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Nadelöhr auf einem Gleis: Müssen Züge umgeleitet werden – wie dieser Güterzug bei Polling – gerät der Fahrplan auf der Werdenfelsbahn durcheinander.

Bahnverkehr im Landkreis Weilheim-Schongau

Petition für bessere Bahnverbindungen: 1500 Unterschriften für zweites Gleis

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Das Thema ist nicht neu: Jetzt unternimmt der Fahrgastverband Pro Bahn einen erneuten Vorstoß für den Ausbau der Werdenfelsbahn rund um Weilheim. Per Online-Petition soll Druck auf die Politik ausgeübt werden.

Landkreis – Volle und verspätete Züge, verpasste Anschlüsse: Das kritisiert die Regionalgruppe Oberland des Fahrgastverbands Pro Bahn schon seit Jahren. „Das Bahnsystem im Oberland ist längst an den Kapazitätsgrenzen angelangt“, heißt es von der Interessensgruppe. Im Fokus steht immer wieder die Werdenfelsbahn. Sie müsse endlich teilweise zweigleisig ausgebaut werden, fordern die organisierten Bahnnutzer. Um den Forderungen politischen Nachdruck zu verleihen, hat Pro Bahn eine Petition im Internet gestartet.

Ohne Ausbau von Bahn und Bus keine Verkehrswende möglich

„Die Zeit ist reif für eine Wende in der Verkehrspolitik“, sagt Norbert Moy. Der Weilheimer ist Vorsitzender von Pro Bahn in Oberbayern und Sprecher der Regionalgruppe. „Die Menschen möchten eine Entlastung vom Autoverkehr, gleichzeitig aber keine Naturzerstörung durch neue Straßen und trotzdem eine attraktive Mobilität.“ Ohne den Ausbau von Bahn und Bus sei dieses Ziel aber nicht erreichbar. Moy führt den vom Bundesverkehrsministerium bis 2030 geplanten den Deutschlandtakt bei der Bahn ins Feld: Dieser sehe einen Halbstundentakt sowohl nach Garmisch wie auch nach Peißenberg vor. „Für diesen Fahrplan ist aber ein zweigleisiger Abschnitt auf der Werdenfelsbahn zwingend erforderlich“, so Pro Bahn. Aber: Der Ausbau sei im Bundesverkehrswegeplan gar nicht vorgesehen.

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„Es geht um eine Verteilung der Mittel“, sagt Moy: Das Ministerium soll Investitionen von der Straße auf die Bahn umlenken. Vor allem eine millionenteure Weilheimer Umfahrung ist dem Verband ein Dorn im Auge. Stattdessen plädiert dieser für einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Murnau und Uffing sowie zwischen Weilheim und Tutzing. Das wäre nicht neu: Der Streckenabschnitt zwischen Huglfing und Murnau war laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) zwischen 1935 und 1943 zweigleisig befahrbar und wurde kriegsbedingt zurückgebaut.

Pfaffenwinkelbahn fährt viel zu langsam 

„Dringenden Nachholbedarf“ sieht Pro Bahn auch bei der Pfaffenwinkelbahn von Weilheim über Peißenberg nach Schongau. Nicht nur das langsame Tempo wird kritisiert. „Elektrische Züge sollten ohne Umsteigen von Schongau bis München durchfahren“, so Moy.

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Auf der Wunschliste stehen zudem neue Haltstellen: in Polling (wo seit 1984 kein Zughalt mehr ist), Weilheim– Süd, Peißenberg/Forster Straße, Schongau/Krankenhaus, Wielenbach und Kainzenbad/Garmisch-Partenkirchen.

