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Klick, piep, bezahlt: Kontaktloses Bezahlen mit dem Handy hat sich schnell etabliert.

Aus Angst vor Corona-Ansteckung?

Boom beim kontaktlosen Bezahlen: Hendl-Kauf mit Handy

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Die Corona-Krise veränderte alles – auch die Art, wie wir bezahlen und Bankgeschäfte erledigen. Selbst kleine Beträge werden zunehmend bargeld- und idealerweise sogar kontaktlos mit dem Handy bezahlt. Ein deutlicher Trend, den die Kreditinstitute im Landkreis bestätigen.

Landkreis – Vor einigen Monaten noch undenkbar: Beim Metzger ein halbes Hendl kaufen, doch statt das Portemonnaie zu zücken, folgt ein kurzer Klick auf das Handy, das für einen Augenblick über den Kartenterminal gehalten wird. Es piept, der Bezahlvorgang über 4,30 Euro ist abgeschlossen. In Sekundenschnelle, ohne dass Käufer oder Verkäufer Geld anfassen und übergeben mussten.

Neuerdings ist es fast überall möglich, einfach mit dem Handy oder der Geldkarte kontaktlos zu bezahlen. Im Supermarkt: Piep. An der Tankstelle: Piep. Beim Lieferdienst, im Blumenladen, beim Bäcker: Piep.

„Wir haben festgestellt, dass es zwischen Mitte März und Mitte April einen Anstieg um das Zweieinhalb- bis Dreifache beim kontaktlosen Bezahlen gab“, sagt Michael Schuldes, Leiter des Vorstandsstabs bei der VR-Bank Werdenfels. Er rechnet damit, dass der Zuwachs mittlerweile beim Fünffachen liegt. Auch die Akzeptanz bei den Einzelhändlern sei gestiegen, seit die Gebühren für Kartenzahlungen je nach Anbieter deutlich gesunken sind, so Schuldes weiter. Die Laden- und Restaurantbesitzer würden die Vorteile des Handyzahlens – Kontaktfreiheit, schneller Abwicklung und weniger Arbeit mit Bargeld – zunehmend zu schätzen wissen.

„Sparkasse hat nach wie vor eine hohe Affinität zum Bargeld“

Ähnliches hat auch der Pressesprecher der Sparkasse Oberland, Robert Christian Mayer, zu berichten. Direkt nach Ausbruch der Corona-Krise hätte es einige wenige, dafür aber sehr hohe Bargeldabhebungen gegeben (wir berichteten), danach habe sich allerdings die Zahl bargeld- und kontaktloser Transaktionen deutlich erhöht.

Das muss doch die Banken freuen, schließlich ist das Bargeldgeschäft für die Kreditinstitute sehr teuer? „Die Sparkasse hat, genau wie der größte Teil der Bevölkerung, nach wie vor eine hohe Affinität zum Bargeld“, so Mayer. Das Problem sei lediglich das Münzgeld. „Wir müssen alle Münzen, die bei uns abgegeben werden, auf unsere Kosten bei der Landesbank prüfen lassen. Dort werden sie dann auch – gegen Gebühr – gerollt und wieder ausgeliefert. Dann müssen wir es vor der Ausgabe noch einmal prüfen und erneut rollen“, berichtet Mayer. Das sei mit erheblichen Kosten verbunden, aber ein Service, den die Sparkasse auch weiter anbieten wolle.

Starken Anstieg beim Online-Banking registriert

Genaue Zahlen zum Anstieg der kontakt- und bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten konnte Mayer nicht geben, weil sie nicht erhoben werden. Was er allerdings deutlich festgestellt hat, ist ein starker Anstieg bei den Anträgen für das Onlinebanking. „Im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern im Umkreis hatten wir in den vergangenen Wochen immer noch zahlreiche Filialen geöffnet“, berichtet Mayer.

Von den 29 „bemannten“ Filialen seien das wochenlang 17, später dann noch 13 gewesen. „Das gehört zum Selbstverständnis der Sparkasse, dass wir auch in schweren Zeiten persönlich ansprechbar bleiben“, so der Pressesprecher. Gleichwohl seien die Filialen kaum aufgesucht worden, stattdessen hätten sich die allermeisten einen Bankingzugang vom heimischen Rechner aus zugelegt, berichtet Mayer.

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Auch Michael Schuldes von der VR-Bank Werdenfels hat ähnliche Beobachtungen gemacht: „So leer wie in den vergangenen Wochen war es in unserer Zentrale hier noch nie“, berichtet er. Bei der VR-Bank sei der Trend zum Onlinebanking ebenfalls deutlich erkennbar. Svenja Kratz, Marketingchefin bei der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel, meinte auf Anfrage der Heimatzeitung, dass die Kunden ihres Hauses schon immer sehr technikaffin gewesen seien. So seien schon Ende 2018 etwa die Hälfte der bargeldlosen Zahlungen ihrer Kunden kontaktlos erfolgt, in dem die Karte nur über das Gerät gehalten wurde. Jetzt seien es sicher mehr als 60 Prozent, die die Möglichkeiten kontaktlosen Zahlens nutzen, so Kratz.

Technische Voraussetzungen rechtzeitig geschaffen

Auch beim Onlinebanking liege der Anteil seit Jahren sehr hoch, berichtet sie weiter. Die Kunden hätten sich frühzeitig angemeldet, würden die kleinen, alltäglichen Aufgaben zu Hause am PC oder Handy erledigen und sich in wichtigen Dingen in der Filiale vor Ort beraten lassen. „Deswegen haben wir in den vergangenen Wochen auch keinen nennenswerten Anstieg beim Onlinebanking verzeichnet – wir sind mit der Quote sehr zufrieden“, sagte Svenja Kratz.

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Alle drei befragten Banken aus der Region äußerten sich auf Anfrage der Heimatzeitung zufrieden darüber, dass rechtzeitig vor Ausbruch der Corona-Pandemie die technischen Voraussetzungen für das bargeld- und kontaktlose Bezahlen geschaffen wurden. So können die Kunden nicht nur mit der Bank- und Kreditkarte zahlen, ohne die Karten ins Lesegerät stecken zu müssen. Auch die Voraussetzungen für Apple Pay mit iPhones und Android-Bezahlsysteme seien geschaffen worden und würden rege genutzt, heißt es weiter.

Ob dieser Trend allerdings auch nach der Corona-Pandemie anhält oder ob dann wieder verstärkt bar in den Geschäften bezahlt wird, dazu konnte und wollte allerdings keiner der Befragten eine Prognose abgeben.

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