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Sind von den Masken begeistert: Martin Goliasch (l.) hatte Clemens Simon auf die Idee gebracht.

Kreative Lösungen in der Krise

Masken überall ausverkauft?  Kein Problem, drucken wir selbst!

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Dass Not erfinderisch macht, beweisen Clemens Simon aus Weilheim und Martin Skalitza aus Peiting. Beide fertigen mit ihren 3D-Druckern Atemmasken beziehungsweise Gesichtsschilder her. 

Landkreis – Clemens Simon aus Weilheim hat kürzlich mit der Produktion seiner Atemmasken begonnen und im Laufe der Woche dutzende Stück hergestellt. „Momentan brauche ich für sechs Masken vier Stunden“, sagt der 57-Jährige im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Zwar seien die Masken nicht zertifiziert, „aber die Tröpfchen werden ja trotzdem abgehalten“, erklärt Simon. Vor allem seien die 3D-Drucker-Masken wiederverwendbar, da der Filter in der Maske nur eingeklemmt wird und jederzeit gewechselt werden kann. Aktuell schneide er die benötigten Filter aus einem Staubsaugerbeutel aus. Es könne aber auch ein anderer Stoff, wie zum Beispiel Baumwollstoff von der Rolle, genommen werden. Auch das Desinfizieren der Maske mit Alkohol sei kein Problem.

„Jeder, der einen 3D-Drucker hat, sollte das machen“

Einen Vorteil sieht Simon darin, dass die Masken auch biologisch abbaubar sind. „Sie werden aus PLA, einem Material auf Milchsäurebasis, hergestellt und sind in vielen Jahren dann auch abbaubar“, erklärt der Weilheimer. Seine Meinung ist klar: „Jeder der einen 3D-Drucker hat, sollte das auch machen, dann könnte die Virus-Ausbreitung schnell gestoppt werden.“

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Von Martin Goliasch, der leitender Notarzt in Weilheim ist, hat er nicht nur die Idee – die ursprünglich aus den USA stammt – dazu bekommen, sondern in ihm auch gleich einen Abnehmer gefunden. „Diese Maske funktioniert besser als eine Maske, die nicht da ist“, sagt Goliasch. Er verteile die Masken für den Einkaufspreis von fünf Euro unter anderem an Zahnarztpraxen oder Patienten. Vor allem die älteren Patienten, die nicht einfach so im Internet bestellen können, bräuchten aktuell eine solche Lösung. „Es ist auch eine Höflichkeit anderen gegenüber, wenn ich mit einer Maske aus dem Haus gehe“, meint der leitende Notarzt.

Gesundheitsamtsleiter: „Ganz nette Idee“

Bis vor kurzem sei er mit seiner Maske beim Einkaufen selbst noch „schief angeschaut und auch teilweise blöd angesprochen“ worden, sagt Goliasch. Aber: Lieber mit Maske als ohne war seine Devise, seit der Maskenpflicht am Montag ist das Thema sowieso vorbei.

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Auch Gesundheitsamtsleiter Stefan Günther hält das Projekt für „eine ganz nette Idee“, sagt er auf Nachfrage der Heimatzeitung. Diese Art von Masken sei allerdings nicht für den Einsatz im medizinischen Bereich – also unter anderem in den Krankenhäusern – geeignet, da die Zertifizierung fehle. Aber „für den privaten Gebrauch sind sie besser als gar nichts und wer einen 3D-Drucker hat, sollte das machen“.

Martin Skalitza stattet Zahnarztpraxis aus

Das dachte sich auch Martin Skalitza aus Peiting. Der 24-Jährige hatte auf der Internetplattform Facebook die Herstellung von Gesichtsschildern gesehen und sich selbst an die Arbeit gemacht. Die Halterungen für die Schilder bestehen, wie die Masken von Simon, aus PLA und werden mit dem 3D-Drucker gemacht. Die Scheiben fräst Skalitza aus einer PVC-Folie. Um die Gesichtsschilder am Kopf zu befestigen, werde lediglich ein Gummiband benötigt, erklärt der Peitinger. Doch auch seine Masken sind „nichts Medizinisches und nicht zertifiziert“, wie er erklärt.

In seinem Keller stellt Martin Skalitza aus Peiting die Gesichtsschilder her.

Seinen ersten Abnehmer fand der 24-Jährige in seiner Schwester. „Sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis.“ Dort waren alle „so begeistert“, dass er weitere zehn Stück für die Zahnarztpraxis gefertigt hat. Die Nachfrage sei groß gewesen, auch an Apotheken, seine Feuerwehr, die BRK-Bereitschaft in Peiting und eine Arztpraxis in Schongau einige seiner Gesichtsschilder verteilt habe. „Die Schilder sind kostenlos oder zum Selbstkostenpreis“, erklärt Skalitza. Er wolle zudem schauen, dass die Verteilung regional bleibt.

Wer Interesse

an den Gesichtsschildern hat oder auch bei der Herstellung helfen will, kann sich auf der Internetseite www.makervsvirus.org melden.

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