Norbert Moy Pro-Bahn-Sprecher

Pro Bahn geht davon aus, dass solche Maßnahmen die Bahn weiter attraktiv machen. Seit der Einführung des Werdenfels-Takts 1994 habe der Schienenverkehr im Landkreis „eine äußerst positive Entwicklung“ genommen, heißt es beim Verband. Nach Angaben der BEG wurden zuletzt 2018 an einem „durchschnittlichen Werktag“ auf der Strecke Weilheim-Tutzing rund 10 000 Reisende pro Kilometer Streckenlänge gezählt. Zum Vergleich: Weilheim–Murnau rund 5000, Murnau–Garmisch etwa 4000 Reisendende und Weilheim–Schongau rund 1500 Fahrgäste.

Pro Bahn-Sprecher Moy ist zufrieden mit dem Verlauf der Petition. „Das läuft sehr gut.“ Bislang werden über 1200 Unterstützer verzeichnet, 1500 sind das Ziel. Empfänger wird Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Moy: „Es ist ein Signal aus der Region in Richtung Bund.“

Infos

und Petition auf www.pro-bahn.de/weilheim/petition.htm. Unterschreiben kann man die Petition bis 1. Mai 2020.

Deutsche Bahn verweist auf die Politik

Bei der Deutschen Bahn verweist man auf die Politik. Diese entscheide über den Neu- oder Ausbau von Strecken sowie zusätzliche Stationen. „Sie muss solche Infrastrukturmaßnahmen auch bestellen und finanzieren“, so ein Bahnsprecher. Klare Aussage für die Werdenfelsbahn: „Weder vom Bund noch vom Freistaat Bayern liegt der Bahn ein Auftrag zur Planung eines zweigleisigen Ausbaus oder neuer Haltepunkte vor.“ Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) plant, finanziert und kontrolliert im Auftrag des Freistaats die Verkehrsleistungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV).

Instandhaltung und Betrieb der Infrastruktur lägen bei der DB Netz und der DB Station & Service. Beim Ausbau der Werdenfelsbahn verweist die BEG auf Aussagen der DB Netz: Danach sei „eine Wiedereinrichtung der Zweigleisigkeit auf der früheren Trasse jedoch nicht möglich, da nach den aktuellen Richtlinien ein größerer Gleisabstand eingehalten werden müsste“, so die stellvertretende Pressesprecherin Agnieszka Urban. Dafür seien erhebliche finanzielle Mittel nötig.

Zweigleisiger Ausbau zwischen Tutzing und Murnau kostet 214 Millionen Euro

Allein der Abschnitt Tutzing–Murnau würde circa 214 Millionen Euro kosten. Zudem bräuchte es aufwendige Planungen. Fazit: „Aufgrund der hohen Kosten besteht nach Ansicht der BEG derzeit keine Perspektive für einen zweigleisigen Ausbau zwischen Tutzing und Murnau.“ Auch bei den Pro Bahn geforderten neuen regionalen Haltestellen in Wielenbach, Polling und Peißenberg macht die BEG keine Hoffnungen. Die seien fahrplantechnisch nicht realisierbar.

Die mit den zusätzlichen Zughalten verbundene Fahrzeitverlängerung „würde in allen drei Fällen dazu führen, dass die Züge zu spät im nächsten Begegnungsbahnhof ankommen würden und der Gegenzug wiederum erst verspätet abfahren könnte“, so die Sprecherin. „Da keine Fahrzeitpuffer vorhanden sind, würden sich die Verspätungen auf den eingleisigen Strecken gegenseitig hochschaukeln.“ Auch auf der Pfaffenwinkelbahn gibt es eine Abfuhr für Pro Bahn. „Bei der BEG gibt es derzeit keine Planungen, durchgehende Züge zwischen Schongau und München anzubieten“, heißt es. 

Begründet wird es damit, dass die Strecke bis Ende 2031 an die Bayerische Regiobahn vergeben wurde – inklusive dieselbetriebenen Neufahrzeugen ab Dezember 2022 und umsteigefreien Fahrten in Richtung Augsburg. Zum anderen sei die Fahrgastnachfrage zu gering und die Strecke Weilheim–Schongau eigne sich wegen der fehlenden Elektrifizierung nicht für ein Angebot von durchgehenden Zügen nach München. ab

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