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Im vergangenen Herbst war die Welt am Gögerl noch in Ordnung. Die Besucher genießen ein Saisonabschlussbier, der Ausblick ist toll. In diesem Sommer blieb der beliebte Biergarten geschlossen.

Wird‘s heuer noch was mit einem neuen Pächter?

Es ist Sommer und dieser Biergarten hat seit Monaten zu - nach Vorwürfen an die Brauerei

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Was für ein Sommer! Und im Biergarten am Gögerl? Tote Hose. Die Waldwirtschaft ist nach wie vor geschlossen. Viele fragen sich: Wann wird endlich ein neuer Pächter gefunden?

Weilheim – Die ehemaligen Pächter der „Waldwirtschaft am Gögerl“, Erika und Heinz Hollerith, verabschiedeten sich im vergangenen Dezember mit einem Knall. Sie verfassen eine seitenlange Anklage gegen den Verpächter, die Spaten-Brauerei aus München. Tenor: Die Eigentümer haben nichts unternommen, um die baulichen Mängel – insbesondere bei Heizung und Lüftung – zu beheben. Dadurch habe es überall Schimmelbildung gegeben, die Betriebskosten hätten einen wirtschaftlichen Betrieb des Gasthauses unmöglich gemacht. Die Wirtschaft am Gögerl war zu und öffnete seitdem auch nicht wieder

„Wir hatten die Hoffnung und den Wunsch, dass zumindest der Biergarten im Sommer wieder aufmacht“, berichtet der Kämmerer der Stadt Weilheim, Christoph Scharf. Er ist auch für die Liegenschaften der Stadt zuständig. Dieser Wunsch sei von der Brauerei nicht erfüllt worden, und nun „ist die Biergartensaison im Prinzip auch schon vorbei“. Dabei hatte es noch im Frühjahr gut ausgesehen. Die Spaten-Brauerei teilte mit, dass man im Gespräch mit zwei potenziellen Pächtern sei, kündigte an, in die Modernisierung des Baus investieren zu wollen. „Beide Interessenten haben dann aber abgelehnt, zumindest den Biergarten zu öffnen“, berichtet Scharf. Denn beide möglichen Pächter hätten bereits andernorts eine Wirtschaft, die sie betreiben und hätten die Doppelbelastung gescheut. Zudem sei ihnen das Risiko zu groß gewesen, sich mit einem abgespeckten Angebot im Biergarten den Ruf zu ruinieren, bevor es richtig losgeht. 

Einen Edelgastronom will die Stadt am Gögerl nicht

Scharf lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass die Stadt mit der Situation nicht glücklich ist, gibt aber auch zu bedenken, dass die Brauerei erhebliche Anstrengungen unternehmen würde, um wieder für einen geregelten Gaststättenbetrieb in dem Traditionshaus zu sorgen. „Prinzipiell gibt es in jedem Erbbaupachtvertrag eine so genannte Heimfallklausel. Diese würde aber im konkreten Fall voraussetzen, dass die Brauerei nichts unternimmt, um den Gaststättenbetrieb wieder in Gang zu bringen“, berichtet der Stadtkämmerer. Davon könne aber keine Rede sein: „Die suchen aktiv nach Pächtern und wollen investieren.“ Bei der Auswahl der Pächter könne „die Stadt allerdings nicht viel mitschnabeln“. Im Vertrag stehe lediglich, dass eine „gutbürgerliche Wirtschaft“ betrieben werden muss. 

Befürchtungen, dass jetzt als nächstes ein Edelgastronom einziehen könnte, müsse aber keiner haben, sagt Stadtkämmerer Scharf: „Wir werden hier kein Starnberger Preisniveau bekommen. Die Brauerei will Bier absetzen – da wäre eine Halbe für 6,80 Euro ausgesprochen kontraproduktiv.“ 

Die Brauerei gibt sich zum Thema Waldwirtschaft am Gögerl wortkarg

Bei der Brauerei, die nach wie vor Pächter des gesamten Areals ist, hüllte man sich auf die Anfrage der Heimatzeitung hin tagelang in Schweigen. Die Spaten-Brauerei gehört zum Anheuser-Busch-InBev-Konzern, der größten Brauereigruppe der Welt, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 56,44 Milliarden Dollar machte. Erst nach Tagen gab es dann doch einige dürre Informationen zum aktuellen Stand in Sachen Sanierung und Pächterwechsel. „Wir sind aktuell in Gesprächen mit verschiedenen Pachtinteressenten sowie dem Eigentümer beziehungsweise Erbbaurechtnehmer“, teilte Unternehmenssprecherin Claudia Hauschild schriftlich mit. Und setzte hinzu: „Da es in dem bestehenden Gastronomieobjekt bekanntermaßen einen großen Sanierungsbedarf gibt, benötigt der gesamte Prozess noch etwas Zeit.“ Mit anderen Worten: Am Sachstand, wie er sich im Frühjahr dargestellt wird, hat sich nichts geändert.

In der Stadt Weilheim kursieren zwar etliche Gerüchte darüber, welcher Wirt in Zukunft auf dem Gögerl am Zapfhahn steht. Wirklich spruchreif ist allerdings davon noch nichts. Derweil werden die Weilheimer, die in schöner Regelmäßigkeit an der Waldwirtschaft vorbeiradeln, bis auf Weiteres nur beobachten können, wie das Areal immer weiter zuwächst. „Vor kurzem sah ich dort, wie die Außenmöblierung herumgetragen wurde“, berichtet eine Weilheimerin. Da dachte sie kurz, dass sich etwas tut. Doch am Ende sah sie, dass die Möbel abtransportiert wurden.

set

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