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Ragnhild Thieler gehört dem Stadtrat seit 2002 an – zunächst für die CSU, seit 2013 für die BfW. Mit 73 ist sie die Nestorin des Gremiums.

Rede aus dem Weilheimer Stadtrat

„Wir dürfen uns nicht spalten lassen“

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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„Stadträte dürfen nicht zum Spielball der Interessen Einzelner werden.“ Als Gremiums-Älteste schrieb Ragnhild Thieler ihrenKollegen  diesen Satz ins Stammbuch.

Weilheim – Die „Rede des Nestors“ ist traditionell der letzte Tagesordnungspunkt des Sitzungsjahres – und sie ist die Gelegenheit, „ein paar Grundgedanken“ an die Kolleginnen und Kollegen zu richten, wie Ragnhild Thieler (BfW), mit 73 Jahren das älteste Stadtratsmitglied, ihren Auftrag umriss: „Was war 2018 nachdenkenswert, und welche Folgerungen sollten wir vielleicht daraus für die Zukunft ziehen?“

Die bayerische Landtagswahl, so befand Thieler zunächst, habe dafür gesorgt, dass im Stadtrat „die Wortmeldungen und Ausführungen zu allen Themen etwas überhandnehmen“. Und sie fügte an: „Politik ist manchmal wie Theater, dieser Vergleich mag der Kulturreferentin erlaubt sein. Manchmal großartig inszeniert, manchmal leicht durchschaubar – und manchmal wartet das Publikum nur darauf, dass es endlich vorbei ist.“

Stadtrat müsse sich ernsthaft Gedanken machen

In den Mittelpunkt ihrer Rede rückte die 73-Jährige die „Entscheidungen und Pläne für Vorhaben in unserer Stadt, die zum Teil zu heftigen Diskussionen in diesem Gremium und in der Bevölkerung führten und dabei von einigen ,Bei-mir-nicht-Initiativen’ oder ,Hauptsache-dagegen-Aktionen’ begleitet wurden“. In den Diskussionen wichtiger Problemfelder – „ich nenne hier nur einige“, so Thieler, „zum Beispiel den Bahnhalt in der Au, die Entlastungsstraße, die Dreifachturnhalle auf dem Maibaumgelände oder die geplanten Veränderungen am Riss“ – müsse sich der Stadtrat „mit Nachdruck ernsthafte Gedanken machen, wir müssen dabei auch den Mut haben, Perspektiven aufzuzeigen und neue Ideen situationsbezogen umzusetzen“.

Dabei dürften Entscheidungen „nicht nach den Wünschen Einzelner oder von Gruppierungen auf Kosten der Allgemeinheit getroffen werden“, betonte die Nestorin: „Stadträte dürfen nicht zum Spielball der Interessen Einzelner werden.“ Zugleich brach Thieler eine Lanze für die Arbeit der Stadtratsmitglieder: „Es ist so leicht zu kritisieren, aber kaum einer weiß oder will es wirklich wissen, was alles zu berücksichtigen und zu bedenken ist, um wirklich zu einer guten Lösung zu kommen.“

Wertschätzender Umgang als Grundlage

Eine gute Gesprächskultur und ein wertschätzender Umgang sei „die Grundlage für das gelingende Miteinander in diesem Gremium und in der Öffentlichkeit“, sagte Thieler. Und für den Stadtrat komme es 2019 ganz besonders darauf an, „dass wir uns nicht spalten lassen“ – und darauf, „auch in Zukunft eine Stadt sein zu wollen, in der wir mitmenschlich, weltoffen und zukunftsorientiert sind“.

Die Stadtratsmitglieder nähmen die Meinungen und Bedenken der Bürger „sehr ernst“, versicherte die Gremiums-Älteste, doch müsse letztlich jeder „für sich alleine, nach guter Überlegung, emotionsfrei, aber sach- und zielorientiert seine eigene Meinung bilden und diese nach außen vertreten“. So sei es sinnvoll, nach dem Motto „Zuhören – Nachdenken – Entscheiden“ zu handeln, resümierte Thieler in ihrer Rede. Das gelte „für uns Stadträte, alle Bürgerinnen und Bürger und auch für die Presse“. „Konzentrieren wir uns“, appellierte die Nestorin an ihre Kollegen, „auf das Wesentliche der täglichen Arbeit, die mit Sachverstand zum Wohle der Bürger zu leisten ist. Wir sind es ihnen schuldig, insbesondere denen, die sich im erheblichen Maße für das Gemeinwohl ehrenamtlich einsetzen“.

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