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Weilheim-Schongau: Verkehrte Welt - Beim Strom müssen Neukunden tiefer in die Tasche greifen

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Neukunden müssen im Landkreis derzeit deutlich mehr bezahlen als Bestandskunden.
Neukunden müssen im Landkreis derzeit deutlich mehr bezahlen als Bestandskunden. © (Symbolfoto) Rainer Droese via www.imago-images.de

Verkehrte Welt für Strom- und Gaskunden im Landkreis: Während früher die regionalen Anbieter Neuabnehmer mit günstigeren Einstiegstarifen lockten, müssen Neukunden derzeit deutlich mehr bezahlen als Bestandskunden – oder sie werden erst gar nicht aufgenommen.

Landkreis – Beim regionalen Stromversorger „17er Oberlandenergie“ kommen zu den derzeit rund 14 000 Stromkunden auf absehbare Zeit keine weiteren hinzu. Das Unternehmen – ein Zusammenschluss der Gemeindewerke Murnau und der Stadtwerke Bad Tölz, Geretsried, Penzberg und Wolfratshausen sowie derzeit noch 23 Gemeinden im Oberland – hat einen Aufnahmestopp für diejenigen beschlossen, deren bisherige Anbieter meist in Konkurs gegangen sind. Grund hierfür: Die Preise an der Strombörse, die rund um das Vierfache gestiegen sind.

„Wir müssten den Strom kurzfristig einkaufen, der reelle Preis wäre hierfür mehr als ein Euro pro Kilowattstunde (kWh), das können wir nicht verlangen“, sagt Thomas Feistl, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens. Die andere Variante, an den höheren Einkaufspreisen auch langjährige Kunden zu beteiligen, kommt für ihn nicht in Frage. Die zahlen derzeit 28,8 Cent pro kWh plus Grundgebühr. Den zertifizierten Strom für ihre Altkunden kauft die „17er Oberlandenergie“ wie auch andere Unternehmen meist Jahre im Voraus – zum Teil schon bis 2027 – zu garantierten Preisen ein. Von den Neukunden müsste also jetzt der deutlich höhere Preis verlangt werden.

Warteliste für potentielle Neukunden

Wer Kunde bei der „17er Oberlandenergie“, das seinen Strom zu 100 Prozent aus Wasserkraft bezieht, werden will, kommt auf eine Warteliste. Sollte sich der Markt beruhigen, werde man mit ihm Kontakt aufnehmen, so Geschäftsführer Feistl.

Einen regelrechten Ansturm von Neukunden erleben derzeit die Stadtwerke Weilheim. Rund 40 Neuanträge pro Tag gehen derzeit bei dem Kommunalunternehmen ein. Das sind rund ein Prozent der rund 4000 Kunden. Ein Aufnahmestopp ist laut Geschäftsführer Peter Müller auch diskutiert, aber dann verworfen worden. Stattdessen müssen Neukunden einen höheren Preis bezahlen. – 39,95 Cent pro kWh statt 29,95, hinzukommt noch die monatliche Grundgebühr von jeweils 11,25 Euro. Durch die höheren Preise solle der Ansturm etwas eingedämmt werden. Ziel sei es, mittelfristig beide Preise zusammenzuführen, so Müller.

Auch Richard Krüger, Stellvertreter des Vorstandes sowie kaufmännischer Leiter und Prokurist der Gemeindewerke Peißenberg, berichtet von „sehr, sehr vielen Anfragen derzeit“. Im Gegensatz zu den Stadtwerken Weilheim und der „17er Oberlandenergie“ zählt das Kommunalunternehmen zu den sogenannten Grundversorgern, weil es auch weitgehend im Besitz des Stromnetzes in der Marktgemeinde und größter Anbieter vor Ort ist; das heißt, die Gemeindewerke müssen Neukunden aufnehmen. Die zahlen dafür aber einen höheren Preis: derzeit rund 45 Cent pro Kilowattstunde statt normal rund 31 Cent, hinzu kommt jeweils eine Grundgebühr von rund 12,50 Euro. Das sind für einen Drei-Personen-Haushalt im Durchschnitt Mehrkosten von rund 490 Euro im Jahr.

Stromanbieter geben Zahl ihrer Neukunden nicht bekannt

Die LEW, das zu EON gehörende Unternehmen, geben die Zahl ihrer Neukunden nicht bekannt. Die Nachfrage auch aus dem Raum Schongau sei erhöht, sagt LEW-Pressesprecher Ingo Butters auf Nachfrage. Wie die Gemeindewerke Peißenberg ist auch LEW Grundversorger – und zwar unter anderem im Altlandkreis Schongau. Im Kerngebiet, in Bayerisch-Schwaben und im westlichen Oberbayern, haben die Lech-Elektrizitätswerke rund 500 000 Privat- und Geschäftskunden. Neukunden aus dem originären Verbreitungsgebiet in der Grundversorgung zahlen derzeit den gleichen Preis wie Bestandskunden. Der liegt bei den Lechwerken aktuell bei 30,89 Cent pro kWh plus knapp zehn Euro Grundgebühr monatlich. Wer allerdings wechseln möchte und von außerhalb des Kernbereichs kommt, der muss sich gedulden: Die Preise für Strom und Gas werden derzeit neu kalkuliert, die Homepage des Unternehmens wird überarbeitet.

All diese Unternehmen bieten auch Gas zur Wärmeversorgung an. Und Erdgas hat sich noch stärker verteuert, allerdings hat jetzt ein leichter Preisrückgang eingesetzt, so Krüger. In Peißenberg zahlen Neukunden 19,2 Cent, Bestandskunden 8,2 Cent pro kWh. Wie die Preise im kommenden Jahr aussehen werden, wollte niemand vorhersagen. Einig waren sich Feistl, Müller, Krüger und Butters in ihrer Kritik an der Politik: „Es kann nicht angehen, dass Discount-Anbieter in Zeiten niedriger Börsenpreise Lockangebote machen und dann bei steigenden Energiekosten ihre Kunden im Regen stehen lassen und nicht mehr versorgen“, sagt beispielsweise Ingo Butters. Dem müsse Einhalt geboten werden.

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