Das Heilige Grab in der Kirche Mariae Heimsuchung in Unterhausen.
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Das Heilige Grab ist fertig: An den Kartagen lädt es alle Besucher der Pfarrkirche Mariae Heimsuchung in Unterhausen zum stillen Verweilen ein.

Ostertradition wird neu belebt

Unterhausen hat wieder ein Heiliges Grab

Es wurde in einer Scheune wiederentdeckt und wird heuer zum ersten Mal wieder richtig aufgestellt: Das Heilige Grab für die Unterhausener Pfarrkirche Mariae Heimsuchung. An den Kartagen kann es besucht werden.

Unterhausen – Landauf, landab schmückten einst die großen und kleinen Kirchen in der Karwoche die „Heiligen Gräber“, die an das Grab Christi in Jerusalem erinnerten und einen sinnenfreudigen Nachvollzug des biblischen Geschehens vom Karfreitag bis zum Ostersonntag erlaubten. Im Zuge einer falsch verstandenen Purifizierungswelle nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verschwanden vielfach diese temporären, oft aus aufwendig gestalteten Kulissen errichteten, über Generationen wert geschätzten und mit besonderer Liebe gestalteten „heiligen Theater“. Sehr viele heilige Gräber landeten – da man ihren kulturhistorischen und liturgischen Wert vollkommen verkannte – auf dem Müllhaufen der Geschichte, andere hatten immerhin das Glück, versteckt die Jahrzehnte zu überdauern.

Dieses Glück hatte auch das Heilige Grab der Pfarrkirche Mariae Heimsuchung in Unterhausen. Bis zum vergangenen Jahr fristete es sein Dasein in einer Scheune, ehe es von Markus Ücker wiederentdeckt und vor allem neu belebt wurde. Da Fotografien, die das Grab in seiner ursprünglichen Aufstellung zeigen, fehlen, wurde es im Jahr 2020 bereits probeweise aufgestellt.

In der Unterhausener Kirche Mariae Heimsuchung stellten Alexander Böck (l.) und Markus Ücker das Heilige Grab auf.

Für die heurige Aufstellung erfuhr es durch die fruchtbare Zusammenarbeit einiger Begeisterter weitere Ergänzungen und Verbesserungen. Das Heilige Grab, dessen genaues Entstehungsdatum mangels Belegen bisher noch unbekannt ist, besteht aus zwei, auf Holz gemalten Kulissen, die dem Hochaltar vorgeblendet werden.

Die untere, noch eher barock anmutende Kulisse zeigt drei verschieden große Nischen. In den beiden äußeren sitzen die schlafenden Grabwächter, während die mittlere, von Lichtern umgeben, den Leichnam Jesu aufnimmt. Die obere Kulisse atmet den Stil der im 19. Jahrhundert herrschenden Neogotik.

Das Maßwerk rahmt fünf Nischen, von denen die mittlere, die der Aussetzung des Allerheiligsten in der Monstranz dient, am aufwendigsten gestaltet ist. Sie wird von zwei anbetenden Engeln flankiert, während die äußeren Nischen je drei Schrifttafeln aufnehmen. Diese Tafeln und die Aufschrift über der Grabeshöhle „Es ist vollbracht.“ zitieren die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz.

Über der Kulisse thront, hinterfangen von einem roten Baldachin, das leere Kreuz, an dem das Heil der Welt gehangen hat. Das in seiner Gestaltung im Pfaffenwinkel singuläre Grab lädt an den Kartagen zum stillen Verweilen ein und macht deutlich, wie es auf der Predella zu lesen ist: „Sein Tod – unser Leben.“

Joachim Heberlein

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