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Bei der ersten Runde der Kommunalwahl am 15. März war die Stimmung bei Karl-Heinz Grehl (Grüne, links) noch blendend.

Konstituierende Sitzung des Kreistags

Wer wird heute stellvertretender Landrat? Amtsinhaber Grehl muss zittern

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Heute um 9 Uhr tritt der Kreistag in der Weilheimer Stadthalle zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Im Vorfeld glühen die Telefonleitungen. Denn es ist längst nicht ausgemacht, dass Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) wieder stellvertretender Landrat wird.

Landkreis – Die Buschfunker schieben in diesen Tagen reichlich Überstunden, wenn es um die Besetzung des Amts des stellvertretenden Landrats geht. Denn immer stärker verfestigt sich der Eindruck, dass Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim), der dieses Amt in der vergangenen Wahlperiode inne hatte, nicht automatisch wieder zum Zuge kommen wird. Die heutige konstituierende Sitzung des neuen Kreistags, ansonsten oft eine eher mäßig spannende Veranstaltung, verspricht, durchaus unterhaltsam zu werden.

„Die Frau Landrätin mag mich nicht mehr“, klagte Grehl im Gespräch mit der Heimatzeitung. Weder Andrea Jochner-Weiß noch CSU-Fraktionschef Peter Erhard hätten sich bislang bei ihm gemeldet. Er werde aber dennoch heute antreten, so der Grünen-Politiker, der seine Karriere dereinst bei der CSU begann. Das sei er seinen Wählern schuldig, die ihn als Landratskandidaten immerhin in die Stichwahl gegen Jochner-Weiß getragen und die Grünen zur zweitstärksten Fraktion im neuen Kreistag gemacht hätten. „Auf der Straße gratulieren mir zahlreiche Leute schon zum Amt des stellvertretenden Landrats, weil sie davon ausgehen, dass dieses von jemandem aus der zweitstärksten Fraktion übernommen wird“, so Grehl weiter.

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Bei der CSU hüllt man sich derweil vor der heutigen Sitzung in vielsagendes Schweigen. „Die Telefonleitungen glühen“, sagten Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Fraktionschef Peter Erhard in unterschiedlichen Telefonaten mit der Heimatzeitung wortgleich.

Jochner-Weiß meinte, „der Kreistag wird am Freitag eine demokratische Entscheidung fällen, die es zu akzeptieren gilt“. Im neuen Kreistag „ist garantiert jeder kompetent genug, das Amt des stellvertretenden Landrats auszufüllen“, ansonsten sei sie sich nur sicher, „dass die CSU keinen Kandidaten aufstellen wird“. Das bestätigte auch Peter Ehrhard, der nur meinte, die Lage ändere sich ständig, „jede halbe Stunde ruft jemand an“.

Wenn es Grehl nicht werden sollte, wer hat ansonsten Chancen? Oft fiel in den vergangenen Wochen der Name von Michael Asam (SPD/Peiting), der zu Monatsbeginn das Amt des Peitinger Bürgermeisters an seinen Nachfolger Peter Ostenrieder (CSU) übergeben hatte.

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Asam allerdings stellte auf Nachfrage klar: „Ich verzichte auf eine Kandidatur.“ Ja, man habe fraktionsübergreifend über das Thema gesprochen, aber anders entschieden. „Und da habe ich gesagt: Wenn es nicht sein soll, dann trete ich auch nicht an.“

Wolfgang Taffertshofer: „Ja ich trete an“

Stattdessen sehen jetzt viele Wolfgang Taffertshofer (BfL/Obersöchering) als aussichtsreichsten Kandidaten. Er war bereits vor sechs Jahren im Gespräch für das Amt, hatte damals aber kurz vor der konstituierenden Sitzung zurückgezogen. „Mittlerweile erlaubt mir meine familiäre und berufliche Situation aber eine Kandidatur“, sagte er gestern auf Anfrage.

Er bestätigte: „Ja, ich werde am Freitag antreten, weil ich von verschiedenen Seiten angesprochen wurde.“ Welche Seiten das waren, wollte er aber nicht verraten. Gerüchten zufolge hat er die Stimmen von CSU, BfL, Bayernpartei und FDP sicher.

Grehl warnt vor „Thüringen-Dilemma“

„Das würde aber nicht ausreichen“, sagte Grünen-Bewerber Karl-Heinz Grehl. Er hat gerechnet: Stimmen CSU, BfL, Bayernpartei und FDP für Taffertshofer, dann seien das 29 Stimmen. „Da muss man sich die Frage stellen, ob Taffertshofer die Wahl annimmt, wenn klar ist, dass er – wie der FDP-Ministerpräsident Thomas Kemmerich in Thüringen – nur durch die Stimmen der AfD ins Amt gekommen ist“, so Grehl.

Völlig offen ist derweil, ob es einen zweiten Stellvertreter des Landrats geben wird und wer dieses Amt übernehmen könnte. Wolfgang Taffertshofer sagte dazu: „Die BfL ist auf alle Fälle der Ansicht, dass es einen Dritten Landrat geben sollte.“ Wer das Amt übernehmen soll, sagte er aber nicht. Heute wird es sich entscheiden.

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