Blick auf die bereits realisierten Neubauten bei St. Pölten und einen Teil des weiteren Bau-Areals: Auf dem angrenzenden Grundstück an der Geistbühelstraße (vorne) hat Investor Günter Scheurer noch geförderte Wohnungen zu erbringen.
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Blick auf die bereits realisierten Neubauten bei St. Pölten und einen Teil des weiteren Bau-Areals: Auf dem angrenzenden Grundstück an der Geistbühelstraße (vorne) hat Investor Günter Scheurer noch geförderte Wohnungen zu erbringen.

Eigentümer fordert „mehr Wettbewerb“

Weilheim: Vieles unklar am Dietmayr-Anger

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Zur geplanten Bebauung des Dietmayr-Angers unterhalb der Pöltner Kirche gab es bereits eine große Bürgerbeteiligung und viele Sitzungen. Doch nun scheinen mehr Fragen offen denn je. Ein Thema dabei sind „Sozialwohnungen“, die Investor Günter Scheurer bereits im Zuge der längst realisierten Neubauten ums Hotel Pöltner Hof versprochen hat. Zudem meldet sich erstmals Anton Dietmayr zu Wort, dem das Areal großteils noch gehört: Er fordert „mehr Wettbewerb“.

Weilheim – „Scheurer winkt mit Sozialwohnungen“ – unter dieser Überschrift hat unsere Zeitung im Mai 2014 über einen Auftritt von Investor Günter Scheurer im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates berichtet. Thema: die geplante üppige Bebauung eines Teils des so genannten Dietmayr-Angers bei St. Pölten. Zwischen der Kirche und der Geistbühelstraße wollte „Wohnbau Scheurer“ mehrere drei- bis vierstöckige Wohnblocks sowie ein Hotel errichten. Letzteres war ein ausdrücklicher Wunsch der Stadtspitze, wohingegen das Ausmaß der Wohnbebauung teils umstritten war. Deshalb war eine Ankündigung nicht ganz unwichtig, die in dem damaligen Artikel so beschrieben wurde: „Scheurer hatte für die Mitglieder des Bauausschusses ein großes Zuckerl dabei“ – er versprach, zusätzlich zum Hotel und den geplanten Eigentumswohnungen noch einen Block mit 30 bis 35 „Sozialwohnungen“ entlang der Geistbühelstraße zu bauen.

Wo bleiben die versprochenen „Sozialwohnungen“?

Knapp sieben Jahre später fragen sich jedoch manche, wo diese „Sozialwohnungen“ – gemeint sind damit öffentlich geförderte Wohnungen, die an Menschen mit begrenztem Einkommen (und Wohnberechtigungsschein) zu vermieten sind – bleiben. Denn das Hotel samt Restaurant im denkmalgeschützten, von Scheurer aufwendig restaurierten Stadel neben der Pöltner Kirche ist ja längst eröffnet. Auch die vier großen Blocks mit insgesamt knapp 80 Eigentumswohnungen stehen seit Jahren; alle Wohnungen darin sind verkauft und bezogen. Doch die „Sozialwohnungen“ fehlen noch.

Das wundert auch den Vorbesitzer des bereits bebauten Areals, Anton Dietmayr, der diesen östlichen Teil seines Angers vor Jahren an Scheurer verkauft hat. Im Gespräch mit dem „Weilheimer Tagblatt“ sagt Dietmayrs Berater, der Peißenberger Immobilienmakler Wolfgang Sartory: „Es ist unverständlich, dass die Sozialwohnungen dort noch nicht realisiert sind.“ Denn diese seien „im Grunde Bedingung“ für das Hotel und die bereits gebauten Blocks mit Eigentumswohnungen gewesen, so Sartory.

„Das war keine Bedingung. Ich habe ihnen das angeboten, das war freiwillig von mir“, betont hingegen Bauherr Günter Scheurer. Er bestätigt auf Tagblatt-Anfrage, diese öffentlich geförderten Wohnungen noch zu „schulden“. So ist es auch in einem städtebaulichen Vertrag mit der Stadt festgeschrieben. Doch bislang könne er sie noch gar nicht bauen – weil es für das anvisierte Grundstück noch keinen Bebauungsplan gibt. Vorgesehen sind die sozial gebundenen Mietwohnungen auf einem Teilstück des Angers, das an der Geistbühelstraße direkt an die schon verwirklichten Neubauten anschließt und bereits Scheurer gehört. Wegen damals noch ungeklärter Fragen des Hochwasserschutzes sei dieses Grundstück aus dem Bebauungsplan für den oberen Bereich herausgenommen worden, erläutert Weilheims Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer gegenüber unserer Zeitung. Wie das genau ablief, wisse sie nicht, „das war vor meiner Zeit“. Doch müsste den Beteiligten seinerzeit „klar gewesen sein, dass das noch dauert“ mit der Realisierung der geförderten Wohnungen.

Der Bebauungsplan „Südlich der Pöltner Kirche II“ benennt das für Scheurers geförderte Wohnungen gedachte Areal als „Teilbereich 1“ – aber noch ohne Baurecht.

