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Drei der insgesamt fünf Trassen , die zur Debatte stehen in Sachen „Umfahrung Weilheim“.

Diskussion zur „Umfahrung Weilheim“ 

Zweiter Themenabend des Staatlichen Bauamts: Wunsch und Wirklichkeit der Ost-Umfahrung

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Um die Ost-Trassen ging es beim zweiten Themenabend zur „Umfahrung Weilheim“. Wichtig war dabei die Frage möglicher Tunnel-Abschnitte einer ortsnahen Variante. 

Weilheim – Nachdem die geladenen Vertreter der Lokalpolitik, von Bürgerinitiativen (BI) und Verbänden vergangene Woche über die West-Trassen und einen Zentrum-Tunnel sprachen, standen beim zweiten Themenabend im Bauamt nun mögliche Varianten im Osten im Fokus: die ortsnahe und die ortsferne Ostumgehung. Mit am Tisch saß erstmals auch ein Vertreter des Vereins „Junge Menschen für Weilheim“ – nachdem Grünen-Stadtrat Alfred Honisch gebeten hatte, in den Dialog „dringlichst auch die Jugend Weilheims einzubeziehen“.

Weilheimer Umfahrung: Die ortsnahe Ostumgehung: 

Einige der gut 30 Teilnehmer am Dienstagabend ließen Sympathien für die ortsnahe Trasse verlauten, doch es gab auch massive Einwände. Laut Bauamt wurden schon bei den „Info-Märkten“ als deren Nachteile die Nähe zur Wohnbebauung, starke Eingriffe in die Erholungsgebiete Gögerl, Hardt und Dietlhofer See, die Abtrennung der Ortsteile Marnbach und Deutenhausen sowie Einschränkungen der Stadtentwicklung genannt. Dagegen stünden als Vorteile weniger Flächenversiegelung (4,3 Kilometer Länge gegenüber 6,5 bzw. 7,3 Kilometer bei den West-Trassen), die laut Gutachten höchste Entlastungswirkung und die womöglich bessere Akzeptanz in der Bevölkerung.

Die Bewohner von Marnbach und Deutenhausen allerdings seien „komplett gegen jede Ostumfahrung“, betonte Josef Niedermaier von der dortigen BI. Dagegen hält Claus Reindl (BfW), Verkehrsreferent im Weilheimer Stadtrat, eine ortsnahe Ostumfahrung für „grundsätzlich realistisch“ – jedoch nur mit Tunnel im südlichen Bereich, „und auch nördlich der Deutenhausener Straße wären größere Bereiche mit Einhausungen wünschenswert“.

All das aber halte der Bund, der die Umfahrung plant und bezahlt, nicht für nötig, wie Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, erklärte. Prinzipiell möglich wären zwei Untervarianten: nur mit „Tieflage“ oder mit 1,4 Kilometer-Tunnel zwischen dem Kreisverkehr an der B2 im Süden und der Staatsstraße nach Deutenhausen. Den gesetzlichen Anforderungen, etwa dem Lärmschutz, würde laut Fritsch schon die Tieflage genügen. Die Stadt müsse den Bund „überzeugen, warum da eine offene Straßenführung nicht möglich und eine Zugabe nötig ist“. Immerhin nennt auch Fritsch „realistisch“, dass in diesem Bereich ein Tunnel bezahlt würde. Dass aber auch Teile des weiteren Verlaufs Richtung Norden eingehaust werden, glaubt er nicht: „Wir sehen im Moment keine ausreichende Begründung, das dem Bund verkaufen zu können. Eine „Komplett-Einhausung“ der ortsnahen Ostumgehung, wie von manchen erträumt, würde dieser nicht finanzieren.

Bislang ist bei einer Ostumfahrung für den Bereich zwischen Deutenhausener Straße und Dietlhofer See nicht mal unbedingt Tieflage geplant – das wäre laut Bauamts-Vertreter Andreas Lenker zwar „charmant“, aber teurer und mit mehr Flächenverbrauch verbunden. Lenker betonte auch, dass die Umfahrung nicht direkt per Kreisverkehr an die Deutenhausener Straße angeschlossen werden könnte: Ein solcher wäre dort überlastet. Also müsste die Umgehung die Straße unterqueren und beidseits „Holländerrampen“ zu einem Kreisel dort geführt werden. Umgesiedelt werden müsste für diese Variante das Sportgelände Zotzenmühlweg. Und am Gögerl müssten Schrebergärten „temporär beseitigt werden“, so Lenker.

