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Genügend Parkplätze stehen auf dem Gelände des Weilheimer Ärztehauses zur Verfügung. Für ungeeignet halten einige Patienten das Abrechnungssystem. 

“Die Praxen werden Patienten verlieren“

Abzocke vor dem Ärztehaus? Nach der Sprechstunde 19 Euro Strafgebühr fällig

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Wie lang ein Arztbesuch dauern wird, lässt sich meist nur schwer abschätzen. Doch wer beim Weilheimer Ärztehauses parkt, muss die Zeit genau kalkulieren. 

Weilheim – Wirklich gern zum Zahnarzt gehen wohl die wenigsten Patienten. Doch für Klaus Papenfuß aus Wielenbach war der letzte Termin besonders unerfreulich. Nach einer längeren Behandlung in der Praxis „Zahnmedizin Oberland“ im Weilheimer Ärztehaus kehrte er zu dem zum Gebäudekomplex dazugehörigen Parkplatz zurück – und fand dort einen Bußgeldbescheid unter dem Scheibenwischer.

„Ich hatte angenommen, dass mein Termin wie bei den vorherigen Malen etwa eine Stunde dauern würde. Als mein Parkticket ablief, lag ich noch auf dem Behandlungsstuhl. Ein umfangreicherer Eingriff war nötig“, sagt Papenfuß. Dass er nun 19 Euro wegen Überschreitung der bezahlten Parkzeit zahlen muss, ist für ihn ein Unding. Das Abrechnungssystem für die oberirdischen Parkplätze und der dazugehörigen Tiefgarage an der Johann-Baur-Straße, bei dem vorab ein Parkticket gelöst werden muss, sei seiner Ansicht für ein Ärztehaus völlig ungeeignet.

Patient sieht Abrechnungssystem als „Standortnachteil“ für die Praxen

„Ich bin gern bereit, für die mit meinem Parkschein nicht abgedeckte Zeit nachzuzahlen. Einen ,Parkverstoß’ sehe ich in diesem Sinne nicht“, sagt er. Zum Zeitpunkt der Zeitüberschreitung habe er sich schließlich noch in Behandlung befunden: „Während eines Eingriffs kann ich nicht einfach vom Zahnarztstuhl aufspringen, um nachzuzahlen.“ Statt eines Bezahlsystems, bei dem vorab ein Ticket für einen bestimmten Zeitraum gelöst werden muss, hält er ein Schrankensystem mit Abrechnung nach Nutzungsdauer für sinnvoller. „Selbst die behandelnden Ärzte sind wohl kaum in der Lage, eine genaue Zeitdauer zu benennen. Bei diesem System müsste der Patient schon Hellseher sein“, sagt Papenfuß.

Generell ist für ihn unverständlich, warum Patienten, die Termine in dem im April 2018 Ärztehaus gegenüber des Krankenhauses haben, nicht kostenlos auf dem Komplex mit insgesamt 103 Parkplätzen parken dürfen. Mehr als 20 Ärzte in fünf Praxen haben sich in dem im April eröffneten Ärztehaus niedergelassen. Das Angebot reicht vom Allgemeinarzt bis hin zum orthopädischen Fachzentrum.

„Das Ärztehaus an sich ist sehr praktisch – aber die Parkplatzsituation ist für viele Patienten ein Ärgernis“, so Papenfuß. Er glaubt sogar, dass sich das jetzige Abrechnungssystem als Standortnachteil erweisen könnte: „Die Praxen werden auf Dauer Patienten verlieren, wenn jedes Mal gleich 19 Euro fällig sind.“

Das sagt der Eigentümer zu den Vorwürfen

Die Zahnarztpraxis, in der Klaus Papenfuß auf dem Behandlungsstuhl lag, möchte sich nicht zu dem Vorfall äußern. Wie und wann fürs Parken bezahlt werden muss, werde vom Vermieter und Eigentümer geregelt – mit dem sich die noch frischen Mieter ein gutes Verhältnis bewahren wollen, hieß es auf Anfrage der Heimatzeitung.

Doch wie sieht der Eigentümer des Ärztehauses, an den sich Papenfuß ebenfalls wandte, die Situation? Der etwa 15 Millionen Euro teure Komplex ist nicht in Händen der Stadt, sondern gehört einem privaten Investor, der Oberstdorfer Unternehmensgruppe Geiger. Zum Betrieb und zur Kontrolle des Parkplatzes hat die Gruppe die in Berlin ansässige Firma „Parkraumwelten“ beauftragt.

„Die Kritik ist natürlich nachvollziehbar und wird von uns ernst genommen“, sagt Hans Lipp, Geschäftsfeldleiter der Projektentwicklung der Geiger Unternehmensgruppe. Er weist aber auch darauf hin, dass bereits vor der Eröffnung im Einverständnis mit den Mietern beschlossen wurde, dass es keine kostenlosen Parkplätze geben solle. Hintergrund sei die angespannte Parkplatzsituation im Umfeld des Krankenhauses.

So reagiert die Firma „Parkraumwelten“ auf die Kritik

Dass Papenfuß nicht der einzige Patient ist, dem das Abrechnungssystem zum Verhängnis wurde, kann Lipp ebenfalls bestätigten. „In letzter Zeit haben wir vereinzelt Hinweise erhalten“, sagt er. Geplant seien deshalb Gespräche mit dem Parkraumbetreiber und den Mietern. „Grundsätzlich wäre ein Schrankenbetrieb möglich“, so Lipp,

Auch die Firma „Parkraumwelten“ hat auf die Kritik von Klaus Papenfuß reagiert. Zwar äußern die Betreiber Verständnis für seine Situation. Weiterhin heißt es aber in der schriftlichen Stellungnahme, dass das „Bewirtschaftungssystem üblich“ und auf die „Gegebenheiten des Standortes abgestimmt“ sei. Zudem könnten Nutzer des Parkplatzes auch per SMS für ihr Parkticket bezahlen – so sei es möglich, Parkzeit nachzulösen ohne vor Ort zu sein. Aus Kulanzgründen würde man aber auf die Hälfte der Vertragsstrafe verzichten.

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