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Egal, ob Richtung Gögerl oder Richtung Unterhausen – Fahrten mit dem Stadtbus sind in Weilheim bald kostenfrei.

Probephase von zwei Jahren

Weilheimer Stadtbus kostenfrei für alle

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Die Benutzung des Stadtbusses in Weilheim ist ab 2020 für alle Fahrgäste kostenfrei. Nach kontroverser Diskussion hat der Hauptausschuss des Stadtrates gestern entschieden, dies zumindest für zwei Jahre auszuprobieren.

Weilheim– In Sachen „Stadtbus“ überstürzen sich die Ereignisse in Weilheim geradezu. Zum 1. Oktober erst wurde eingeführt, dass Schüler generell und samstags alle Bürger kostenlos fahren dürfen. Nun legt die Stadt noch eins drauf: Voraussichtlich ab Januar 2020 können alle kostenlos Stadtbus fahren, und zwar immer. Bei einer Gegenstimme hat der Hauptausschuss des Stadtrates gestern ein entsprechendes „Pilotprojekt“ beschlossen – zunächst auf zwei Jahre begrenzt.

Dass diese Entscheidung etwas mit dem beginnenden Wahlkampf zur Kommunalwahl im März 2020 zu tun hat, würden die meisten Beteiligten wohl zurückweisen. Doch „es sind schon schöne Zeiten im Moment, wie wenn bald Weihnachten wäre“, freute sich Grünen-Vertreter Eckart Stüber in der gestrigen Sitzung: „Alles, was man sich gewünscht hat in den letzten sechs Jahren, kommt jetzt auf die Tagesordnung.“

In diesem Fall hatten die „Bürger für Weilheim“ (BfW) dafür gesorgt und vergangene Woche beantragt, „dass die Benutzung des Stadtbusses für alle Fahrgäste ab 2020 kostenfrei ist“. So könne man kurzfristig dessen Attraktivität steigern und „einen Anreiz schaffen, dem Stadtbus den Vorzug vor dem Auto zu geben“ – was helfen soll, den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren.

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Im Weilheimer Hauptausschuss wurde über diesen Antrag gestern durchaus kontrovers diskutiert. Die Vertreter von CSU und FW warben zunächst dafür, die Entscheidung zu vertagen. Erst müsse man den Stadtbus „attraktiver machen“, seine Taktung verbessern, die Ortsteile und den Bahnhof besser anbinden, befand CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Auch gelte es abzuwarten, ob der Landkreis dem MVV-Tarifverbund beitritt – denn dann müssten Fahrgäste womöglich auch im Stadtbus wieder zahlen. Zudem gab Angelika Flock (CSU) angesichts der „angespannten Haushaltslage“ zu bedenken, dass eine Kostenfreiheit für alle die Stadt letztlich höher belasten würde als gedacht, wenn die Nutzerzahlen steigen.

Eigentlich hatte die Stadt für 2020 Fahrgasteinnahmen in Höhe von 60 000 Euro einkalkuliert. Auf diese verzichte man mit der Entscheidung für die Kostenfreiheit, erklärte Jochen Knittel (BfW). Doch eine etwaige Erweiterung des Stadtbus-Angebots stehe auf einem anderen Papier, diese Kosten hätte die Stadt ohnehin. Auch von der Frage eines möglichen MVV-Beitritts („das dauert noch zwei. drei Jahre“) dürfe man die Sache nicht abhängig machen, so Knittel weiter: Man müsse „jetzt ein Signal setzen“ und den Autoverkehr innerhalb Weilheims reduzieren.

„Ein ganz spezielles Pilotprojekt“ in Weilheim

Letztlich fand sich eine breite Mehrheit für den BfW-Antrag. Doch die Kostenfreiheit solle als „Pilotprojekt für zwei Jahre“ angelegt sein, so der Kompromiss. Dagegen stimmte nur Walter Weber (FW): Seiner Ansicht nach zahlen die Weilheimer „gern Gebühr für den Stadtbus“, fordern aber eine bessere Taktung. Also habe die Stadt „erst noch einige Hausaufgaben zu machen, und das kostet alles Geld“.

Außer Weber befanden jedoch alle Ausschussmitglieder das auf zwei Jahre angelegte „Pilotprojekt“ für gut. „In zwei Jahren wissen wir auch mit dem MVV Bescheid“, betonte Bürgermeister Markus Loth (BfW). „Und wir sehen, wie stark das angenommen wird“, ergänzte Knittel. Grünen-Stadtrat Stüber regte an, das Ganze wissenschaftlich begleiten zu lassen. Denn Weilheim habe somit „ein ganz spezielles Pilotprojekt“: „Mal schauen, was passiert, wenn es für alle kostenfrei ist.“

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