Scheurer beteuert, von seiner Seite aus wären diese „längst schon bezugsfertig“. Doch das Verfahren zum Bebauungsplan „Nördlich der Geistbühelstraße“ – in dem es nicht nur um Scheurers Teilstück, sondern um den gesamten restlichen Anger geht – habe sich aufgrund diverser Einwendungen immer weiter verzögert. „Wenn das durch ist“, werde er sofort mit dem Bau besagter Wohnungen beginnen, verspricht Scheurer: „Ich habe bisher immer meine Zusagen eingehalten.“ Und er fügt an: „Öffentlich geförderte Wohnungen zu bauen, ist kein Nachteil. Das wird gewaltig gefördert.“

Anton Dietmayr allerdings fürchtet Probleme, was die weitere Entwicklung des gesamten Quartiers betrifft. Deshalb äußert sich der 67-Jährige erstmals überhaupt gegenüber der Presse zu den Plänen für seinen Anger, der bis zur Bahnlinie an der Au reicht. Der Entwurf für den Bebauungsplan „Nördlich der Geistbühelstraße“, den die Stadt mit einer groß angelegten Bürgerbeteiligung unter dem Motto „Neues wagen“ begleitet hat, umfasst bislang diese gesamte Fläche. Davon sei der Bereich, auf dem Scheurer die ausstehenden „Sozialwohnungen“ errichten will, nur ein kleiner Teil. Doch die Stadt, so kritisiert Sartory, agiere aktuell „in der Annahme, dass es auf der weiteren Fläche der gleiche Bauträger wird“.

Dietmayr gehört immer noch fast der gesamte Anger

Das aber stehe keineswegs fest, betont Dietmayr – und dürfte mit dieser Aussage viele überraschen. Denn Günter Scheurer (71) wird bislang stets als Investor für das gesamte Areal gehandelt. „Es war mein Stand, dass er Eigentümer ist beziehungsweise wird“, sagt Stadtbaumeisterin Roppelt-Sommer. Doch Dietmayr unterstreicht, der restliche Anger gehöre nach wie vor ihm selbst, und zwar alleine: „Es laufen Verhandlungen mit Scheurer, es gibt aber keinen Vorvertrag.“ Interesse bekundeten ihm zufolge auch andere Investoren; drei große Bauträger aus München hätten sich bereits in einem Gespräch mit Weilheims Stadtbaumeisterin vorgestellt – was diese gegenüber unserer Zeitung bestätigt.

Dietmayr moniert, der Bebauungsplan werde derzeit „Scheurer-spezifisch aufgestellt“, während die Stadt in den Jahren zuvor seine eigenen Bauanfragen und -anträge für das Areal stets abgelehnt habe. Und er fürchtet, mögliche andere Investoren könnten dadurch in ihren Vorstellungen zu sehr eingeschränkt werden. „Wir wollen einen gewissen Wettbewerb herstellen“, ergänzt Sartory: Grundeigentümer Dietmayr solle nicht „von einem Bauträger abhängig“ sein.

Der bisherige Bebauungsplan-Entwurf „Nördlich der Geistbühelstraße“ sieht auf dem Dietmayr-Anger – westlich der bereits realisierten Gebäude (rechts u.) – neun weitere Wohnblocks, eine große öffentliche Grünfläche und eine Kita vor. Doch an den Situierungen dürfte sich noch einiges ändern.

Den Vorwurf „Scheurer-spezifischer Planung“ weist die Stadtbaumeisterin jedoch vehement zurück. Der Bebauungsplan sei keineswegs auf diesen zugeschnitten, sagt Roppelt-Sommer. Und sie fügt an: Die städtebauliche Idee und die geplante Aufteilung des Quartiers mit rund 270 neuen Geschosswohnungen, Platz für eine Kita und einer großen öffentlichen Grünfläche halte sie für „sehr gut“. Deshalb werde man mit dieser Planung sicher weitermachen, „egal, wer das baut“. „Selbst wenn es Scheurer nicht würde, hat man eine städtebauliche Entwicklungsplanung – und wer das kauft, muss sich dem fügen.“ Das könnten im übrigen auch mehrere Investoren sein, meint die Stadtbaumeisterin: „Das wäre eigentlich schöner, als wenn da nur einer baut.“

Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfW) geht hingegen davon aus, dass Scheurer das gesamte Areal erwerben kann. Das macht der Rathaus-Chef im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Das Bebauungsplanverfahren indes wird wohl aus diversen Gründen noch einmal geändert: Das obere Drittel des noch freien Angers (der Teil, der an die schon realisierte Bebauung anschließt und das Grundstück für Scheurers öffentlich geförderte Wohnungen einschließt) soll „ein eigener Bebauungsplan-Teil werden“, so Loth. Für die März-Sitzung des Bauausschusses ist ein entsprechender Beschluss geplant. Hier dürfte es dann schneller vorangehen, denn dieser Bereich sei „unproblematischer von den Einwendungen her“, so Roppelt-Sommer auf Anfrage. Auch werde er vom vorliegenden Verkehrsgutachten – das etwa die Auswirkungen für die. Kreuzung Pollinger Straße/Geistbühelstraße betrachtet – bereits mit abgedeckt. Die Bauleitplanung für den übrigen Teil werde dann noch „länger dauern“, sagt die Stadtbaumeisterin – unter anderem, weil die Situierung der Kita und die Bebauung an der Bahnlinie noch unklar seien: „Da wird man noch mal in die Planung reingehen.“

In Weilheim sind zurzeit viele weitere Großbauprojekte in Planung, zum Beispiel am Öferl, an der Schützenstraße und an der Römerstraße. Die Stadt überlegt, wie Investoren an Folgekosten für die Infrastruktur beteiligt werden können.

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