet eine Gesellschaft aus“. Von ihrer Fraktion komme daher „ein klares Ja, dass man das weiterverfolgen muss, auch wenn man von den Kosten her Bauchweh hat“. Zwar stehe und falle das Projekt mit der Finanzierung, ergänzte BfW-Kollege Claus Reindl. Doch müsste man ansonsten ja „das Haus räumen und eine andere Möglichkeit für Obdachlose schaffen“, so Reindl: „Das müssen wir gegenrechnen“ – von daher gebe es „keine Alternative“ zu den vorgelegten Plänen. Das nötige Geld sei „gut investiert“ in dieses Gebäude und seine Nutzung, sagte auch SPD-Vertreter Michael Lorbacher: „Das wird noch ein langer Weg sein; dass das nicht in einem Jahr gestemmt ist, wissen wir alle. Aber wir dürfen uns da nicht verstecken und müssen es beherzt angehen.“

Eine neuerliche Abstimmung gab es im Gremium nicht. Der Grundsatzbeschluss sei schon gefällt, so Loth, nun gehe das Ganze in die Haushaltsberatungen.

Als Sozialreferentin des Stadtrates machte Marion Lunz-Schmieder (CSU) deutlich, dass die geplante Anzahl von Plätzen in der Unterkunft nötig und die jetzige Situation „schlicht und einfach nicht haltbar“ sei. Sie betonte, dass zurzeit zwei Drittel der Bewohner Arbeitsplätze hätten: „Es macht Sinn, das Haus entsprechend herzurichten.“

mr

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