Durch stetige Forschung und Entwicklung gehört Hoerbiger in vielen Bereichen zu den Weltmarktführern.
+
Hoerbiger ist gut aus der Corona-Krise herausgekommen. Aktuell sucht das Unternehmen in Schongau wieder Mitarbeiter, „um auf das Vorkrisenniveau zurückzukommen“.

Unwägbarkeiten aber bleiben

Metall- und Elektroindustrie: Unternehmen im Oberland schöpfen Hoffnung in der Corona-Krise

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
    schließen

Die Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Oberland schöpft Hoffnung in der Corona-Krise. In der aktuellen Umfrage der Verbände bayme und vbm wird von einer Erholung gesprochen, der Ausblick ist positiv. Die Zahl der Beschäftigten geht dennoch weiter zurück, viele Firmen fahren Kurzarbeit. Gründe gibt es viele.

Landkreis – Nicht wie sonst üblich in einer „schönen Weilheimer Gaststätte“, sondern in einer Onlinekonferenz zogen die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie (M+E) des Oberlands jüngst zusammen mit Vertretern örtlicher Unternehmen eine erste vorsichtige Bilanz. Und es überwog die Zuversicht: „Im laufenden Jahr machen wir uns keine Sorgen, wir sind gut unterwegs“, sagte etwa Dietmar Ahl, Geschäftsführer der Günter Bechtold GmbH in Weilheim. Hoerbiger-Personalleiter Florian Pape meinte ebenfalls, dass man gut aus der Corona-Krise herausgekommen sei. In dem Schongauer Werk sind ihm zu Folge in der Krise keine Stellen abgebaut worden, vielmehr suche man jetzt wieder Mitarbeiter, „um auf das Vorkrisenniveau zurückzukommen“.

Auf dem Weg hinaus aus der Rezession kämpfen die Firmen allerdings mit vielen Unwägbarkeiten. Pape, der auch Vorstandsmitglied des bayme ist, sprach dabei ganz aktuell auch das verheerende Unwetter an, das zuletzt in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wütete: Schienen und Straßen würden teils nicht mehr zur Verfügung stehen, es könnte ein Problem werden, die Güter „von A nach B zu bringen“.

Materialengpässe bereiten Sorgen

Dazu kommt der andauerende eklatante Mangel an Material und Vorprodukten für die Produktion. Für Hoerbiger und seine Kunden nannte der Personalleiter dabei vor allem Stahl und Halbleiter. Kurzarbeit ist bei Hoerbiger aber derzeit noch kein Thema: „Wir hoffen, dass wir da mit Urlaubs- und Zeitkonten durchkommen“, sagte der Personalleiter.

Damit steht Hoerbiger deutlich besser da als viele andere Mitgliedsbetriebe der beiden Metall- und Elektro-Verbände in Bayern. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden im Oberland, Michale Ullrich, fahren derzeit 16 Prozent der Mitgliedsunternehmen im Freistaat nach wie vor Kurzarbeit. Auch die Beschäftigung geht aktuell weiter zurück. Nachdem die Zahl der Mitarbeiter 2020 um 23 000 gesunken war, nahm sie in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um weitere 5000 ab. Seit dem Höchststand im Juni 2019 gingen demnach 30 000 Arbeitsplätze in der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie verloren, insgesamt sind es jetzt noch 837 000.

Umfrage bestätigt wirtschaftliche Erholung

Das Schlimmste hat die Branche aber wohl hinter sich: „Unsere aktuelle Konjunkturumfrage bestätigt die wirtschaftliche Erholung in der M+E-Industrie auch im Oberland“, sagte der Vorstandsvorsitzende mit Blick auf die 143 Mitgliedsbetriebe. Sie machen immerhin zwei Drittel aller M+E-Betriebe im Oberland aus. 62 Prozent von ihnen bezeichnen ihr aktuelles Inlandsgeschäft als gut, nur vier Prozent kommen laut Ullrich zu einer negativen Einschätzung. Die Zahlen decken sich mit der bayernweiten Betrachtung. Bei den Geschäften im Ausland läuft es für die hiesigen Betriebe noch besser: 68 Prozent bewerten sie als positiv 6,5 Prozent als schlecht.

Und die Zuversicht hält an: Im Inlandsgeschäft hoffen laut bayme vbm 53 Prozent auf eine Verbesserung, nur zwei Prozent befürchten eine Eintrübung. Beim Export sieht es ähnlich aus: 54 Prozent sind optimistisch, nur 3,4 pessimistisch.

Bei der Beschäftigungsprognose ergibt sich in der Branche allerdings trotz Zuversicht ein gemischtes Bild. 31 Prozent der Unternehmen wollen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. 22 Prozent befürchten indes, Stellen streichen zu müssen. „Angesichts der insgesamt leicht positiven Pläne gehen wir davon aus, dass der Beschäftigungsrückgang zum Jahresende hin zum Stillstand kommt“, heißt es von den Verbänden, die heuer noch mit einem weiteren Rückgang der Beschäftigung um 10 000 rechnen.

Von der Politik forderte der bayme vbm-Oberland-Verbands-Chef Ullrich in der Runde nun ein „Entfesselungspaket“ für die Wirtschaft: „Ohne Entlastung bei Arbeitskosten, Energie und Steuern kann weder der Re-Start nach der Krise gelingen noch die Transformation zu Digitalisierung und Dekarbonisierung.“

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare