Bereits in Weilheim getestet wurden batterieelektrische Midibusse – die ab 2022 Stadtbus-Standard sind.
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Bereits in Weilheim getestet wurden batterieelektrische Midibusse – die ab 2022 Stadtbus-Standard sind.

Neues Konzept ab 2022

Weilheim: Stadtbus fährt künftig elektrisch

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Nun ist es fix: Weilheims Stadtbus wird ab 2022 von den Stadtwerken betrieben, der Takt deutlich verbessert, und es rollen dann ausschließlich Elektro-Busse. Im Stadtrat war am Donnerstag von einem „Quantensprung“ die Rede – der die Stadt weitere 330 000 Euro pro Jahr kostet.

  • Weilheims Stadtbus wird ab 2022 deutlich ausgeweitet, großteils mit Halbstundentakt.
  • Das soll zu einer Verdopplung der Fahrgastzahlen führen.
  • Anders als zunächst gedacht, fahren dann nur noch E-Busse.

Weilheim – Stadtwerke-Vorstand Peter Müller ließ bei seiner Präsentation am Donnerstagabend im Stadtrat keinen Zweifel daran aufkommen, dass Weilheims Stadtbus wesentlich mehr Fahrgäste haben sollte – und das Kommunalunternehmen genau dafür sorgen könne, wenn die Stadt bereit ist, entsprechend zu investieren. Rund 830 000 Euro jährlich – das sind 330 000 Euro mehr als bisher – müsse die Stadt für das Projekt „Stadtbus 2022“ in die Hand nehmen. Dafür könne der Takt verdoppelt und auf Sonntag ausgedehnt werden, die Haltestellen und Linienführung würden optimiert, und statt der jetzigen Diesel-Sprinter fahren dann ausschließlich batterieelektrische Midibusse.

Derzeit 140 000 Fahrgäste pro Jahr

Der Stadtrat hat dieses Paket, an dem seit drei Jahren gearbeitet wird, nun mit großer Mehrheit beschlossen. Müller geht davon aus, dass die Zahl der Fahrgäste (aktuell sind es 140 000 pro Jahr, und zwar überwiegend „älteres Publikum“) damit bis 2026 verdoppelt werden kann – indem der Stadtbus „für alle Weilheimer“ attraktiv wird. Werktags ist komplett, samstags bis frühnachmittags auf allen Linien Halbstundentakt vorgesehen. Bis Samstagabend sowie sonn- und feiertags fahren dann – ganz neu – stündlich Busse.

Probleme mit dem Biogas-Antrieb

Neu werden auch die Fahrzeuge sein. Eigentlich hatte der Klimaausschuss im Juli nach kontroverser Debatte für Biogas-Antrieb plädiert, doch da taten sich laut Müller inzwischen Probleme auf: Es gebe nicht genug Biogas in der Nähe, für Zukauf wäre aber eine teure Aufbereitungsanlage nötig, zudem müssten die Stadtwerke gewährleisten, dass für das Biogas nicht Material aus Lebensmittelanbauflächen verwendet wird – was praktisch kaum möglich ist. So wurde auf batterieelektrische, acht bis neun Meter lange Midibusse umgeschwenkt, wie sie in Weilheim bereits getestet wurden. Weil sich deren Reichweite verbessert hat und untertags kein Nachladen mehr nötig sei, genügten nun vier statt fünf E-Busse. Und deren Anschaffung sei dank Zuschüssen kaum teurer als die von Diesel- oder Erdgasbussen. Hingegen ist Wasserstoff-Antrieb – wie ihn FW-Stadträtin Romana Asam fordert – für Müller noch Zukunftsmusik.

Noch keine Ausweitung in Ortsteile vorgesehen

Das nun beschlossene Konzept bringt ein „Grundnetz“ für den Stadtbus, so Müller, das beliebig ausbaubar wäre und auch stetig verbessert werden müsse. Noch nicht enthalten ist zum Beispiel eine Ausweitung in die Ortsteile Marnbach, Deutenhausen und Tankenrain. Die wäre freilich dringend nötig, wie Petra Arneth-Mangano (SPD) und Klaus Gast (CSU) im Stadtrat betonten. Eine Möglichkeit dafür könnten laut Stadtwerke-Chef zusätzliche kleine Busse samt komfortablem App-System sein, wie es etwa in Murnau praktiziert werde.

Garmisch hat wesentlich bessere Zahlen

Apropos Orts-Vergleich: Da hat Weilheim einiges aufzuholen, wie Müller mit Zahlen belegte. In Garmisch-Partenkirchen zähle man 52, in Lindau gar 83 Fahrten je Einwohner. In Weilheim seien es derzeit sechs und mit dem neuen System dann wohl 12. Dass Weilheims „Stadtbus 2022“ unbedingt barrierefrei sein müsse, mahnte Susann Enders (FW) an. Die Fahrzeuge seien es, versicherte Müller. Bezüglich der Situation an den Haltestellen – die zudem auch sichtbarer werden sollen –müsse man mit den zuständigen Behörden sprechen.

Für Manuel Neulinger (Grüne), den Verkehrsreferenten des Stadtrates, ist das neue Konzept „nicht weniger als ein Quantensprung für den Stadtbus“. Am Donnerstag stimmten alle Stadtratsmitglieder dafür – außer Asam und AfD-Vertreter Imgart (siehe Kasten).

Auch interessant: Lesen Sie hier, was die Grünen für das Weilheimer Moos fordern.

Stimmen aus der Diskussion im Stadtrat

In den 15 Jahren seines Bestehens habe sich Weilheims Stadtbus „immer besser entwickelt“, sagte Claus Reindl (BfW), der frühere Verkehrsreferent des Stadtrates. „Aber der ganz große Wurf ist bisher nicht gelungen.“ Das werde sich mit dem neuen System ändern. Reindl ist überzeugt, dass man damit „weitere Nutzerkreise erschließen“ und so den Individualverkehr in der Stadt reduzieren könne.

„Die Nachfrage steht und fällt mit dem Angebot“, betonte der jetzige Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne). Deshalb werde schon allein der Halbstundentakt „ein wesentlicher Fortschritt“ sein. Zwar koste dieses Angebot die Stadt „viel Geld“, doch das ist dem Grünen-Sprecher zufolge „angemessen“.

Die geschätzten Mehrkosten von 330 000 Euro pro Jahr nannte CSU-Fraktionschefin Marion Lunz-Schmieder „eine Größenordnung, die uns Kopfzerbrechen bereiten wird“. Doch gebe es in ökologischer und sozialer Hinsicht keine Alternative zum Ausbau: „Wir brauchen einen attraktiven Stadtbus.“ Und dieser, so ihre Überzeugung, werde den Bürgern auch etwas wert sein – weshalb man „in eineinhalb Jahren vielleicht über eine Kostenbeteiligung der Fahrgäste nachdenken“ müsse. Derzeit ist die Stadtbus-Nutzung bekanntlich für alle kostenfrei.

Während Neulinger von einem „ausgereiften Gesamtkonzept“ der Stadtwerke für den Stadtbus sprach, sieht Rüdiger Imgart (AfD) in der Vorlage „eher eine To-do-Liste mit vielen guten Ideen“. Auch er sei „selbstverständlich für den Stadtbus“, doch die Entscheidung kommt ihm zu schnell. Keiner wisse, ob Corona den ÖPNV nicht dauerhaft zurückdränge und wie es 2022 mit dem Stadt-Etat aussieht.

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