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Um den Jagddruck zu erhöhen, wollen die Grünen die Jagd auf Rehe bei Nacht erlauben. 

„Brauchen solche Methoden nicht“

Mit Nachtsichtgeräten zur Rehjagd? Forderung von Grünen-Landtagsfraktionschef empört Jäger

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Der Wald spielt für das Klima eine wichtige Rolle. Damit er diese erfüllen kann, muss er besser geschützt werden, sagen die Grünen. Sie fordern deshalb, den Wildverbiss anzugehen und den Jagddruck zu erhöhen – notfalls auch mit Nachtsichtgeräten. Die Empörung bei den Jägern im Landkreis ist groß.

Landkreis – Florian Pfütze kommt gleich zur Sache. „Ich finde es sehr traurig, dass die Grünen sowas propagieren“, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Weilheim. Es ist die Forderung vom Landtagsfraktionschef der Partei, Ludwig Hartmann, der Pfütze sauer aufstößt. Jäger sollen künftig auch nachts mithilfe von Nachtsichtgeräten auf Rehe anlegen – so wie es bereits bei der Jagd auf Schwarzwild erlaubt ist. So soll der Jagddruck erhöht werden und die Abschusszahlen steigen, um dem Wildverbiss in den bayerischen Wäldern Einhalt zu gebieten. Denn dieser sei mit schuld daran, dass junge Bäume langsamer wachsen, was wiederum den Umbau des Waldes im Sinne des Klimaschutzes verzögert. Hartmann: „Weniger Wild heißt automatisch mehr Wald.“

Nachtsichtgeräte für die Rehjagd? Davon hält der Kreisjagdverbandsvorsitzende gar nichts, eine nächtliche Jagd sei sogar kontraproduktiv, warnt er. Denn dadurch dränge man das Wild in den Wald zurück, was den Abschuss erschwere und den Verbiss fördere.

„Auf einmal soll das Rehwild schuld sein an der falschen Forstwirtschaft“

„Um die Abschusszahlen zu erreichen, brauchen wir solche Methoden nicht“, betont der Forstwirtschaftsmeister. Er könne sich nur wundern über solche Aussagen. Pfütze: „Auf einmal soll das Rehwild schuld sein an der falschen Forstwirtschaft, die jahrzehntelang Fichten-Monokulturen gefördert hat.“

Dass es auch anders geht, demonstriere er in seinem eigenen Betrieb, sagt Pfütze. 140 Hektar Wald umfasst das von ihm bewirtschaftete Gut Achberg. „Bei uns gilt Wald mit Wild und nicht Wald vor Wild.“ Junge Bäume würden nicht eingezäunt, sondern etwa mit Schafwolle vor Verbiss geschützt. „Das funktioniert bei uns und anderen privaten Forstbetrieben wunderbar.“

Nutzung der Wälder als Freizeitaktivität sorge bei Wild für Stress

Für den Wildverbiss nur den zu niedrigen Abschusszahlen der Jäger die Schuld zu geben, ist für den Vorsitzenden ohnehin zu kurz gegriffen. Auch die stetig steigende Nutzung der Wälder für Freizeitaktivitäten bedeute Stress für das Wild. „Radlfahrer, Paraglider – all das erhöht den Druck auf die Tiere und drängt sie tiefer in den Wald.“

Ein Problem, das auch Andreas Krahl, Stimmkreisabgeordneter der Grünen, sieht. Gerade in touristisch gut besuchten Landkreisen wie Weilheim-Schongau seien die Wälder durch die Freizeitnutzung betroffen. „Das Problem muss gelöst werden.“ Allerdings spiele die Jagd beim Wildverbiss ebenfalls eine wichtige Rolle.

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Andreas Krahl, Stimmkreisabgeordneter der Grünen: Einsatz von Nachtsichtgeräten als letztes Mittel

Anders als sein Fraktionschef Ludwig Hartmann sehe er jedoch den Einsatz von Nachtsichtgeräten als letztes Mittel, betont Krahl, der selbst gerade seinen Jagdschein macht. Zuvor müssten andere Maßnahmen umgesetzt werden.

Neben mehr Unterstützung für die Waldbesitzer beim Umbau ihres Waldes zählt für den Grünen-Politiker dazu die Verkürzung der Jagdpachtdauer auf drei oder fünf Jahre. „Zwölf Jahre sind einfach nicht mehr zeitgemäß“, so Krahl. Durch eine kürzere Laufzeit würde der Druck auf die Jäger erhöht, die nötigen Abschussquoten zu erreichen.

Auch die Winterfütterung müsse auf absolute Notzeiten begrenzt werden, fordert Krahl – was man beim Kreisjagdverband allerdings ganz anders sieht. „Von einem Fütterungsverbot halte ich nichts“, sagt Pfütze. Schließlich brauche das Reh zwischen zehn und 30 Tagen, um sich umzustellen. „Artgerechte Fütterung trägt dazu bei, den Verbiss in den Griff zu kriegen.“

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Das sagen die Waldbesitzer

Dass die Forderung der Grünen nach „Wald vor Wild“ nichts Neues sei, betont Martin Klein von der Waldbesitzervereinigung Schongau. Der Grundsatz stehe schon im bayerischen Waldgesetz. „In dem Fall sind wir mit den Grünen einer Meinung.“ Wo der Bestand an Rehwild zu hoch sei, müsse er reduziert werden, um dem Verbiss zu begegnen. Als WBV biete man deshalb auch Jagdkurse für die Waldbesitzer an. Denn wer als Grundeigentümer selbst auf die Jagd gehe, wisse am besten, was gut für seinen Wald sei, so Klein. Eine Nachtjagderlaubnis auf Rehwild sieht der WBV-Vorstand allerdings kritisch. „Da gibt es geeignetere Methoden.“

chpe

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