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Keine Teilnehmer bei Wettbewerb: Ist wirklich niemand mehr stolz auf sein Heimatdorf?

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Von: Andreas Baar

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Ortsführung in Wildsteig: Das Dorf gehörte 2013 zu den letzten Teilnehmern am Wettbewerb – Rathauschef Josef Taffertshofer (Mitte mit Schirm) erklärte der Kommission den Ort. Am Ende reichte es nicht fürs Weiterkommen. © Foto: Baar (Archiv)

Das Landratsamt wirbt für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Doch Gemeinden für die Teilnahme zu finden, ist schwer. Dabei lohnt sich der Aufwand.

Landkreis – Von Niedergeschlagenheit war an diesem 26. Juni 2013 in Böbing keine Spur. Obwohl es zum ganz großen Wurf nicht gereicht hatte. Rund 100 Bürger versammelten sich spontan vor dem Gemeindehaus, um die Silbermedaille beim Bundesentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ zu feiern. Rathauschef Peter Erhard bezeichnete die Auszeichnung als großen Gewinn für den ganzen Ort: „Sie zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

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Sechs Jahre später steht wieder ein Dorfwettbewerb in den Startlöchern. Heike Grosser, Fachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt, hat aktuell alle in Frage kommenden Gemeinden angeschrieben und für eine Teilnahme am Kreisentscheid geworben.

Mitmachen dürfen nur Kommunen mit maximal 3000 Einwohnern. Aber auch Gemeindeteile, „die Ortscharakter haben“, wie Grosser erläutert. Als Termin für den Kreisentscheid hat sie den 18. und 19. September ins Auge gefasst. Rund zwei Stunden lang wird eine Kommission den jeweiligen Kandidaten unter die Lupe nehmen. 

In der Jury sitzen Vertreter von Landratsamt, Gartenbau, Heimatpflege und Landwirtschaft

Grosser möchte einen Jugendvertreter sowie einen Bürgermeister dabei haben. Bewertet werden fünf Bereiche. Der klassische Blumenschmuck ist kein Thema mehr. Stattdessen werden Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen, soziale und kulturelle Aktivitäten, Bauentwicklung, Grüngestaltung sowie landespflegerische Aspekte benotet. Grosser: „Es geht um die Zukunftsfähigkeit eines Ortes.“

Die Kreisfachberaterin wünscht sich möglichst viele Zusagen, damit der Landkreis viele Gewinner für den Bezirksentscheid weitermelden kann. Konkrete Zusagen hat sie aber noch nicht.

Dorfwettbewerb: „Werbung für die Sache tut not“

So manche Gemeinde möchte erst mal im Dorf die Bereitschaft der Vereine und Initiativen abfragen – so wie jetzt in Huglfing und Eglfing, wo sich die Gemeinderäte noch nicht auf eine Zusage festlegen wollten. Wobei: Ein offizieller Beschluss ist laut Grosser nicht nötig, auch aus dem Dorfleben heraus könne eine Teilnahme gemeldet werden. Werbung für die Sache tut Not, weiß die Landratsamtsmitarbeiterin. Es sei schwierig, Dörfer zur Teilnahme zu bewegen, räumt sie ein. „Es ist schon mit einem Aufwand verbunden.“ Und oftmals würden Kommunen bereits an anderen Programmen wie Dorferneuerung und dem Interkommunalen Entwicklungskonzept IKEK teilnehmen, was Kräfte bindet. Die Folge: Im aktuellen Wettbewerb ist überhaupt kein Vertreter aus Weilheim-Schongau dabei.

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Dabei waren die Pfaffenwinkel-Orte erfolgreich. 2007 hatte Bernried gar bundesweit Gold geholt. Überhaupt lohnt sich die Teilnahme, wirbt Grosser – egal ob es für ein Weiterkommen oder eine Medaille reicht. „Es wird einem bewusst gemacht, was man an guten Dingen im Dorf hat.“ Grosser sieht „den Blick von außen“ durch die Jury als positiv. Überhaupt habe die Arbeit im Vorfeld etwas Gutes: „Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl.“

Böbings Bürgermeister: „Silbermedaille hat uns wahnsinnig gutgetan“

Das bestätigt fast sechs Jahre nach dem Silbertriumph Böbings Rathauschef Peter Erhard: „Die Dorfgemeinschaft ist unwahrscheinlich gewachsen.“ Mit jeder weiteren Wettbewerbsebene hätten sich mehr Bürger engagiert. „Es hat uns wahnsinnig gutgetan.“ Erhard macht anderen Kommunen Mut, sich zu melden: „Viele haben Potenzial, nutzen es nur leider nicht.“ Böbing selbst wird sich allerdings heuer zurückhalten, kündigt der Bürgermeister an. „Wir alle zehren noch vom letzten Mal.“

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