Gespräch mit Mechtild Gödde 

Eine Expertin erklärt: Warum der „Tatort“ nichts für Kinder ist

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Dürfen Kinder Fernseh-Sendungen für Erwachsene mitanschauen? Expertin Mechtild Gödde von der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) im Landkreis hat Tipps parat.

Weilheim/Landkreis – Junge Familienmitglieder müssten zwar nicht auf einen spannenden Filmabend verzichten, doch vor allem bei Erwachsenen-Filmen wie Krimis sei Vorsicht geboten.Diese Haltung vertritt Mechtild Gödde, die die KJF-Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Weilheim-Schongau (die frühere Erziehungsberatungsstelle) leitet. So ist „Tatort“-Schauen laut der Expertin vor dem 16. Lebensjahr nicht empfehlenswert, weil Jüngere „die Bilder noch nicht verstehen“ – „das heißt, sie schauen die Bilder an, aber können sie emotional nicht verarbeiten“. Gödde setzt auf Alternativen zum „Tatort“: „Es gibt ja viele Filme, die ähnlich sind, zum Beispiel „Die drei ???“, die man gemeinsam mit den Kindern anschauen kann.“

Generell ist es laut KJF wichtig, dass Buben und Mädchen altersgerechte Kindersendungen und -kanäle anschauen und nicht einfach dabeisitzen, wenn Erwachsene oder ältere Geschwister fernsehen. Gödde hält es für wichtig, dass Eltern das Fernsehverhalten ihres Nachwuchses kontrollieren. „Es macht Sinn, die Kinder zu begleiten“, erklärt sie, „dabei zu sitzen und mitzukriegen, was sie sich anschauen.“

Expertin Mechtild Gödde gibt Tipps zum Thema „Kinder und Fernsehen“.

Fernsehen sollte nicht nur bestimmenden Freizeitaktivität werden

Empfehlungen dazu, ob Fernsehsendungen für Kinder in einem bestimmten Alter geeignet sind oder nicht, gibt es im Internet zum Beispiel bei „Flimmo“, einem Angebot des Vereins „Programmberatung für Eltern“. Dort heißt es auch: „Wie viel Fernsehen für ein Kind zuviel ist, lässt sich nicht unbedingt in Stunden und Minuten ausdrücken. Wenn aber das Fernsehen zur bestimmenden Freizeitbetätigung wird, wenn sich Erzählungen und Gespräche nur noch um Fernsehsendungen oder -helden drehen, dann ist es höchste Zeit, den ‚Vielsehern’ Grenzen zu setzen.“ Laut Gödde „eine gute Richtlinie“, wie viel Fernsehen in welchem Alter erlaubt ist, bietet der Artikel auf der Internetseite „Familienhandbuch“. Es handle sich aber nur um eine grobe Empfehlung, so dass es sinnvoll sein könne, die Fernsehzeit individuell anzupassen.

Falls Eltern in Sachen „Medienerziehung“ nicht mehr weiterwissen, können sie sich auch an die Beratungsstellen der KJF im Landkreis wenden. Diese befinden sich in Weilheim, Penzberg und Schongau. Medien als „heimliche Erzieher“, so Gödde, spielten bei der Beratung durch die KJF immer wieder eine Rolle. Starker Medienkonsum sei eine direkte Gefahr für die Gesundheit.

Nachrichtensendungen können Kinder emotional überfordern 

Auch Nachrichtensendungen im Fernseh-Vorabendprogramm können laut KJF für Kinder zum Problem werden, sie verstören und emotional überfordern. „Grundsätzlich sind Kinder ja schon sehr wissbegierig“, so Gödde. „Wenn sie Nachrichten anschauen sollen oder wollen, empfehle ich die Kinder-Nachrichten.“ Sogar Erwachsene könnten von diesen „viel mitnehmen“.

Bilder über Krieg und Gewalt, wie sie in regulären Nachrichtensendungen auftauchten, könnten Kinder bis zu einem gewissen Alter „nicht wirklich verarbeiten“. Ab welchem Alter junge Menschen solche Sendungen ohne Probleme konsumieren können, sei individuell, doch sollten die Zuschauer laut Gödde auf jeden Fall bereits aus Grundschulalter heraus sein. Und dann gibt es noch eine Phase, in der Buben und Mädchen gar nicht fernsehen sollten: Das ist laut KJF das Alter bis zum dritten Geburtstag.

Kontakt zur KJF:

  • in Weilheim, Murnauer Straße 12, Telefon 0881/40470;
  • in Schongau, Weinstraße 22, Telefon 08861/9693;
  • in Penzberg, Im Thal 8, Telefon 08856/1674.

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Diese „Tatort“-Kommissarin spielt bald bei den Münchner Kammerspielen. 

Rubriklistenbild: © dpa / Christoph Schmidt 

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