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Ein Verbund, ein Fahrpreis: Mit einem solchen Angebot soll der Öffentliche Nahverkehr im Landkreis attraktiver gemacht werden – es ist wohl sicher, dass dann künftig MVV-Tickets gezogen werden.

Mit Bahn und Bus in einen Tarifverbund

Jetzt offiziell: Landkreis Weilheim-Schongau will in den MVV

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Der Landkreis Weilheim-Schongau will mit Bahn und Bus in einen Tarifverbund. Es läuft auf den MVV hinaus. Diese klare Aussage macht das Landratsamt. Und nennt einen möglichen Zeitpunkt.

Landkreis – Am Ende der letzten Kreistagssitzung herrschte Verwirrung bei einigen Volksvertretern: Hatten sie gerade einstimmig beschlossen, mit dem gesamten ÖPNV dem MVV beizutreten oder nicht? Antwort: Nein und Ja. Beschlossen wurde lediglich, dass sich der Landkreis einem einheitlichen Tarifverbund anschließen möchte, wie das Landratsamt gestern gegenüber der Heimatzeitung betonte – ein Gebiet, auf dem jedoch Platzhirsch MVV grast. So unklar der Beschluss war, so deutlich sind seine Auswirkungen: „Im Kern“, bestätigt gestern Landratsamts-Geschäftsleiter Georg Leis, war es ein Grundschatzbeschluss. Auch wenn es vordergründig nur um die Bahnhöfe gegangen war, die zum nächstmöglichen Zeitpunkt in den Tarifverbund gehen sollen. „Natürlich sind diese entscheidend“, verweist Leis auf deren Bedeutung für den Öffentlichen Nahverkehr. Allerdings will man im Landratsamt mit dem gesamten Paket in einen Verbund, also inklusive dem Busverkehr. Dies macht Manfred Plonner, in der Kreisbehörde für die ÖPNV-Planungen zuständig, auf Nachfrage deutlich. Damit wären die immerhin 86 Prozent Zuschüsse vom Freistaat nicht in Gefahr: Dieser lehnt eine „Insellösung“ nur mit Bahnhöfen ab.

Georg Leis Geschäftsleiter am Landratsamt

Dass Züge und Busse künftig in Richtung MVV abfahren, zeichnet sich ab. „Wir waren uns schon immer einig, dass ein Tarifverbund notwendig ist“, verweist die Landrätin auf ein einstimmiges Votum des Kreistags. Dieses hatte das Gremium nach einer nicht-öffentlichen Infositzung am 11. Oktober mit MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch von sich gegeben. Ihr Geschäftsleiter wird deutlicher: „Es wird der MVV-Tarif sein“, sagt Leis. Andere Alternative zeichnen sich in der Region nicht ab, das nächste Konstrukt dieser Art findet sich in Augsburg. Allerdings müsse Weilheim-Schongau dafür nicht unbedingt Mitglied werden, erklärt Leis. Seit 1996 arbeitet der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund als Dienstleister: Die Gesellschafter sind neben dem Freistaat die Stadt München sowie die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, München und Starnberg.

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MVV-Beitritt: Machbarkeitsstudie für den Landkreis Weilheim-Schongau

Doch bis dahin braucht es verlässliche Daten. Diese soll eine Machbarkeitsstudie liefern. Die Teilnahme hat der Kreistag auch am 11. Oktober beschlossen. Wiederum hinter verschlossener Tür. Leis begründet es damit, dass Vergaben generell nicht-öffentlich erfolgen – dies wünsche die Staatsregierung aus Datenschutzgründen. Der Auftrag ging an MVV-Consulting, seit 1998 ein eigenständiges Profit-Center des Verbunds. Der Fachbereich unterstützt nach eigener Aussage „kommunale, öffentliche und private Verkehrsunternehmen, Verbundgesellschaften und Aufgabenträger im In- und Ausland“.

