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Weilheim: Stadtbäume im Dauerstress

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Von: Magnus Reitinger

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Einer der Bäume in der Stadt, denen das viel zu nahe Straßenpflaster zusetzt – die Kastanie in der Eisenkramergasse.
Einer der Bäume in der Stadt, denen das viel zu nahe Straßenpflaster zusetzt: Die sichtlich in Mitleidenschaft gezogene Kastanie in der Eisenkramergasse. © Ruder

Was ist eigentlich ein großer, alter Baum in der Stadt wert? Im Klimaausschuss des Weilheimer Stadtrates wurde da kürzlich eine eindrucksvolle Zahl genannt. Und es wurde deutlich, was solchen Bäumen heute das Wasser abgräbt.

Weilheim – Dass Fachmagazine und Zeitungen in jüngster Zeit vermehrt über die Bedeutung des Stadtgrüns berichten, ließ SPD-Stadträtin Petra Arneth-Mangano aufhorchen – und eine Anfrage an die Stadt formulieren. Wie steht’s generell um die Chancen, in Zeiten des Klimawandels „stadtprägende Bäume“ zu erhalten? Und was wurde und wird konkret für den einst stattlichen, inzwischen aber stark angeschlagenen Baum in der Eisenkramergasse getan, den viele Weilheimer kennen?

Antworten darauf gab es nun im Klimaausschuss des Stadtrates – in Form einer schriftlichen Stellungnahme der Baumpfleger der Stadtwerke. Demnach wurde die Kastanie in der Eisenkramergasse intensiv bewässert, gedüngt und mit „Bodenaktivator“ behandelt. Doch die Pflasterung über der Wurzel, so hieß es auf explizite Nachfragen Arneth-Manganos, schädige den Baum. Und durch die zu kleine Baumscheibe sei auch keine ausreichende Bewässerung möglich.

Mindestens drei Meter um den Baum „entsiegeln“

Um eine Verbesserung zu schaffen, müsste den Experten zufolge „großzügig das Baumumfeld verändert werden“: Beispielsweise wäre es nötig, mindestens drei Meter um den Baum herum zu „entsiegeln“ und Bewässerungsleitungen im Wurzelbereich einzubauen. Die „längerfristig bessere Lösung“ sieht man aber in einer Neupflanzung „mit einer baumgerechten Pflanzgrube“ und „in Abstimmung mit den straßenbaulichen Belangen“ wie der nötigen Feuerwehrzufahrt, dem Lieferverkehr oder Leitungen im Boden.

So viel ist ein solcher Baum in der Stadt wert

Arneth-Mangano interessierte zudem, wie hoch eigentlich der finanzielle Wert „eines gesunden Baumes in dieser Größenordnung“ ist. Antwort der Stadtwerke: Ein Baum mit einer Höhe von acht bis zehn Metern koste rund 10 000 Euro. Den materiellen Wert des Baumes in der Eisenkramergasse taxiere man „mit fiktiven Werten“ auf rund 65 000 Euro.

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Grundsätzlich pflanze man im Stadtgebiet heute Arten, die dem Klimawandel standhalten. Wünschenswert wäre den Baumpflegern zufolge freilich, bei der Neuanlage von Baugebieten und Wohnanlagen auf „Baumgruben in ausreichender Größe“ zu achten und diese nicht durch Kabeltrassen einzuschränken. Auch sollten Gießringe mit angelegt werden, um die Bewässerung zu erleichtern. Übrigens: Bürger werden beim Gießen von städtischen Bäumen bisher nicht eingebunden. Projekte in diese Richtung – etwa mit den Blumenkästen am Stadtbach – hätten „leider nicht funktioniert“.

Bäume an Radwegen gefordert

Laut Monika Propach, die beim Agenda-21-Arbeitskreis „Natur“ aktiv ist, seien bei vielen städtischen Bäumen in Weilheim „viel zu kleine Baumscheiben“ angelegt worden. Dies sollten die Stadtwerke überprüfen. Und wenn man heutzutage schon an Staatsstraßen kaum noch größere Bäume pflanze, so sollte dies wenigstens an Radwegen getan werden, so Propach: „Dort ist es ja nicht verkehrsgefährdend.“

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