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Weilheim: Weniger Straftaten – doch Polizei „am Limit“

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Von: Magnus Reitinger

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Erfreut über weniger Straftaten, besorgt angesichts der Personalentwicklung zeigte sich Weilheims Polizei-Chef Harald Bauer im Stadtrat. Links Bürgermeister Markus Loth.
Erfreut über weniger Straftaten, besorgt angesichts der Personalentwicklung zeigte sich Weilheims Polizei-Chef Harald Bauer im Stadtrat. Links Bürgermeister Loth. © Gronau

Die Zahl der Straftaten in Weilheim sank 2021 auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren. Wenig Arbeit also für die Ordnungshüter vor Ort? Mitnichten, so Polizei-Chef Harald Bauer bei seinem Bericht im Stadtrat: Personell bewege man sich „absolut am Limit“.

Weilheim – Was die Kriminalität betrifft, sind die Zahlen rundum erfreulich. Mit insgesamt 1053 registrierten Straftaten habe man in Weilheim 2021 den niedrigsten Stand der letzten 16 Jahre erreicht, sagte Harald Bauer bei seinem aktuellen Sicherheitsbericht im Stadtrat. Körperverletzungen gingen gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent zurück, Diebstahlsdelikte gar um 44 Prozent. „Corona spielt dabei sicherlich eine Rolle“, erklärte der Leiter der Polizeiinspektion Weilheim: „Fehlende Feste, fehlendes Nachtleben, fehlendes öffentliches Leben insgesamt“ schlügen sich hier nieder – „lassen wir uns überraschen, wie die Zahlen nächstes Jahr aussehen“.

25 Versammlungen mit „Coronabezug“

Mehr zu tun hatten die Ordnungshüter hingegen mit Demonstrationen. 65 Versammlungen seien von den Beamten 2021 im Stadtgebiet betreut worden, sechs mehr als im Vorjahr. 25 davon hatten „Coronabezug“. In früheren Jahren habe es überhaupt „jeweils nur eine Handvoll“ Demos gegeben, so Bauer: „Die Versammlungsfreudigkeit der Bürger nimmt merklich zu. Ich denke, für eine Demokratie ist das auch nicht verkehrt.“

Getrommel bei Demos: „Man muss da relativ viel tolerieren“

Stadtratsmitglied Ullrich Klinkicht („Weilheim Miteinander“), der teils als Veranstalter fungierte, zollte den Beamten Lob für ihr „sensibles Verhalten“ bei den Montagsdemos. Auch Rüdiger Imgart (AfD) machte Weilheims Polizei dafür ein „große Kompliment“. Dagegen verwies Brigitte Gronau (Grüne) auf Beschwerden von Geschäftsleuten wegen des massiven Getrommels bei solchen Protestaktionen: „Kann man da was machen?“ Bezüglich des Lärms gebe es Dezibel-Vorgaben, antwortete Bauer, „aber man muss da relativ viel tolerieren“; die Polizei habe insofern „keine Handhabe“. Auch sei es für die Behörden schwierig, bestimmte Orte zu untersagen. „Das Versammlungsrecht ist grundgesetzlich ein sehr hohes Gut“, so der PI-Chef, „da braucht es sehr gute Gründe für Ablehnungen“.

Weilheims Polizei-Chef: „Aufgaben wachsen schneller als das Personal“

Nach der Personallage und dem Stand der Überstunden bei Weilheims Polizei erkundigte sich in der Stadtratssitzung CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder – und traf damit einen wunden Punkt. „Wir sind absolut am Limit, definitiv“, sagte Bauer. Zu den alltäglichen Aufgaben kämen etwa Einsätze zur Unterstützung von Gesundheitsämtern und Ausländerbehörden, bei den Oberammergauer Passionsspielen, zuletzt beim G7-Gipfel in Elmau: „Irgendwie habe ich das Gefühl, die bayerische Polizei kann alles“, fasste der PI-Leiter zusammen. Zwar gebe es bayernweit Personalzuwächse, doch die „kommen nicht an der Basis an, wir werden eher weniger als mehr“, erläuterte Bauer: „Die Bedarfe und Aufgaben wachsen schneller als das Personal.“

Sicherheitswacht: Neuzugänge dringend gesucht

Auch vor diesem Hintergrund leiste die Sicherheitswacht in Weilheim wichtige Arbeit, betonte der Polizei-Chef. 618 Stunden seien deren Mitglieder 2021 im Einsatz gewesen. Doch zähle die Sicherheitswacht vor Ort derzeit „leider nur noch sechs Angehörige“. Interessierte Bürgerinnen und Bürger seien deshalb dringend gesucht. Man erfahre in dieser Aufgabe „viel Anerkennung“, warb Bauer – und verwies auch auf die acht Euro, die man dafür pro Stunde bekomme.

Beschwerden über Radfahrer

Beim Blick auf die „Verkehrslage“ in Weilheim widmete sich Bauer in seinem kurzen Rückblick insbesondere den Radfahrern. Bei 41 Unfällen im Jahr 2021 seien Radler beteiligt gewesen, davon kamen 38-mal Personen zu Schaden, neun wurden schwer verletzt. Zudem gab es acht Unfälle mit Pedelecs, hier wurden in allen Fällen Personen verletzt. Insgesamt werde „Radeln Gott sei Dank immer beliebter“, so der Polizei-Chef, die Zahl der Radler in Weilheim steige spürbar. BfW-Vertreter Claus Reindl kritisierte in diesem Zuge „Radfahrer, die Regeln missachten“. Dem schloss sich Bauer an: Was das Radeln auf Gehwegen betrifft, sprach er von einem „Kampf gegen Windmühlen“. „Unheimlich gefährlich“, vor allem für die Radler selbst, sei zudem nächtliches Fahren ohne Licht.

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