Manfred Plonner ÖPNV-Planer am Landratsamt

Die Berater erarbeiten die MVV-Studie für neun Landkreise sowie die zwei kreisfreien Städte Rosenheim und Landshut. Kosten von acht Millionen Euro stehen im Raum, die Auftraggeber werden anteilig beteiligt. Allerdings würden laut ÖPNV-Planer Plonner 85,1 Prozent vom Freistaat bezuschusst. Offiziell angefangen haben die Experten noch nicht, weil die Verträge mit dem Innenministerium nicht in trockenen Tüchern sind. „Die Studie soll demnächst formell starten“, hofft Plonner. Weilheim-Schongau kommt als erstes in den Genuss der Untersuchungen: Von Dezember 2020 bis Dezember 2021 gibt es Fahrgastzählungen in den Bahnen, auch in den Landkreisen Bad Tölz, Miesbach und Landsberg. Parallel dazu wird beim RVO sowie in den Stadtbussen Penzberg, Weilheim und Schongau gezählt. Die anderen Landkreise folgen dann.

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Landkreis Weilheim-Schongau will in den MVV: Landrätin hat das Jahr 2022 im Blick

Man müsse die Studie abwarten, heißt es aus dem Landratsamt. Dass ein Tarif-Beitritt am sinnvollsten zum Fahrplanwechsel wäre, wird nicht bestritten. In der Studienvergabe ist der Dezember 2023 als Termin für Weilheim-Schongau, Bad Tölz, Miesbach und Landsberg angesetzt. „Wir hoffen, dass es schneller geht“, hat die Landrätin das Jahr 2022 im Blick. Jochner-Weiß hatte auf den Kreistagsbeschluss gedrängt. Auch, weil so ein „politisches Signal“ nach München ausgesandt wurde, wie es ihr Geschäftsleiter Leis formuliert.

Andrea Jochner-Weiß Landrätin

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Tarifverbund ist Teil des Mobilitätskonzepts

Für einen Beitritt des Landkreises zum MVV-Tarifverbund braucht es nicht nur die Daten der frisch vergebenen Machbarkeitsstudie durch MVV-Consulting. „Es muss ein aktueller Nahverkehrsplan vorliegen“, erklärt Manfred Plonner, im Landratamt für die ÖPNV-Planung zuständig. Der Freistaat würde nur dann die satten Zuschüsse von 86 Prozent garantieren, „wenn alle Verkehre auf einem entsprechendem Standard gesetzt werden“ – also nicht nur der schienengestützte Öffentliche Nahverkehr, sondern auch die Buslinien. 

Genau diesen Nahverkehrsplan lässt der Landkreis nun erarbeiten. Die Studie ist Bestandteil des dreiteiligen Mobilitätskonzepts, das der Kreistag bereits auf den Weg gebracht hat. Neben einem Beitritt zu einem einheitlichen Tarifverbund gehört dazu noch das Alltagsradwegekonzept, dessen erste Ergebnisse das Verkehrsplanungsbüro Kaulen (Aachen/München) bereits vorgelegt hat. Den Auftrag für den Nahverkehrsplan hatte der Kreisausschuss am 23. September vergeben – wie schon andere Vergaben wieder hinter verschlossener Tür. 

Laut Landratsamts-Geschäftsleiter Georg Leis angelte sich „plan:mobil“ aus Kassel den Auftrag. Das Unternehmen erstellt Mobilitätskonzept für Städte, Regionen und Landkreise. Über die Höhe des Angebots macht Leis keine Angaben: Die Vergabe müsse erst noch in einer öffentlichen Sitzung der Kreisgremien bekannt gegeben werden. Die Studie soll in 15 bis 18 Monaten auf dem Tisch liegen. Sie zeigt dann dem Landkreis „wo Bedarf da ist“, wie ÖPNV-Planer Plonner sagt. Und zwar laut Leis „völlig Anbieterunabhängig“.

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Der Kreistag beschäftigte sich außerdem mit der Krankenhaus GmbH des Landkreises Weilheim-Schongau: Es ging um eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum „Rechts der Isar“ der Technischen Universität München.

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