Weilheim

Schwarzbauten empören Bauausschuss

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Weilheim - "Eine große Sauerei": Das war der Tenor im Weiheimer Bauausschuss zu Schwarzbauten einer Lackiererei. Dennoch stimmte er den Bauten zu.

„Das ist starker Tobak“, sagte Manfred Stork, Leiter der Bauverwaltung im Weilheimer Rathaus, „so was hab’ ich in fast 30 Jahren beim Bauamt noch nicht erlebt“. Auf dem Gelände einer Autolackiererei am Holzhofring im Gewerbegebiet Trifthof wurden drei Gebäude „ohne jegliche vorherige Baugenehmigung“ errichtet, wie das Landratsamt vor vier Wochen bei einer Baukontrolle feststellte und Stork am Dienstag im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates berichtete. Dessen Mitglieder reagierten empört: „Eine große Sauerei“ nannte SPD-Stadtrat Gerhard Trautinger die Schwarzbauten – und fügte hinzu: „Ich fühle mich verarscht.“

Doch so groß der Unmut bei allen Ausschussmitgliedern auch war: Planungsrechtlich stehe den Gebäuden „eigentlich nichts entgegen“, betonte Stork, „das Grundstück gibt das her“.

Und so befürwortete der Ausschuss die mittlerweile eingereichten Bauanträge nachträglich, gegen die Stimmen von Trautinger, Romana Asam (Freie Wähler) und Alfred Honisch (Grüne) – und unter der Maßgabe, dass der Grundstücksnachbar einer Übernahme der vorgeschriebenen, aber nicht eingehaltenen Abstandsflächen zustimmt. Denn die Stadt, erklärte Bürgermeister Markus Loth (BfW), müsse die Bauanträge „so beurteilen, als ob er noch gar nicht gebaut hätte“. Die Ahndung der Schwarzbauten obliege dem Landratsamt. Letzteres hatte die Schwarzbauten am 22./23. August aufgedeckt und die Bauarbeiten eingestellt. Moniert wurde erstens ein gut 20 Meter langer, teils zweigeschossiger Anbau ans bestehende Gebäude. Darin soll laut Unterlagen der Stadt eine Lackierkabine mit Werkstatt und im ersten Stock „wohl eine Betriebsleiterwohnung“ entstehen; die zum westlichen Nachbarn nötigen Grenzabstände wurden nicht eingehalten. Zweitens stießen die Baukontrolleure auf einen 13 Meter langen Anbau zur nördlichen Grundstücksgrenze, drittens auf eine Doppelgarage an der südwestlichen Grundstücksgrenze.

Für alle drei Gebäude, so hieß es im Ausschuss, „lagen weder der Stadt Weilheim noch dem Landratsamt irgendwelche Genehmigungen bzw. Bauanträge vor“. Auch Absprachen darüber seien den Ämtern nicht bekannt. Es existiere lediglich ein „Antrag auf Vorbescheid“ aus dem Jahr 2010, in dem der Voreigentümer den Bau eines Werkstatt- und Betriebsleiterwohnhauses abgefragt habe. Dieser – inzwischen abgelaufene – Vorbescheid habe aber nichts mit den jetzigen Baumaßnahmen zu tun und berechtige „ohnehin nicht zur Ausführung irgendwelcher Bauarbeiten“.

Unabhängig von ihrer Zustimmung zu den nachträglich eingereichten Bauanträgen hofft die Stadt, dass das Landratsamt die Schwarzbauten ahndet. BfW-Stadträtin Petra Hofer sagte, sie setze darauf, dass die Behörde „ein Zeichen nach außen setzt, damit so etwas nicht gang und gäbe wird“. 

Rubriklistenbild: © dpa

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