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Die Verwaltung von K&L soll in Weilheim bleiben.

Schmerzhafter Schnitt für Mitarbeiter in Weilheim: K&L verlagert Logistik nach Augsburg

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Trotz der erfolgreichen Übernahme durch Schuh Schmid erwartet die Mitarbeiter von K&L in Weilheim ein letzter schmerzlicher Schritt. Die Logistik wird nach Augsburg verlegt, 40 Arbeitsplätze fallen weg. Der Gesamtbetriebsrat ist dennoch höchst positiv gestimmt.

Weilheim – Eine K&L-Mitarbeiterin, die aus Angst um ihren Job anonym bleiben will, konnte vergangene Woche nicht mit in den Jubel einstimmen, als die Rettung des Weilheimer Modehauses bekannt gemacht wurde: Am selben Tag, an dem die Gläubiger der Übernahme von K&L durch die Augsburger Modekette Schuh Schmid zustimmten, informierte das Management auch die Mitarbeiter über die geplante Abwanderung der Logistik. Viele der betroffenen 40 Frauen und Männer, die zum Teil seit beinahe 40 Jahren in der Firma arbeiten, müssen sich wohl langfristig nach einem neuen Job umsehen, wenn sie nicht umziehen oder pendeln möchten. „Sie stehen mit ihren Familien auf der Straße“, drückt es die Frau drastisch aus.

Deutlich weniger dramatisch sieht K&L-Gesamtbetriebsratschef Christian Mautner die Situation. Seine Aufgabe ist es, ab kommender Woche mit dem Management zu verhandeln und mit den betroffenen Mitarbeitern zu reden. Dem Investor macht Mautner bereits jetzt nicht den geringsten Vorwurf: „Er würde sofort alle 40 in Augsburg weiterbeschäftigen“, weiß er von Schuh-Schmid-Geschäftsführer Robert Schmid.

Gespräche zwischen Betriebsrat und Unternehmen

„Grundsätzlich wollen wir alle Mitarbeiter mitnehmen. Wir sind im Gespräch mit dem Betriebsrat, wie wir das realisieren können“, heißt es dazu in einer gemeinsamen Stellungnahme von K&L und der Schmid-Gruppe. Beide Unternehmen haben demnach aktuell eigene Logistikkapazitäten, die nur zu einem Bruchteil ausgelastet seien, „sodass es Sinn macht, sich für einen Standort zu entscheiden“. Der Standort in Augsburg sei erst zwei Jahre alt und auf dem neuesten Stand der Technik. Wann der Umzug über die Bühne gehen wird, steht noch nicht fest, voraussichtlich aber im Laufe des nächsten Jahres, heißt es.

Schmid habe eine „sozialverträgliche Lösung“ zugesagt, berichtet derweil der Betriebsrat. Wie diese aussieht, muss jetzt freilich noch verhandelt werden. Einigen Mitarbeitern könnte man auch Jobs bei der K&L-Filiale in Weilheim-Neidhardt anbieten, meint Mautner. Er glaubt nicht, dass es für die Betroffenen schwer wird, Anschlussjobs zu finden: „Der Markt ist leer.“

K&L-Verwaltung soll in Weilheim bleiben

Für die übrigen Beschäftigten in der Zentrale ändert sich derweil nichts: „Die Verwaltung von K&L verbleibt weiterhin in Weilheim“, erklärt das Management. Ob die Angestellten weiter in dem Gebäude an der Paradeisstraße arbeiten werden, ist dagegen noch offen. Nach Angaben des Betriebsrates gehört es der früheren K&L-Eigentümerfamilie Ruppert. „Wenn man sich mit ihr einigt, wird man dort bleiben“, weiß Mautner. Es gebe aber auch noch zwei weitere „attraktive Angebote“, berichtet er.

Der Gesamtbetriebsratschef sprüht gerade vor Optimismus, „wir sehen sehr positiv in die Zukunft.“ Mautners Dank gilt vor allem K&L-Chef Jens Bächle, der das Unternehmen 2017 von der Familie Ruppert übernommen hatte. „Er ist ein Vorstand mit Leib und Seele, den man sich als Mitarbeiter nur wünschen kann.“ Ohne ihn „würde es uns heute nicht mehr geben“, ist sich der Betriebsratschef sicher.

Wie berichtet, war Bächle bereits 2018 drauf und dran, das Ruder bei dem ins Trudeln geratenen Textilmodeunternehmen herum zu reißen. Ein viel zu warmer September, in dem die Kunden die schon in den Regalen liegenden Winterkollektionen verschmähten, brachte K&L dann aber derart in die Bredouille, dass ein gesteuertes Insolvenzverfahren unter einem Schutzschirm eröffnet wurde. In diesem Jahr gelang es Bächle in einem insgesamt schwierigen Markt, den Umsatz zu steigern. Am Ende war auch die Investorensuche von Erfolg gekrönt.

Standorte in Garmisch-Partenkirchen und Erlangen werden geschlossen

Nach der Übernahme geht es jetzt allerdings doch nicht überall weiter,die Standorte in Garmisch-Partenkirchen und Erlangen werden geschlossen. „Im Laufe des Frühjahrs hat sich gezeigt, dass beide Filialen defizitär laufen und mittel- bis langfristig nicht die Chance besteht, dass sie einen positiven Ergebnisbeitrag leisten können“, erklärte das Management am Freitag. „Allen Mitarbeitern wird die Möglichkeit geboten, alternativ in eine der weiter bestehenden Filialen zu wechseln.“

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