Lesen Sie auch: Umfahrung Weilheim: Gutachter Kurzak schaltet sich erneut in Debatte ein. 

Breiten Raum in der Diskussion nahm die Frage der Stadtentwicklung ein. Flächen für künftige Wohnbebauung in Weilheim lägen „definitiv im Osten“, sagte FDP-Stadträtin Saika Gebauer-Merx und befand: „Eine Umfahrung, die in einigen Jahren von Baugebieten eingewachsen sein wird, hat keinen Mehrwert.“ Und Peer Prechtel („Weilheimer Agenda 21“) rechnete vor: Bei nur einem Prozent Wachstum pro Jahr würde sich Weilheims Einwohnerzahl in den nächsten 70 Jahren verdoppeln. „Wenn man bedenkt, was dafür an Fläche notwendig ist, kommen oberirdische Umgehungsstraßen eigentlich überhaupt nicht in Frage.“ Genau gegenteilig argumentierte Bauamts-Leiter Fritsch: „Wenn die Stadt vorhat, sich im Osten zu entwickeln, muss sie gerade dort die Umgehungsstraße bauen.“ Das schaffe „ein Ventil für den zusätzlich generierten Verkehr“. Auf Nachfrage der BI „Heimat 2030“ stellte Fritsch aber klar, dass keine weitere Zufahrt auf eine Ostumgehung geplant sei. Unternehmer Fritz-Andreas Neidhart positionierte sich als Vertreter des Vereins für Standortförderung klar: Eine ortsnahe Ostumgehung wäre für ihn auch ohne weitere Auffahrt eine „leistungsstarke Erschließungsstraße“ für neue Baugebiete im Osten: „Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Straße genau an der richtigen Stelle ist.“

Weilheimer Umfahrung: Die ortsferne Ostumgehung: 

Eher kurz wurde die ortsferne Ostumgehung abgehandelt, für die keiner der Teilnehmer warb. Diese braucht einen Tunnel durchs Gögerl, würde Richtung Stadtwerke auf einem vier Meter hohen Damm weitergeführt (mit Durchlässen für Hochwasser), würde dort auch Weilheims Trinkwassergebiet queren und entlang der Hangkante im Hardt Richtung Narbonner Ring verlaufen. Fürs Gögerl gibt es drei Untervarianten mit verschiedenen Längen für einen bergmännischen Tunnel. Der kürzeste und billigste (399 Meter) würde erst am Hechenberg beginnen; die fast 1000 Meter lange Schneise vom Süd-Kreisel dorthin hätte laut Bauamt 4,5 Prozent Steigung (fast wie der Hirschberg bei Pähl, bemerkte BI-Vertreter Niedermaier), der Einschnitt wäre rund sechs Meter tief und bis zu 27 Meter breit. Möglich wäre auch, zusätzlich unten ein Stück einzuhausen, um den Einschnitt zu kaschieren – oder, als teuerste Variante, ein knapp 1,3 Kilometer langer Tunnel direkt ab dem Kreisel.

Dass Deutenhausen, Marnbach und Seeshaupt mit einer solchen Trasse mehr Verkehr bekämen, wies Fritsch zurück: „Wenn der Tunnel Starnberg fertig ist, kommt kein Mensch mehr auf die Idee, über Seeshaupt zur Autobahn zu fahren.“

Bevor es im Herbst eine Bürgerbefragung zu den Umfahrungs-Trassen gibt, braucht es laut Fritsch „eine klare Aussage des Bundes“, welche Untervarianten jeweils überhaupt finanziert würden. Bis dahin aber wird in Weilheim noch viel diskutiert. Kommenden Dienstag geht’s beim Themenabend um Verkehrszahlen, dann wird Gutachter Harald Kurzak dabei sein. „Wenn er sich zu Verkehrsthemen äußert, handelt er in unserem Auftrag“, sagte Fritsch auf die Nachfrage, in wessen Auftrag Kurzak zuletzt Stellungnahmen abgegeben habe (wir berichteten). Alles andere äußere dieser „als Privatperson“.

mr

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