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Viele erhoffen sich von einer Umfahrung weniger Staus auf der Ortsdurchfahrt.

Große Übersicht zum Aufregerthema

Umfahrung oder Tunnel oder gar nichts: Diese Details stecken im Verkehrsgutachten für Weilheim

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Wie groß wäre die Verkehrsentlastung in Weilheim durch eine Umfahrung oder eine Untertunnelung? Darüber wird zurzeit viel diskutiert. Wir haben uns die Prognosen der jüngsten Verkehrsuntersuchung für das Jahr 2035 genau angeschaut.

Weilheim – Zuerst eine gute Nachricht: Der Autoverkehr in Weilheim hat in den vergangenen 20 Jahren abgenommen – zumindest auf einigen durchaus bedeutenden Straßen. Laut einem bislang weitgehend unbeachteten Ergebnis in Kurzaks Verkehrsuntersuchung von 2017 ist zum Beispiel der Straßenzug Münchener Straße – Pollinger Straße heute „um 10 bis 20 Prozent geringer belastet als 1997“ (unter anderem als Folge der neu gebauten Südspange und Töllernallee); auch auf der Schützenstraße und in der Oberen Stadt gab es „leichte Entlastungen“. 

Gemerkt hat das allerdings wohl kaum ein Weilheimer. Auch für die genannten Straßen wird oft über zunehmenden Verkehr, zunehmende Staus geklagt. Offenbar wird eine Verkehrsreduzierung von 10 bis 20 Prozent nicht zwangsläufig als Entlastung empfunden und gefühlt – weder von den Menschen in fahrenden/stehenden Autos noch von Anwohnern, Fußgängern oder Radlern, die von Lärm und Abgasen umgeben sind. Die Prognosen des Gutachtens zur Entlastung durch eine Umfahrung oder Untertunnelung Weilheims im Jahr 2035 bewegen sich übrigens in einem ähnlichen Prozentbereich. „Insgesamt betrachtet“, so fasst Kurzak zusammen, würde Weilheim durch eine West-Umfahrung um 20 Prozent entlastet, durch eine Detailierte Prognosen Ost-Umfahrung um 21 Prozent, durch eine Tunnellösung um 15 Prozent. In der Innenstadt liegen die Quoten noch darunter. 

Wem nutzt eine Umfahrung - oder ein Tunnel?

Dabei lohnt sich ein Blick auf die Details. Entlastung brächte eine Umfahrung laut Prognose des Gutachters vor allem für die Ortsdurchfahrt der B 2 – wo der Verkehr seit 1997 deutlich zugenommen habe (in der Innenstadt um sechs bis 19 Prozent). Aber auch hier liegen die Entlastungszahlen wohl unter dem, was sich viele Weilheimer erhoffen. Auf der Alpenstraße (B 2), Höhe Gymnasium, würden im Jahr 2035 ohne Entlastungsstraße rund 24 600 Kraftfahrzeuge pro Tag fahren, so die Prognose. Mit einer Ost-Umfahrung wären es immer noch 18 400, mit einer West-Umfahrung 19 700, mit einem Tunnel 20 400.  Auf fast allen weiteren Straßen der Innenstadt ergäben sich noch deutlich geringere Entlastungsquoten – und teilweise sogar Verschlechterungen – durch eine Umfahrung. 

Die Redaktion des Weilheimer Tagblatts hat sich die Prognosen der Verkehrsuntersuchung von Prof. Kurzak für die verschiedenen Planfälle genau angeschaut: für den so genannten „Nullfall“ ohne zusätzliche Straße sowie für die Varianten einer Ost-Umfahrung, einer West-Umfahrung oder eines Tunnels unter der Stadt. Für 27 Bereiche der Stadt Weilheim haben wir diese Prognosen übersichtlich zusammengestellt (siehe unten).

Prognosen für alle wichtigen Straßen in Weilheim

Vor allem morgens und nach Feierabend, also im Berufsverkehr, stauen sich regelmäßig die Autos in der Innenstadt – ein Zustand, den viele Weilheimer lieber heute als morgen verändern würden. Doch brächte eine Umfahrung oder Untertunnelung wirklich spürbare Entlastungen? Die „Verkehrsuntersuchung Entlastung Weilheim“, die der Münchener Professor Harald Kurzak 2017 für das Staatliche Bauamt erstellt hat, enthält detaillierte Prognosen für das Jahr 2035: zum einen für den so genannten Nullfall ohne zusätzliche Straße, zum anderen für die Fälle, dass eine Ost-Umfahrung, eine West-Umfahrung oder ein Tunnel unter der Stadt (der in diesem Planfall außerhalb der Ortsschilder beginnen und unter der Römerstraße verlaufen würde) realisiert wäre. 

Die Verkehrsprognose Weilheim für 2035. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Die stärksten Entlastungen in Weilheim gäbe es demnach – wenig überraschend – auf der B 2. Allerdings würde die Verkehrsreduzierung selbst dort wohl geringer ausfallen, als es viele erhoffen (siehe Tabelle unten). Für die Hauptkreuzung am Rathaus sieht die Verkehrsprognose – die laut Kurzak von knapp 2000 zusätzlichen Einwohnern in den kommenden 15 Jahren ausgeht, das geplante Schulzentrum am Narbonner Ring und das künftige Gewerbegebiet „Achalaich“ berücksichtigt – so aus: Ohne Entlastungsstraße würden auf der B 2 südlich des Rathausplatzes im Jahr 2035 täglich 22 500 Autos fahren, mit Ost-Umfahrung knapp 17 000, mit West-Umfahrung knapp 18 000, mit Tunnel 18 700. Auf der B 2 nördlich des Rathausplatzes wäre die Entlastung noch etwas geringer, sie läge dort im Falle einer Ost-Umfahrung bei ca. 16 Prozent. 

