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Hilfe über die Landwirtschaft hinaus: (v.l.) Vorsitzende Christa Off, Einsatzleiterin Sandra Schneider, Azubi Bernadette Karg, Dorfhelferin Samira Kummer, stellvertretende Kreisbäuerin Maria Lidl und Geschäftsführer Thomas Müller.

Bedarf wächst

Dorfhelfern im Landkreis Weilheim-Schongau fehlt der Nachwuchs

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Vor 20 Jahren wurde die hauptamtliche Dorf- und Betriebshilfe im Landkreis auf neue Verbands-Beine gestellt. Die Vermittlung läuft über den Maschinenring. Das Konstrukt funktioniert gut. Der Bedarf an den Helfern wächst – doch es fehlt an Nachwuchs.

LandkreisSie springen ein, wenn in landwirtschaftlichen Betrieben und in Familien im ländlichen Raum Notsituationen eintreten. Wenn die Frau im Haus ausfällt oder der Landwirt nicht mehr arbeiten kann. Unfälle, Krankheiten, Krankenhaus, Schwangerschaft oder Todesfall – dann können im Landkreis die Kräfte der Katholische Dorfhelferinnen & Betriebshelfer in Bayern GmbH (KDBH) angefordert werden.

Die KDBH, 1999 gegründet und mit Sitz in Landshut, ist eine der Organisationen unter dem Dach des Verbands der Dorf- und Betriebshilfsdienste in Bayern. Auch Maschinenring (MR) und Bauernverband gehören zum „Ländlichen Dienst“. Der Peitinger MR koordiniert seit 2012 die Einsätze.

Verantwortliche werben dafür, Dorfhelfer im Landkreis Weilheim-Schongau zu werden

Vier hauptamtliche Dorfhelfer betreut Einsatzleiterin Sandra Schneider von der Station Weilheim-Schongau. Sie wohnen in Altenstadt, Antdorf, Rettenbach und in Krün. Dazu kommt ein Vollzeit- sowie 20 bis 25 nebenberufliche Betriebshelfer plus einige Selbstständige. Zahlen, die eines zeigen: Bei den Dorfhelfern ist Luft nach oben. „Wir wünschen uns mehr“, sagt Schneider: „Es ist Bedarf da.“ Aber der Beruf ist nicht so bekannt, räumen die Verantwortlichen ein. Eine Situation, die Stationsvorsitzende Christa Off bestätigt. Die langjährige Kreisbäuerin aus Sindelsdorf wirbt nicht nur für die Ausbildung („Es ist ein sehr interessanter Beruf“), sie betont ebenfalls, dass es nicht nur um Hilfen für Landwirte geht. „Wir helfen auch in Privathaushalten.“ Tendenz steigend: 63 Prozent der Einsätze im vergangenen Jahr erfolgten laut Jahresbericht im nicht-landwirtschaftlichen Bereich.

Diese Hilfe kann ein paar Wochen bis mehrere Monate dauern. Manchmal sogar Jahre. Gerade zum Jahresende hin schnellen die Einsatzzahlen nach oben. Gerade aus medizinischen Gründen: „Im Winter gehen mehr zum Operieren als im Frühjahr“, weiß Vorsitzende Off.

Dorfhelfer: Analog zum Bedarf erhöhte sich die Einsatzzeit

Analog zum Bedarf erhöhte sich die Einsatzzeit. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 19 273 Stunden geleistet, rechnet Stations-Geschäftsführer Thomas Müller von der Weilheimer Geschäftsstelle des Bauernverbands vor. Das waren 6923 Stunden mehr als im Vorjahr. Allein 3280 Stunden entfielen auf die Dorfhelfer, den Rest teilen sich Betriebshelfer und die Kräfte des Berufsverbands sozialer Fachkräfte im ländlichen Raum.

So gut es läuft, das Angebot leidet unter Problemen. Vor allem bei der Finanzierung: „Die Bewilligungspraxis verschärft sich“, sagt Geschäftsführer Müller. Die Kassen würden nicht mehr alles zahlen. 2018 blieb die Station der Katholischen Dorf- und Betriebshilfe laut Müller bei Gesamtkosten von rund 123 000 Euro auf einem Defizit von etwa 22 500 Euro sitzen. Die Unterdeckung muss anderweitig finanziert werden. Zuwendungen sind gern gesehen. „Die Landfrauen und fast alle Gemeinde zahlen etwas“, sagt Vorsitzende Off.

Die Sindelsdorferin hat selbst schon Hilfe auf dem Hof gehabt. Genauso wie die stellvertretende Kreisbäuerin Maria Lidl in Penzberg-Rain: „Ich habe die besten Erfahrungen gemacht.“

Infos gibt es beim Maschinenring Oberland (Telefon 08861/93003912 und www.maschinenring-oberland.de).

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