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Eines von zwei Solarfeldern, die es zurzeit auf Weilheimer Flur gibt: die private, rund 1,5 Hektar große Freiflächen-Photovoltaikanlage am Trifthof-Anbinder.

Weilheim: So soll Klimaschutz konkret werden

  • Magnus Reitinger
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Die Stadt soll potenzielle Flächen für Solarfelder auf Weilheimer Flur ermitteln – und forcieren, dass an Feldwegen Bäume sowie an Äckern Hecken und Büsche gepflanzt werden.Für diese BfW-Anträge gab es jetzt viel Rückenwind im Klimaausschuss. Die Umsetzung aber wird Zeit brauchen. Und sie ist nicht ganz einfach.

Weilheim – Gleich drei Anträge hatte die Stadtratsfraktion der „Bürger für Weilheim“ (BfW) zur Juni-Sitzung des neu installierten Klimaausschusses eingereicht. Noch ehe das Gremium ein Klimaschutzkonzept für Weilheim erarbeitet – was seine Hauptaufgabe für die nächsten Monate ist –, wolle man praktische Impulse setzen, erklärte BfW-Vertreter Claus Reindl: Die Stadt solle untersuchen, wo weitere Freiflächen-Photovoltaikanlagen möglich wären; sie soll eruieren, an welchen Feldwegen Bäume gepflanzt werden könnten; und sie soll sich für die Pflanzung von Hecken und Büschen an Rändern von Äckern und Wiesen einsetzen. „Das sind Dinge, die auf jeden Fall Sinn haben“, so Reindl.

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Im Klimaausschuss – in dem neben Stadträten auch Aktive der Weilheimer Agenda 21 beratend mitwirken –rannten die BfW mit diesen Vorstößen offene Türen ein. „Die Anträge hätten auch von uns sein können“, sagte Stefan Emeis (Grüne), „aber die BfW sind offenbar noch besser organisiert als wir“. Indes: Offizielle Beschlüsse zu den Themen gibt es vorerst nicht – der Klimaausschuss selbst ist ohnehin nur vorberatend tätig. „Wir greifen das auf“, versprach jedoch Bürgermeister Markus Loth (BfW). Das Stadtbauamt, so war man sich einig, solle Weilheims Flächen und Wege in der nächsten Zeit bezüglich der Vorschläge untersuchen.

Solarfelder

Um dem Ziel der „Energie-Autarkie“ näher zu kommen, bleibe in Weilheim eigentlich nur die Nutzung der Sonnenenergie, schreiben die BfW im ersten ihrer drei Anträge –denn Wasserkraft, Windkraft und Geothermie seien hier weitgehend ausgereizt oder nicht umsetzbar. Die Stadt solle deshalb „im Sinne eines Flächenkatasters untersuchen, wo auf Weilheimer Gemeindegebiet weitere Freiflächen-Photovoltaikanlagen möglich wären, bevorzugt auf städtischen, aber auch auf privaten Grundstücken“.

Laut Stadtbauamts-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer gibt es derzeit zwei Solarwiesen auf Weilheimer Flur: eine am Trifthof-Anbinder (rund 1,5 Hektar groß) und eine an der Bahnlinie bei Unterhausen (2,8 Hektar). Bei letzterer wollen die Stadtwerke eine zweite Anlage errichten, die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplanes läuft bereits. Laut Grünen-Stadtrat Emeis gibt es „Bürger, die in weitere größere Anlagen investieren wollen“. Doch dürfe man „nicht erneuerbare Energien gegen Artenschutz ausspielen“, mahnte Gerd Ratter (ÖDP): „Man muss nicht immer in die Fläche gehen.“ Es könnten Parkplätze mit Solarflächen überdacht werden, „und ich frage mich auch, warum man die Dächer des neuen Busbahnhofs nicht für Photovoltaik nutzt“.

Und wie wird nun mit dem BfW-Antrag umgegangen? Stadtbauamt und Stadtwerke sollten „die Flächen durchschauen, die in unserer Verfügung sind“, so Bürgermeister Loth, zudem wolle man einen Aufruf an Privatleute starten. Und wenn die Stadt einen Klimamanager hat – dessen Stelle aber erst noch geschaffen werden muss –, werde dieser mit dem Thema betraut.

Bäume an Feldwegen

Als Maßnahme gegen den Klimawandel gelte es möglichst viele Bäume zu pflanzen, heißt es im zweiten Antrag der BfW. Deshalb solle die Stadt untersuchen, „wo entlang von Feldwegen bzw. Feldstraßen auf Weilheimer Gemeindegebiet Alleebäume oder auch einzelne Bäume gepflanzt werden könnten“ – etwa im Moos, am Gögerl oder im Hardt. Ein Problem ist laut Stadtbauamt, dass Bewuchs über zwei Meter Höhe per Gesetz mindestens vier Meter von landwirtschaftlichen Flächen entfernt sein müsse, um diese nicht zu beeinträchtigen. Dennoch sei zu überprüfen, „ob man nicht das ein oder andere unterbringt“, antwortete Reindl.

Nach neueren Forschungsergebnissen könnten Baumreihen an Feldern sogar „ertragsfördernd“ sein, betonte Ratter. Franz Andrä (CSU), der selbst Landwirt ist, sah den Antrag grundsätzlich positiv, nannte aber möglichen Wasserentzug auf den Feldern und die nötige Breite der Wege als Probleme. Deshalb müsse man „mit den Landwirten reden und gemeinsam Lösungen finden“.

Dass auch in der Stadt größere Bäume nachgepflanzt werden sollten, forderte Petra Arneth-Mangano (SPD). Manuel Neulinger (Grüne) regte an, das Verzeichnis schützenswerter Bäume langfristig auf Privatflächen auszudehnen. Mehr Sensibilität im Umgang mit Bäumen wünschte sich Birgitt Hofmann (Agenda-AK „Natur“): Etwa bei der Kranlöchl-Allee Richtung Dietlhofen – deren Pflanzung war vor rund 20 Jahren die erste große Aktion der Weilheimer Agenda – sei teilweise „so nah herangepflügt worden, dass Wurzeln beschädigt wurden“. Auch zunehmende Klagen über Laub in Gärten besorgen Hofmann: „Ja, das Laub macht eine gewisse Arbeit – aber das ist nur einmal im Herbst. Vielleicht müssen wir darauf wieder öfter hinweisen.“

Hecken an Äckern

Im dritten Antrag fordern die BfW, „die Pflanzung von Hecken und Buschwerk an den Rändern von Äckern und Wiesen zu prüfen“ – als Lebensraum für Insekten und Kleinlebewesen. In anderen Gegenden Deutschlands seien solche Bepflanzungen mit niedrigen Büschen gang und gäbe, so Reindl, „da muss ein Umdenken her, das täte auch dem Landschaftsbild gut“. Man setze hier auch auf „Bewusstseinsbildung“ bei den Landwirten und Privateigentümern, ergänzte Loth.

Einen Zeitrahmen für all die gewünschten Aktivitäten wollte der Rathaus-Chef nicht vorgeben: „Das ist ein Prozess – einfach mal loslegen!“

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