Weitere Prognosen für einige prominente Weilheimer Straßen: An der Pollinger Straße (am Ortseingang aus Richtung Peißenberg) ist im Jahr 2035 ohne zusätzliche Straße mit 19 100 Autos zu rechnen, mit Ost-Umfahrung wären es dort 2500 weniger, mit West-Umfahrung 3400 weniger. Für den Unteren Graben (bei der Pöltner Kirche) werden im „Nullfall“ 16 300 Autos pro Tag vorhergesagt, mit einer Ost-Umfahrung wären es dort laut Gutachten 2400 weniger. Für die Obere Stadt prognostiziert Kurzak im „Nullfall“ 10 900 Kraftfahrzeuge täglich. Mit einer West-Umfahrung bliebe es dort fast gleich, mit einer Ost-Umfahrung wären es immer noch 9000.

Anteil des Durchgangsverkehrs ist gering

Ob solche Entlastungen für Autofahrer wie auch für die geplagten Anwohner spürbar wären, erscheint vielen fraglich. Gegenüber anderen Kommunen, in denen Umfahrungen realisiert wurden oder diskutiert werden, ist der Anteil des Durchgangsverkehrs in Weilheim insgesamt vergleichsweise gering. Denn als Mittel- und künftiges Oberzentrum, als Kreis-, Behörden-, Schul-, Einkaufs- und Kulturstadt zieht Weilheim relativ viel Verkehr an. Laut Zählung 2017 weist Weilheim derzeit eine Belastung von insgesamt 105 000 Kfz-Fahrten pro Tag auf. 53 200 davon (51 Prozent) sind Quell- und Zielverkehr, also Autos, die von oder nach Weilheim unterwegs sind. 39 000 (37 %) sind Binnenverkehr von Weilheimern innerhalb der Stadt, 12 800 (12 %) Durchgangsverkehr. 

Zurück zur Prognose: Auf einer Ost-Umfahrung würden Kurzak zufolge im Jahr 2035 12 000 bis 14 000 Autos täglich rollen, auf einer West-Umfahrung 11 700 bis 12 800, in einem Tunnel gut 10 000. Zugleich würde es auf zahlreichen Weilheimer Straßen mit einer Umfahrung kaum weniger Verkehr geben als ohne – und auf manchen Straßen sogar mehr. An der Kaltenmoserstraße würde der Verkehr mit einer Umfahrung ebenso zunehmen wie auf der Schützenstraße, am Mittleren Graben oder auf der Töllernallee. Für die Tankenrainer Straße würde eine West-Umfahrung zusätzlichen Verkehr bedeuten. In der Altstadt – etwa auf der Pöltner- oder Admiral-Hipper-Straße – hätte eine Umfahrung oder Untertunnelung praktisch keine Auswirkungen. 

Acht mögliche Trassen um und unter Weilheim untersucht das Staatliche Bauamt derzeit in Sachen „Ortsumfahrung“: vier im Westen, zwei im Osten sowie zwei Tunnelkorridore (siehe links). Im Herbst will die Behörde dem Stadtrat eine „abgespeckte Trassen-Übersicht“ vorstellen, dann soll nach einer „ausreichend langen Diskussionsphase vor Ort“ eine „Vorzugs-Trasse“ festgelegt werden. Eine Weilheimer Umfahrung befindet sich im vordringlichen Bedarf des „Bundesverkehrswegeplans 2030“.

Übrigens hat der Autoverkehr in Teilen der Stadt in den letzten 20 Jahren abgenommen – auch wenn es viele nicht so wahrnehmen. Münchener Straße und Pollinger Straße sind heute laut Untersuchung „um 10 bis 20 Prozent geringer belastet als 1997“ (teils wegen Südspange und Töllernallee), auch auf der Schützenstraße und in der Oberen Stadt gab es „leichte Entlastungen“ – die aber Anwohner wohl nicht spüren. Zugleich nahm der Verkehr auf der B 2 in diesem Zeitraum zu, bei der Rathaus-Kreuzung aber „nur“ um acht Prozent, wie der Gutachter betont: Diese sei „seit langem an der Leistungsgrenze“. „Die maßgebenden Knotenpunkte“ auf der B 2, heißt es weiter, seien „so ausgelastet, dass sich auf den einmündenden Querstraßen eine Verkehrsreduktion ergeben hat“

So wurden die Verkehrszahlen ermittelt

Grundlage der Zahlen für die neue Verkehrsuntersuchung Weilheims sind „Knotenpunktszählungen“ am 5. und 6. Juli 2017 (Mittwoch und Donnerstag). An diesen Tagen wurden von 6.30 bis 10.30 Uhr und 15 bis 19 Uhr die Verkehrsströme an 26 Kreuzungen und Einmündungen ermittelt. Die Ergebnisse dieser achtstündigen Zählungen wurden mit Faktoren von 1,6 bis 1,9 im Personenverkehr und 2,0 im Güterverkehr auf 24 Stunden hochgerechnet. Zusätzlich wurden Autofahrer am 11. Juli 2017 an vier Einfallsstraßen von Weilheim nach dem Ausgangspunkt und Ziel ihrer Fahrt gefragt.

Lesen Sie auch: Dauersperrung B472: „Wir sind uns der Belastung bewusst“. Und außerdem: Ortsumfahrung Peißenberg muss komplett saniert werden

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