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Abstand halten ist ab Montag auch am Gymnasium Weilheim die Devise – Schulleiterin Beate Sitek (l.) und ihre Stellvertreterin Adelheid Meyer machen es vor. 

Corona-Krise

Schulstart am Montag: Gänsemarsch in die Klasse

Ab Montag dürfen in Bayern auch Schulen wieder öffnen – allerdings nur für jene Jahrgänge, die einen Abschluss machen. Dazu haben die Schulleiter im Landkreis umfassende Hygiene-Schutzmaßnahmen vorbereitet – sie mussten sich in den vergangenen Tagen mit einer Flut von Einzelanordnungen aus dem Kulturministerium auseinandersetzen.

Landkreis – Ihm sei bewusst, dass die schrittweise Wiederaufnahme des Unterrichts für alle Beteiligten eine weitere große Herausforderung mit entsprechendem organisatorischen Aufwand bedeute, sagte Kultusminister Michael Piazolo: „Bis wir wirklich wieder zur Normalität zurückkehren, wird es noch ein weiter Weg sein.“

Mittelschule Weilheim:

Ein schwieriger Weg ist diese Rückkehr nicht nur für das Team von Rolf Schleich, Leiter der Wilhelm-Conrad Röntgen-Mittelschule in Weilheim. „Es bedeutet einen Wahnsinnsaufwand, alles vorzubereiten und dabei nichts zu vergessen“, sagt er. Durch Elternbriefe und ein schulinternes Kommunikationssystem habe man in den vergangenen Wochen Kontakt gehalten. Jetzt gelte es, die Jugendlichen möglichst sanft wieder an regelmäßigen Schulbetrieb zu gewöhnen, „denn für viele war die wochenlange Zwangspause keine einfache Zeit“.

Es werde an der Mittelschule weder einen Pausenverkauf noch ein Mittagessen geben, auch kein Ganztagesangebot und keine Pausenzeiten nach Stundenplan. Präsenz-Sprechstunden der Lehrkräfte finden ebenfalls nicht statt, der Wasserspender in der Aula bleibt außer Betrieb.

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Rund 170 Jugendliche der 9. und 10. Klassen werden am Montag zwischen 7.50 und 8.40 Uhr gestaffelt und im Gänsemarsch einzeln in ihre Klassenzimmer gebracht, wo der vorgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern beachtet wird. Die Prüfungsklassen werden in 9A/1, 9A/2, 9B/1, 9B/2 und so weiter geteilt und auf mehrere Gebäude verteilt. Aufgrund der ungewöhnlichen und auch belastenden Situation soll es am Montag nur vier Stunden Unterricht geben.

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Auf dem gesamten Mittelschulgelände müssen Schutzmasken getragen werden, welche die Schüler aber an ihren Plätzen im Klassenzimmer abnehmen dürfen. „Außerdem gilt ein strenger Hygieneplan“, sagt Schleich; so können die Jugendlichen nur einzeln aufs Klo gehen und der Pausenhof bleibt gesperrt, so dass sie ihre Pause unter Aufsicht in der Klasse verbringen müssen.

 

„Top vorbereitet“ fühlen sich Christian Dick, Chef der Fach- und Berufsoberschule in Weilheim, und sein Leitungsteam. Um den strengen Hygiene-Vorgaben gerecht zu werden, gebe es eine tägliche Reinigung sowie genaue Verhaltensregeln für die 220 Jugendlichen der zwölf Abschlussklassen. „Der Zugang zu den einzelnen Gebäudetrakten wird geregelt“, sagt Dick, „eine unserer größeren Klassen ist sogar auf drei Räume verteilt.“ Wer im Schulgebäude unterwegs sei, zum Beispiel zur Toilette, müsse eine Maske tragen.

Der Unterricht in der kommenden Woche erfolgt im Schichtbetrieb für jeweils 110 Schüler am Vor- beziehungsweise Nachmittag. „So können wir die Situation gut stemmen.“ Pause machen dürfen die Jugendlichen nur unter Aufsicht in ihren Klassenzimmern.

Gymnasium Weilheim:

„Unglaublich viel zu tun“ hat nach eigenen Worten auch Oberstudiendirektorin Beate Sitek am Weilheimer Gymnasium. „Ich hatte über Ostern gerade mal ein paar freie Tage, sonst war’s nix mit Ferien“, sagt sie. Weil die Lernplattform „Mebis“, ein speziell an die Bedürfnisse bayerischer Schulen angepasstes Lernmanagement-System, völlig überlastet gewesen sei, habe man den Jugendlichen Lerninhalte über eine Cloud vermittelt.

