Aktueller Blick auf die geplante Erweiterungsfläche des Gewerbegebietes Leprosenweg: Anwohner wundern sich, wie sehr dort bereits gegraben wird, obwohl der Bebauungsplan erst noch in eine weitere Runde geht. Im Bauausschuss hieß es kürzlich, die aktuellen Arbeiten dienten der Umsiedlung von Eidechsen.
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Aktueller Blick auf die geplante Erweiterungsfläche des Gewerbegebietes Leprosenweg: Anwohner wundern sich, wie sehr dort bereits gegraben wird, obwohl der Bebauungsplan erst noch in eine weitere Runde geht. Im Bauausschuss hieß es kürzlich, die aktuellen Arbeiten dienten der Umsiedlung von Eidechsen.

Erweiterung des Gewerbegebiets Leprosenweg

Weilheim: Stadträte genervt von der Grundsatzkritik

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Trotz vieler Einwendungen von Anwohnern zieht die Stadt die Erweiterung des Gewerbegebietes am Leprosenweg wie geplant durch. Auch grundsätzliche Bedenken einiger Stadtratsmitglieder führten in der jüngsten Sitzung zu keiner wesentlichen Änderung. Stattdessen gab es Kritik an deren Kritik.

Weilheim – Es geht um rund 25.000 Quadratmeter, um die das Gewerbegebiet Leprosenweg nördlich der Firma „Dr. Müller Diamantmetall“ erweitert werden soll. Und es dauerte fast eine Stunde, bis in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend die 19 Stellungnahmen von Betroffenen und Behörden erörtert waren, die in der jüngsten Runde zum Bebauungsplan „Leprosenweg II – Erweiterung Nord“ zusammenkamen. Mehr als ein Drittel stammt von Unterhausenern, deren Grundstücke teils nur durch die Bahnlinie Weilheim-Augsburg von der geplanten Gewerbefläche getrennt sind. Sie erneuerten und vertieften darin ihre Einwände etwa gegen deren Ausmaße, Gebäudehöhen und Emissionen

Nach der Abwägung des Stadtbauamtes – das keine weiteren Reduzierungen für angebracht hält – monierte Grünen-Vertreterin Brigitte Gronau, die Einsprüche von Anwohnern gegen die geplanten Gebäudehöhen würden „weggewogen“. Dabei sei die konkrete Nutzung der künftigen Gewerbeflächen „ja noch gar nicht bekannt“, so Gronau, eine Reduzierung der zulässigen Baukörper also durchaus möglich. Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer verwahrte sich gegen den Vorwurf („das wird nicht weggewogen, sondern abgewogen“) und verwies auf die bereits erfolgten Reduzierungen der bebaubaren Fläche und Gebäudehöhen. Der Plan zeige lediglich das Baufenster, in dem eine „aufgelockerte Bebauung“ entstehen werde.

Dennoch gab es im Stadtrat erneut grundsätzliche Kritik. Weilheim habe genügend Gewerbeflächen, sagte Ullrich Klinkicht (WM Miteinander), die Erweiterung am Leprosenweg lehne er zudem ab, weil nicht durch mehr Verkehr ein weiteres Argument für eine mögliche Westumfahrung geschaffen werden solle. Andreas Halas (ÖDP) war „irritiert“, dass man im Grünen neu baue, während im Paradeis bestehende „Premium-Gewerbeflächen“ zum Reifenlager werden. Seitens der Stadt brauche es mehr „Herzblut, vernünftige Lösungen zu suchen und auf Eigentümer zuzugehen“.

Bauwerber hätten gewiss berechtigte Interessen, meinte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger, doch sei die Frage, „ob die Stadt nicht andere Ziele in die Waagschale werfen muss, zum Beispiel Flächensparen“. Es werde kolportiert, dass „Dr. Müller Diamantmetall“ am Leprosenweg „nicht für sich erweitern will, sondern einen Gewerbepark plant“, so Neulinger weiter: „Dann stellt sich schon die Frage, ob dafür nicht Leerstände zum Beispiel im Paradeis in Frage kommen.“

Die Firma wolle „nicht einen zweiten Standort in Weilheim aufmachen“, konterte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Mangels Expansionsmöglichkeit in Feldafing sei „Diamantmetall Müller“ vor Jahren nach Weilheim gezogen – was Loth als „Segen“ für die Kreisstadt bezeichnete. Dass die Firma nun „auf dem Nachbargrundstück die Chance ergreift, ist nachvollziehbar“. Das Unternehmen sei „ein guter Arbeitgeber“, fügte Petra Arneth-Mangano (SPD) an, deshalb liege der Ausbau „schon in unserem Interesse“. Zudem sehe der Flächennutzungsplan das besagte Areal seit vielen Jahren bereits als Gewerbegrund vor.

Die neuerliche Grundsatzkritik am Bebauungsplan wurde teils heftig gerügt. „Wir haben auch die Pflicht, an gewissen Gegebenheiten weiterzuarbeiten und können nicht alles immer hinterfragen“, sagte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder und forderte, „die Dinge mit Maß und Ziel anzuschauen“. Ähnlich Horst Martin (SPD): „Auch ich will weniger Verkehr in der Stadt haben und Flächen sparen, aber wir müssen auch etwas verlässlich sein.“ Um Einnahmen für die Stadt zu generieren, brauche es auch zusätzliche Gewerbeflächen, sagte Claus Reindl (BfW). Er wohne selbst nah an dem Areal, das „keine grüne Wiese“, sondern großteils einstige Kiesabbaufläche sei – und wisse seit jeher, dass das Gewerbegebiet dort erweitert werde.

Letztlich stimmte der Stadtrat den Abwägungen gegen die Stimmen von Neulinger, Gronau, Halas und Klinkicht zu. Beschlossen wurde außerdem, dass Dächer im Plangebiet komplett für Photovoltaik-Anlagen genutzt und diese auch aufgeständert werden dürfen – wenn die maximal zulässige Firsthöhe dadurch nicht überschritten wird. Mit diesen Änderungen wird der Bebauungsplan-Entwurf erneut öffentlich ausgelegt.

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