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Demnächst können Schüler ab 14 Uhr alle RVO-Busse gratis nutzen.

ÖPNV

Freie (Bus-)Fahrt für Schüler und Senioren

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Alle Schüler im Landkreis können demnächst ab 14 Uhr und am Wochenende sämtliche Busse des RVO kostenlos nutzen. Und alle Senioren, die freiwillig ihren Führerschein abgeben, erhalten drei Jahre lang ein Seniorenticket für den RVO. Das hat der Kreistag jetzt beschlossen.

Landkreis – Wer älter als 60 Jahre ist, seinen Hauptwohnsitz im Landkreis Weilheim-Schongau hat und darüber nachdenkt, seinen Führerschein abzugeben, der soll demnächst drei Jahre lang eine kostenlose Seniorenjahreskarte für den RVO bekommen. Damit soll ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, dass Senioren sich nicht mehr selbst ans Steuer setzen. Das Ticket hat einen Wert von 300 Euro, die Kosten sollen denjenigen, die die Kriterien erfüllen, erstattet werden, wurde im Kreistag berichtet.

Bevor dieser die Regelung beschlossen wurde, gab es allerdings auch eine kontroverse Debatte. Elke Zehetner (SPD/Penzberg) nannte die Vorlage einen „Placebo-Antrag“. Denn es sei offen, wie es nach den drei Jahren weitergehe. Zudem habe man in Penzberg zahlreiche Gratisbusse ausprobiert – den „Tante-Emma-Bus“, den „Badebus“ und den „Discobus“. Alle gratis, keiner sei angenommen worden. Zehetner plädierte dafür, die Altersgrenze anzuheben („Mit 60 gibt keiner seinen Führerschein ab“) und dafür das Seniorenticket zeitlich unbegrenzt auszugeben. Das sei nicht möglich, sagte Manfred Plonner, der beim Landratsamt für den ÖPNV zuständig ist. Am Tarif, der ab 60 Jahren gelte und der auch – auf eigene Kosten – von Senioren genutzt werden könne, die ihren Führerschein nicht abgeben wollen, lasse sich nichts ändern.

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Michael Asam (SPD/Peiting) lobte den Beschlussvorschlag als „Türöffner für die Zukunft, der die Seniorenmobilität erleichtert“. Landrätin Andrea Jochner-Weiß erklärte, dass diese Regelung „nur eine Überbrückung darstellt, bis unser Mobilitätskonzept steht“. Der Vertrag mit dem RVO sei zudem jährlich kündbar. Die Zahl derjenigen, die theoretisch von der Neuregelung profitieren können, ist zudem überschaubar. Im vergangenen Jahr gaben gerade einmal 39 Senioren ihren Führerschein freiwillig zurück.

Wolfgang Taffertshofer (BfL/Obersöchering) machte eine Gerechtigkeitslücke aus: „Was mit all denen, die nie einen Führerschein gemacht haben?“, fragte er. Der Vorschlag sei daher nicht perfekt, aber „rechtlich geprüft und sofort machbar“. Dieser pragmatischen Herangehensweise schlossen sich am Ende auch die anderen Kreisräte an und gaben grünes Licht für das Seniorenticket.

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Wann genau es verfügbar sein wird, ist noch nicht ganz klar. Manfred Plonner sagte gestern auf Nachfrage der Heimatzeitung, man befinde sich noch in Verhandlungen mit dem RVO. Angestrebt sei eine Einführung zum 1. Dezember 2019, ganz sicher sei aber noch nicht, ob dieser Termin auch eingehalten werden könne. Gleiches gilt auch für die Nutzung der Schülerfahrkarten als Netzkarten, die vom Kreistag einstimmig befürwortet wurde. Damit können die Schüler wochentags ab 14 Uhr und an den Wochenenden ganztägig das gesamte Busnetz des RVO kostenlos nutzen.

Netzkarte darf nicht mit Schulbus-Nutzung kollidieren

Auch hierbei wurde vor dem Beschluss intensiv diskutiert. Brigitte Loth (BfL/Weilheim) meinte, sie sei „unglücklich darüber, dass die Kinder wochentags erst ab 14 Uhr das Angebot nutzen können“. Landrätin Andrea Jochner-Weiß entgegnete, dass „wir auch eine Nutzung ab 9 Uhr wollten. Das wurde aber abgelehnt, weil das ansonsten Auswirkungen auf die Schülerbeförderung haben würde“. Konkret soll verhindert werden, dass auch Kinder und Jugendliche, die kein Anrecht auf die Nutzung des Schulbusses haben, mit ihrer Netzkarte die Busse nutzen. Denn dann müsste der RVO weitere Busse zur Verfügung stellen, deren Finanzierung am Ende beim Landkreis landen würde.

Wiederholt wurde im Kreistag die Forderung laut, dass die Neuregelung, die man nun beschlossen hat, auch massiv beworben werden müsse – gerade unter Kindern und Jugendlichen, die im Sportverein trainieren. Denn dann könnte in Zukunft sicher manches Elterntaxi stehen bleiben.

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