Von den insgesamt 1150 Schülern werden am Montag nur die Zwölfklässler zum Unterricht kommen und so verteilt, dass sich nicht mehr als 15 gleichzeitig in einem Raum aufhalten. In den Fluren des Gymnasiums werden Abstände markiert und Aufenthaltsbereiche definiert. Ob unter Auflagen ein Pausenverkauf und Mensabetrieb möglich sein werden, versuchte Sitek diese Woche zu klären.

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Keine Sorgen macht sich Sabine Kreutle, was den Start an der Realschule Weilheim betrifft: „Wichtig ist die Solidarität, dass jeder Einzelne seinen Teil zum Schutz der Gesundheit beiträgt.“ Deshalb werde es für die insgesamt 90 Zehntklässler keinen Pausenverkauf geben. In den beiden 20 Minuten langen Pausen dürfen von den vier Klassen jeweils zwei an die frische Luft, während die anderen im Schulgebäude bleiben. Kreutle zitiert den Ministerialbeauftragten Fischer: „Lange bevor wir uns als Schule Fragen zu Notenvollständigkeit und Paragrafen stellen, müssen wir lebendig machen, dass Bildung Beziehung braucht.“ Daran sollten sich die ersten Begegnungen nach der Schulöffnung orientieren, sagt die Leiterin.

Montessori-Schule Penzberg:

Lichtschalter und Klinken putzen, regelmäßig durchlüften – auch an der Penzberger Montessori-Schule hat Hygiene oberste Priorität. „Unsere knapp drei Dutzend Prüflinge auf die Räume zu verteilen, ist kein Problem“, sagt Schulleiter Tomas Schindhelm. Für alle Lehrer, Schüler und Eltern sei dies „eine ganz besondere Zeit, in der wir uns auf ungewohnte Lebensumstände unter völlig neuen Bedingungen einstellen müssen“.

Mittelschule Peißenberg:

„Momentan geht es ganz gut“, sagt Thomas Kolahsa, Konrektor der Mittelschule Peißenberg, „obwohl wir vom Ministerium ständig neue Aktualisierungen für nächste Woche bekommen.“ Am Montag werden insgesamt 94 Schüler der neunten und zehnten Klassen zeitversetzt kommen. Für die Pause ist vorgesehen, dass jede Klasse ihren eigenen Bezirk im Hof zugeteilt bekommt.

Auch an der Mittelschule Penzberg wird es für die 96 Jugendlichen der 9. und 10. Klassen einen gestaffelten Stundenplan und Kleingruppen geben, berichtet Rektorin Bärbel Abenthum-Brandt. Nach einer Video-Konferenz mit den Lehrkräften geht sie davon aus, dass es ab Montag doch eine Maskenpflicht geben wird, die auch Minister Piazolo für „durchaus angemessen“ hält. Ein längerer Unterricht mit durchfeuchteten Masken sei jedoch schwer vorstellbar. Schüler und Lehrer mit Vorerkrankungen können an allen bayerischen Schulen zuhause bleiben, sofern sie ein ärztliches Attest vorlegen.

Realschule Peißenberg:

„Wie der Mitarbeiter einer Technik-Hotline“ fühlte sich zeitweise Armin Thefeld, Leiter der Realschule in Peißenberg. Während die Hygiene-Vorschriften des Ministeriums weitgehend problemlos umzusetzen seien, würden sich viele Eltern mit dem Online-Lernen schwer tun, weil zuhause die digitale Infrastruktur fehle. Nach der stressigen Organisation laufe jetzt aber alles zufriedenstellend, so der Schulleiter. Am Montag werden nur die Realschüler der drei zehnten Klassen kommen, insgesamt 65 Jugendliche, „für die haben wir reichlich Räume“.

Gymnasium Penzberg:

Abstand halten, Hände waschen, häufig Lüften – diese Sicherheitsmaßnahmen gelten auch am Penzberger Gymnasium. „Die Situation ist ja für alle komplett neu“, sagt Oberstudiendirektor Bernhard Kerscher, „da versucht jeder, sein eigenes System zu basteln.“ So soll es in den Schulfluren ein Einbahn-System geben, Schutzmasken werden empfohlen, sind in Penzberg aber (noch) keine Pflicht. „Unsere 105 Jugendlichen werden kommende Woche auf drei Gebäude verteilt“, berichtet Kerscher. Von den fünf Abiturfächern sind Deutsch und Mathematik verpflichtend, so dass es wegen der Aufteilung der Prüflinge Deutsch 1 und 2 sowie Mathe 1 und 2 geben wird.

„Dass meine Schullaufbahn einmal so ungewöhnlich zu Ende gehen wird, hätte ich mir nicht vorstellen können“, stellt Kerscher wenige Wochen vor seinem Ruhestand fest. In Chile und Spanien hatte er Erdbeben, Bombendrohungen und Tsunami erlebt, „aber an die weltweiten Folgen eines Virus hätte niemand auch nur im Traum gedacht“.

VON PETER STÖBICH

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