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Symbolbild

Aus dem Gerichtssaal

„Sie brauchen Hilfe“: Mann verletzt im Vollrausch Sanitäterin - vor dem Richter weint er

Weil er sich massiv gegen die Hilfe der Rettungssanitäter gewehrt hatte und eine Sanitäterin dabei sogar verletzt wurde, stand ein 28-Jähriger vor dem Amtsgericht Weilheim. Er wurde wegen Körperverletzung verurteilt.

Weilheim Der Mann weinte, als der Staatsanwalt die Anklage vorlas. Mit einem Alkoholwert von 2,96 Promille wurde der Angeklagte im August zu später Stunde auf dem Komod-Festival in Weilheim hilflos und schon leicht unterkühlt am Naturfreundehaus von einem Pärchen entdeckt, das die Rettungssanitäter zu Hilfe rief. Diese versuchten, den da noch bewusstlosen Angeklagten zu wecken. Man brachte ihn in die stabile Seitenlage, gab Sauerstoff und überprüfte seinen Blutzuckerspiegel.

Als der Mann langsam zu sich kam, begann er sofort, sich gegen die Hilfsmaßnahmen der Rettungssanitäter zu wehren. Er wollte nicht in den Rettungswagen und auch nicht in ein Krankenhaus, das hatte der Notarzt angeordnet. Unvermittelt sei der Mann dann aufgestanden und habe ziellos um sich geschlagen, so die Aussage eines Securitybeamten, den die Sanitäter hinzugezogen hatten. Beim Herumschlagen traf der Angeklagte eine Sanitäterin in die Seite, als sie ihm gerade den Rücken zukehrte. Die junge Frau wurde dabei verletzt und war einige Zeit krankgeschrieben.

Sanitäterin leidet immer noch unter den Folgen der Attacke

Schlimmer waren die psychischen Folgen für die Sanitäterin, die mit dem Vorfall immer noch zu kämpfen hat. „Es ist eigentlich unvorstellbar, dass helfende Menschen in so eine Situation gebracht werden“, sagte der Vorsitzende Richter Lars Baumann. Hinzu kam, dass der Angeklagte in den letzten drei Jahren schon zehnmal in volltrunkenem Zustand aufgefunden wurde, sich dann gegen die Hilfe der Sanitäter wehrte und auch eine Einlieferung in ein Krankenhaus ablehnte.

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Video: Weniger Respekt vor Rettungskräften?

Als Richter Baumann nachfragte, warum er zeitweise so exzessiv trinke, weinte der Mann wieder und berichtete über sein ziemlich verkorkstes Leben. Seine berufliche Selbstständigkeit platzte, er hat Schulden, die bipolare Krankheit seiner Mutter, all das belastet ihn schwer. „Sie sollten selbst psychiatrische Hilfe annehmen“, riet der hinzugezogene Sachverständige von der Rechtsmedizin, der begutachten sollte, ob der Angeklagte zu dem Zeitpunkt alkoholbedingt schuldunfähig gewesen sei. Er erkannte jedoch nur eine verminderte Schuldunfähigkeit, da der Mann laut Zeugenaussage die Sanitäter und Polizeibeamte als solche erkannt hatte, somit nicht vollkommen orientierungslos war.

Richter: „Sie brauchen dringend Hilfe“

Derzeit bekommt der Angeklagte sein Leben wieder in den Griff. Er hat einen gut bezahlten Job, zahlt seine Schulden ab. Trotzdem war es Richter Baumann wichtig, dass der Mann eine ambulante psychiatrische Behandlung beginnt und machte das zur Auflage der Strafe, die fünf Monate beträgt und drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Auch unterstellte er den Angeklagten einem Bewährungshelfer, der als Ansprechpartner dienen soll. „Sie brauchen dringend Hilfe“, sagte Baumann. Hinzu kam noch eine Geldauflage von 500 Euro, zahlbar an den Weißen Ring. VON REGINA WAHL-GEIGER

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Der Angeklagte bereute seine Tat sehr. Er entschuldigte sich im Gerichtssaal bei der jungen Sanitäterin. „Danke, dass Sie mir geholfen haben damals“, sagte er.

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