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Handy zücken und bezahlen: So soll die Zukunft des Handels aussehen.

Start von Bezahlsystem „Apple Pay“

Landkreis bereit fürs mobile Bezahlen

  • Andreas Baar
    VonAndreas Baar
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Am 11. Dezember begann ein neues Zeitalter des Bezahlens: „Apple Pay“ startete. Das System hält auch Einzug im Landkreis. Der größere Handel schwört darauf.

Weilheim-Schongau – „Nur Bares ist Wahres“. Der alte Spruch verliert in Deutschland an Bedeutung. Im vergangenen Jahr wurde bei Zahlungen nur noch in 47,6 Prozent aller Fälle zu Münze oder Schein gegriffen. Das hat die Bundesbank herausgefunden. Die Quote wird sich noch weiter nach unten bewegen. Zumindest wenn es nach Apple und seinen Geschäftspartnern geht. Der US-Konzern will mit „Apple Pay“ vier Jahre nach dem Start auf dem heimischen Markt nun den deutschen Handel erobern. Bezahlt wird per Tastendruck mit „iPhone“ oder „Apple Watch“ an speziell ausgerüsteten Terminals.

Doch nicht alle sind auf den Zug aufgesprungen. Lediglich ein paar Banken machen bislang mit. Darunter die HypoVereinsbank, die eine Filiale in Weilheim unterhält. Konkrete Zahlen nennt das Münchner Geldinstitut grundsätzlich nicht, aber Filialleiter Maximilian Mursch gibt bekannt: „Wir verzeichnen ein reges Kundeninteresse.“ Allein in den ersten Tagen habe eine „sehr große Zahl“ eine Kreditkarte für „Apple Pay“ aktiviert. Die HVB-Banker setzen voll auf die „schnelle und sichere Bezahllösung“ und rechnen mit einem „sehr hohen“ Zuspruch – auch, weil eh rund die Hälfte der Kunden bereits Apple-Nutzer sei.

Regionale Konkurrenz zeigt sich zurückhaltend

Zurückhaltender ist man bei der regionalen Konkurrenz. Die VR-Bank Werdenfels und die Sparkasse Oberland bieten lieber eigene Dienste an. Das lag aber auch daran, dass die Verhandlungen der jeweiligen Bundesverbände mit dem US-Giganten ins Stocken geraten waren. Seit November haben die VR-Banken in Deutschland eine digitale Karte für Android-Geräte in der Anlaufphase, die Sparkasse Oberland hat Entsprechendes bereits seit August. „Ich glaube schon, dass dies die Geldbörse der Zukunft sein wird“, sagt Michael Schuldes, Prokurist und Bereichsleiter im Vorstandsstab der in Garmisch-Partenkirchen sitzenden VR-Bank Werdenfels. „Der Trend geht da ganz klar hin“, ist sich auch Stefan Stets, Leiter „Medialer Vertrieb“ bei der Sparkasse Oberland in Weilheim sicher. Ein emotionaler Vorteil sei, dass bei dem hauseigenen System auch die EC-Karte als Bezahlmittel hinterlegt werden könne. „Sie ist noch das gängigste Zahlmittel in Deutschland.“

Die Sparkasse hat erste Zahlen: Rund 500 Kunden würden das mobile Bezahlen nutzen, die Zahlen wachsen laut Stets ständig. Gezückt werde das Handy meist bei Kleinbeträgen. Stets erwartet, dass der Handel nachzieht. „Die Infrastruktur ist da.“ Circa 99 Prozent der Kassenterminals in den Läden im Geschäftsbereich zwischen Weilheim, Penzberg, Murnau und Schongau hätten die technischen Voraussetzungen für das Handyzahlen.

Hier wird die neue Zahlungsoption bereits genutzt

Zu den ersten Händlern, die „Apple Pay“ einsetzten, gehörte der „Media Markt“ in Weilheim. Für diese Filiale könne man leider keine konkreten Zahlen nennen, heißt es aus Ingolstadt. „Aber die neue Zahlungsoption wird bereits von den Kunden genutzt, ebenso wie ,Google Pay’“, teilt eine Sprecherin mit. „Grundsätzlich zeigen unsere Erfahrungen: Wer einmal mit seinem Smartphone bezahlt hat, der macht es immer wieder.“

Das Weilheimer Kaufhaus „Rid“ mit seinem Ableger in Penzberg ist ebenfalls auf den Apple-Zug aufgesprungen. Das mobile Bezahlen wird akzeptiert, die Kassen mussten nicht umgerüstet werden. Zur Teilnahme habe man sich aus Servicegründen entschlossen, teilt Geschäftsführer Florian Lipp mit. „Aber es gab noch keinen Fall“, sagte er kurz vor Weihnachten. Noch läuft das Geschäft zur Hälfte über Barzahlung, der Rest vor allem über EC-Karten. Kreditkarten seien sehr exotisch, so Lipp. „Das ist seit etlichen Jahren so, da gibt es keine Steigerungen.“ Ob das mobile Bezahlen die Zukunft ist, vermag er nicht zu sagen.

Buchhändlerin ist „Apple Pay“-Verweigerin

Buchhändlerin Stefanie Bertram-Kempf ist dagegen eine „Apple Pay“-Verweigerin: Die Technik gibt es in ihrem Geschäft „Buch am Bach“ in Peiting nicht. „Wir haben keine Nachfrage“, sagt die Inhaberin. „Bei unseren Kunden zählt das Bargeld noch.“

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