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Das Friseurgewerbe steht traditionell im Ruf, besonders schlecht zu bezahlen.

Ausbilder äußern sich 

Mindestlohn für Lehrlinge: Darum sind die Betriebe im Landkreis skeptisch

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515 Euro – so viel sollen Auszubildende laut eines Vorschlags der Bildungsministerin verdienen. Wir haben bei Betrieben nachgefragt, was Ausbilder davon halten. 

Landkreis – 450 Euro für den Schornsteinfeger-Azubi, 498 Euro für den Lehrling im Friseurbetrieb – so hoch ist die durchschnittliche Vergütung von Auszubildenden im ersten Lehrjahr durchschnittlich in Deutschland. Ein Gesetzesentwurf der Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht nun vor, diese Vergütung zu erhöhen: Ein sogenannter Mindestlohn soll ab 2020 mindestens 515 Euro pro Monat garantieren – mit Erhöhungen in den Folgejahren und Aufschlägen im zweiten und dritten Lehrjahr.

Doch was hält man in Ausbildungsbetrieben im Landkreis von diesem Vorschlag? „Ich sehe es kritisch“, sagt Michael Hunger, Inhaber des Friseursalons „hunger“ in Schongau. In seinem Salon ist eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr beschäftigt. „Wir zahlen generell mehr als diesen Mindestlohn“, sagt er, „aber ich denke, es wäre falsch, alle Regionen und Berufe in Deutschland über einen Kamm zu scheren.“

Extra-Zahlungen und Tankgutscheine statt Azubi-Mindestlohn

Wie Hunger erklärt, würden die Friseurbetriebe selbst regelmäßig in Verhandlungen mit den Gewerkschaften stehen. „Ab dem Sommer erhält ein Auszubildender in Bayern im ersten Lehrjahr sowieso 515 Euro“, sagt er. Ein einheitlicher Mindestlohn würde „diese Verhandlungen ad absurdum führen“. Generell hält er Zahlungen der Betriebe auf freiwilliger Basis für sinnvoller. „Wenn ein Auszubildender besonders engagiert ist, würdige ich das gerne – mit extra Zahlungen oder zum Beispiel mit Tankgutscheinen“, sagt er, „aber mit einer gesetzlichen Erhöhung ist wenig gewonnen.“

Markus Hochmuth, zuständig für das Personal bei der Metzgerei „Boneberger“, ist zudem unschlüssig, ob ein solcher Mindestlohn dazu beiträgt, Ausbildungsberufe attraktiver zu machen. „Ich denke, dass sich die meisten Auszubildenden einen Beruf aussuchen, der ihnen Spaß macht“, sagt er, „diese Summe wird daran nicht viel ändern.“ Die Metzgerei, die mit einer Filiale in Weilheim und einer Filiale in Schongau im Landkreis vertreten ist, bildet aktuell einen Metzger im zweiten Lehrjahr sowie vier Metzgereifachverkäufer aus. Etwa 900 Euro brutto erhalten die Auszubildenden in ihrem ersten Lehrjahr bei „Boneberger“. Im dritten Jahr der Ausbildung liegt ihr Gehalt bei etwa 1200 Euro.

„Wir sind der Meinung, dass Leistung auch entsprechend bezahlt werden muss“, so Hochmuth, „auch Auszubildende können ja schon gewisse Tätigkeiten im Betrieb übernehmen.“

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Das verdient der Kaminkehrer-Lehrling

Roman Neuner, Bezirksschornsteinfeger in Peißenberg, bildet ebenfalls aus. Aktuell hat er eine Auszubildende im ersten Lehrjahr, die „etwa 500 Euro netto“ im Monat verdient. Die Debatte um einen Mindestlohn für Lehrlinge verfolgt er nur am Rande. „Wir richten uns sowieso nach dem Bundestarifvertrag für das Schornsteinfegerhandwerk“, sagt er.

In seinem Betrieb ist er auf Gesellen angewiesen. „Aushilfskräfte kann ich nicht anstellen“, so Neuner. Die Stelle durchgehend zu besetzen, werde allerdings zunehmend schwieriger. „Im Handwerk gibt es generell so viele offene Stellen“, sagt er. Dass die Einführung eines Mindestlohns dabei hilft, die Ausbildungsplätze zu besetzen, glaubt er nicht: „Ich bin skeptisch, ob dadurch so große Anreize geschaffen werden. Aber natürlich sollte ausreichend gezahlt werden.“

nema

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