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Teresa Takàcs (16) war unter anderem am Gardasee. Angereist ist sie mit dem Zug.

Durch Klima-Bewegung „ein wenig extremer“ geworden 

Verträgt sich Urlaub mit „Fridays for Future“? Zwei Klima-Aktivistinnen aus dem Landkreis berichten

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Dass für jugendliche Aktivisten der Klimaschutz nicht mit Beginn der Sommerferien an Bedeutung verloren hat, zeigen zwei Organisatorinnen der Weilheimer „Fridays for Future“-Bewegung. Für ein paar Tage Urlaub am Strand wollen sie nicht mehr ins Flugzeug steigen.

Landkreis – Freitags die Schule schwänzen – und in den Ferien in den Urlaub fliegen? Gerade in den sozialen Medien wurden Schüler, die im vergangenen Schuljahr bei den „Fridays for Future“-Demos protestiert haben, mit solchen Vorwürfen konfrontiert. Doch ist es wirklich so, dass der Klimaschutz für sie nur während der Unterrichtszeit eine Rolle spielt?

„Bei mir ist das überhaupt nicht der Fall“, sagt die 16-jährige Teresa Takàcs aus Uffing. Als Schülerin der Montessori-Schule in Peißenberg war sie eine der Organisatorinnen der Klimademos in Weilheim und hielt dabei auf der Bühne flammende Reden. Auch in ihren Ferien engagierte sie sich für den Umweltschutz. Acht Tage verbrachte sie in einem „Klima-Camp“ in Österreich. „Es ging um Nachhaltigkeit, um Kunst und Bewusstsein“, sagt sie. Mit Freunden fuhr sie danach einige Tage in die Schweiz. „Wir haben auf einer Alm gearbeitet und durften dafür umsonst dort wohnen“, erklärt sie, „anschließend ging es noch an den Gardasee“.

Verreisen mit dem Flugzeug: „Heute würde ich darauf verzichten“

Zurückgelegt hat Takàcs alle Strecken mit dem Zug. „Das ist oft ein wenig teurer – aber an sich hat es gut geklappt“, sagt sie. In ein Flugzeug steigen würde sie für ein paar schöne Urlaubstage nicht mehr. „Das letzte Mal bin ich vor drei Jahren geflogen. Da war ich mit meiner Familie in Kuba“, so die 16-Jährige, „obwohl der Urlaub sehr schön war, würde ich heute darauf verzichten.“

Obgleich wohl ihre Familie schon immer versucht hat, möglichst nachhaltig zu leben, hätte die „Fridays for Future“-Bewegung die Schülerin „noch ein wenig extremer“ gemacht. „Ich war zum Beispiel schon seit vielen Jahren Vegetarier“, erklärt sie, „mittlerweile lebe ich aber größtenteils vegan. Auch meine Mama kocht jetzt öfter ohne tierische Produkte.“

Mehr zum Thema: 420 Menschen demonstrieren in Weilheim für die „Klimawahl“ - Schüler nehmen verschärfte Verweise in Kauf. 

Wenig Verständnis hat sie für die Kritiker, die schulpflichtigen Klimaschützern Heuchelei unterstellen – und auch die Aktion der schwedischen Schulstreik-Vorreiterin Greta Thunberg in Frage stellen, die mit einem Segelboot den Atlantik überquerte, um am Klimagipfel in den USA teilzunehmen. „Greta Thunberg hat schon so viele Menschen inspiriert“, sagt sie „dass sich Leute durch sie überhaupt Gedanken machen, ob sie fliegen sollten, ist schon ein Fortschritt.“

Bewegung stehe nicht dafür, „jedem einen anderen Lebensstil aufzuzwingen“

Ähnlich sieht das die 18-jährige Weilheimerin Melina Hermann. Auch sie hat die Klima-Kundgebungen am Weilheimer Kirchplatz mitorganisiert. „.Fridays for Future’ steht nicht dafür, jedem einen anderen Lebensstil aufzuzwingen. Generell finde ich es sehr schade, wie schnell Jugendliche, die sich für die Bewegung engagieren, für jede Kleinigkeit verurteilt werden“, sagt sie.

Melina Hermann (18) fährt in Amsterdam am Liebsten mit dem Fahrrad. 

Bei Reisen aufs Fliegen zu verzichten, sei ihr wichtig – auch wenn es Ausnahmen gebe. „Im letzten Jahr bin ich 20 Stunden mit dem Bus nach Spanien gefahren“, so Hermann, „aber um im letzten Schuljahr an einem Schüleraustausch mit Südamerika teilnehmen zu können, bin ich ins Flugzeug gestiegen.“

Demonstrieren für den Klimaschutz: Bilder aus Weilheim und Penzberg. 

Auch dazu hat sie eine klare Meinung: „Ich sehe nicht ein, wieso Jugendliche angeprangert werden sollen, wenn sie einmal fliegen – wie beispielsweise ich, um meine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern –, während viele Erwachsene täglich mit dem Auto zur Arbeit pendeln, obwohl es grünere Alternativen gäbe.“

Hermann, die seit sechs Jahren vegetarisch lebt, hat im vergangenen Schuljahr am Weilheimer Gymnasium Abitur gemacht und beginnt nun in Amsterdam „Internationale Beziehungen“ zu studieren. Unterwegs ist sie dort natürlich mit dem Fahrrad.

nema

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