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Wichtige Automobilzulieferer: Hoerbiger ist einer davon – beim „Girl’s Day“ in Schongau wurde um Nachwuchs geworben.

Handlungsbedarf besteht dennoch

Gutes Ergebnis beim „Zukunftsatlas“: Landkreis bundesweit auf Rang 40 

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Der Landkreis landet beim bundesweiten Prognos-„Zukunftsatlas“ auf dem 40. Platz. Politik und Wirtschaft stellen der Region ein gutes Zeugnis aus. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Landkreis – Die Botschaft verkündete Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) gern bei Bürgerversammlungen: Weilheim-Schongau landete bei der Focus-Money-Umfrage unter Deutschlands Landkreisen auf den Spitzenplätzen 19 (2018) und 8 (2017). Jetzt landet der Landkreis im „Zukunftsatlas“ der Prognos-Wirtschaftsforscher auf Rang 40 – bei 401 Kreisen und kreisfreien Städten.

Kein Wunder, dass Jochner-Weiß das Ergebnis als „sehr erfreulich“ bezeichnet. „Es zeigt die hohen Zukunftschancen unseres Landkreises.“ Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern ist man sehr zufrieden. „Die Platzierung ist ein Zeichen für die Stärke und Attraktivität des Standortes“, sagt der Weilheimer Geschäftsstellenleiter Jens Wucherpfennig. „Weilheim-Schongau reiht sich in das Bild eines wirtschaftlich prosperierenden Bayern ein.“ Sein Fazit: Der Landkreis „ist auf jeden Fall fit für die Zukunft“. Geprägt von kleinen und mittelständischen Betrieben sowie Familienunternehmen. „Wir sind von der Firmenstruktur her sehr stark aufgestellt“, sagt Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl. Ein Mix, der es ermögliche, konjunkturelle Einbrüche besser abzufedern: „Das ist eine Bank.“

Platz 40 beim Prognos-„Zukunftsatlas“: Autobauer spielen im Landkreis eine wichtige Rolle

Eine wichtige Rolle spielen die Zulieferer, vor allem für die Autobauer. Weil diese leiden, sei es entscheidend, „wie die Mobilität der Zukunft aussieht“, warnt Wucherpfennig. Die konjunkturelle Entwicklung, gerade mit ihren Auswirkungen im Automotive-Bereich, „wird in den kommenden Monaten auch unseren Landkreis treffen“, erwartet Michael Schankweiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weilheim.

Breitband gehört dazu: Heuer verlegten die Stadtwerke Weilheim das Glasfaser in Marnbach.

Die Studie untersuchte auch den Stellenmarkt. Sie setzt den Landkreis trotz „Dynamik“ und „sehr hohen Zukunftschancen“ bei Demografie und Arbeitsmarkt auf die schlechteren Plätze 195 und 156. Eigentlich sieht es statistisch gut aus: Im Juni lag die Arbeitslosenquote bei 2,0 Prozent. Fachleute sprechen von Vollbeschäftigung. Der gute Branchenmix sei „einer der großen Standortvorteile“, so Schankweiler. Aber: Das Durchschnittsalter der Kreisbevölkerung ist laut Landesamt für Statistik von 42,4 Jahren (2008) auf 44,3 (2017) gestiegen. Das hat „natürlich Auswirkungen auf den heimischen Arbeitsmarkt“, so Schankweiler – weil Ältere nicht immer sofort und problemlos eingegliedert werden könnten. Allerdings könne sich der negative Trend durch den Zuzug umkehren.

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Lage am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt noch günstig - trotzdem besteht Handlungsbedarf

Den 40. Rang bezeichnet Schankweiler als „sehr gutes Ergebnis“. Die Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sei noch günstig, allerdings sieht er Handlungsbedarf. Bei bezahlbarem Wohnraum und dem Ausbau der Kinderbetreuung zum Beispiel. Schankweiler bricht eine Lanze für den millionenschweren Neubau der Weilheimer Berufsschule: Damit werde gesichert, dass künftige Arbeitskräfte auf hohem Niveau ausgebildet werden. Was nötig ist, denn der Fachkräftemangel hat den Landkreis weiter fest im Griff.

Überhaupt ist nicht alles perfekt. „Handlungsbedarf besteht besonders beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und bei der Erweiterung von Mobilitätsangeboten“, so Landrätin Jochner-Weiß. Für IHK-Mann Wucherpfennig gehören „die großen Herausforderungen“ wie flächendeckendes Breitband, schnelles Mobilfunknetz sowie Wohnraum und Gewerbeflächen angepackt. „Was zudem fehlt, ist ein ganzheitliches Verkehrskonzept.“ Weiterer Wermutstropfen: „Ein wenig Bauchschmerzen bereitet mir die Gründerszene. Es mangelt an jungen, innovativen Unternehmen.“ Digitalisierung (Wir müssen schauen, dass wir es in die kleinen Firmen reinbringen“) und gute Verkehrswege („Zeit auf der Straße kostet Geld“) sind für Kreishandwerksmeister Zirngibl unerlässlich. Ebenso ein ÖPNV-Ausbau und schnelle Zugverbindungen.

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Wachstum ja - aber nicht grenzenlos

Der gute Platz allein führt nicht zur Ansiedlung von Firmen, räumt Landrätin Jochner-Weiß ein. Dennoch wird ein Wachstum erwartet. „Diese Entwicklung muss begleitet werden“, so IHK-Mann Wucherpfennig. Wachstum ja, aber nicht grenzenlos, lautet die Formel von Kreishandwerks-Chef Zirngibl. Dass man von der Landeshauptstadt erdrückt wird, befürchten beide Kammern dennoch nicht. „Weilheim-Schongau war nie ein Anhängsel von München und wird das auch in Zukunft nicht sein“, ist Wucherpfennig überzeugt. „Wir müssen uns von dem Gedanken trennen, uns in Konkurrenz zur Landeshauptstadt zu sehen“, sagt er. „Aber es gibt Begehrlichkeiten“, mahnt Zirngibl.

Derweil wagt Arbeitsagentur-Chef Schankweiler trotz allen Optimismus keine Prognose. „Es wird in erster Linie davon abhängen, wie weit es dem Landkreis gelingen wird, Unternehmensabwanderungen zu verhindern und Neugründungen zu fördern sowie die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.“

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