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Umfahrung Weilheim: Was sagen eigentlich die Nachbargemeinden dazu?

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In Weilheim wird über eine Umfahrung heftig debattiert. Doch wie sieht es in den Nachbargemeinden wie Wessobrunn oder Polling aus? Wir haben uns umgehört.

Landkreis - Beim Neujahrsempfang der BfW gab es vor allem ein Thema: die Weilheimer Umfahrung. Bürgermeister Markus Loth hat es zur Chef-Sache erklärt. Auch beim Empfang der Kreisstadt-SPD ging es natürlich um das Verkehrsprojekt. Und die CSU lud eigens zum Diskussionsabend. 750 Zuhörer verfolgten die November-Sitzung des Stadtrats zu dem Thema in der Stadthalle. Zwei Bürgerinitiativen kämpfen gegen eine Umfahrung im Osten oder Westen der Stadt. 

Die Entlastungsstraße ist seit Monaten das politische Top-Thema in Weilheim. Unterschiedlich sieht es dagegen bei den Nachbarn aus. Während sich die Gemeinderäte in Pähl und Wessobrunn noch nicht damit beschäftigt haben, brennt die Umfahrung den Seeshauptern und Wielenbachern unter den Nägeln. Auch in Polling schaut man genau hin. 

Seeshaupt lehnt Ost-Umfahrung ganz klar ab

Fünf Varianten (rot) einer Umfahrung werden derzeit vom Staatlichen Basuamt für Weilheim geprüft. Eine Ostumfahrung wird in Seeshaupt kritisch gesehen, weil dort mehr Verkehr im Ort über die Staatsstraße zur Autobahn A 95 (links, lila) befürchtet wird. Kritik gibt es auch in Wielenbach zu der langen Version einer Westumfahrung. In Polling wird je nach Variante lediglich mit einer Verschiebung des Verkehrsflusses über die die B 2 (blau) oder die Staatstraße bei Oderding (grün) nach Peißenberg gerechnet. In Pähl und Wessobrunn werden überhaupt keine Auswirkungen durch eine Weilheimer Umfahrung erwartet – sie liegen abseits der Nord-Süd-Verbindung.

In Seeshaupt ist eine Weilheimer Ost-Umfahrung seit Dezember im Gemeinderat offiziell auf der schwarzen Liste. Mit 14:0 Stimmen wurde ein Antrag von Armin Mell (FDP) und Fritz Egold (SPD) angenommen. Darin wird die Verwaltung beauftragt, sich schnellstmöglich mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim, es verantwortet die Planung für das Bundesprojekt, in Verbindung zu setzten und „diesem die für Seeshaupt äußerst schädlichen Auswirkungen“ einer solchen Trasse zu erläutern. Ebenso soll Bürgermeister Michael Bernwieser wegen der „nicht zumutbaren Auswirkungen“ für die Seegemeinde bei seinem Weilheimer Amtskollegen Loth und dessen Stadtrat einwirken. Schließlich soll die Kommune auch die Bürgerinitiativen der Kritiker in Marnbach und Deutenhausen unterstützen und zudem seine Bürger über die geplante Ostumgehung aufklären. Hintergrund: Die Seeshaupter fürchten eine zunehmende Verkehrsbelastung: Weil Autofahrer auf einer Ost-Umfahrung lieber gleich den Weg über Seeshaupt zur A 95 nehmen würden – und sich so die Fahrt über Starnberg oder zur B 472 bei Söchering sparten. Die derzeit beim Staatlichen Bauamt laufenden Verkehrsuntersuchungen „werden nur für Weilheim gemacht“, kritisiert Antragsteller Mell. Seeshaupt müsse mit bewertet werden, fordert er. Der Rathauschef stößt in das gleiche Horn. „Wir haben schon ein Verkehrsproblem“, warnt Michael Bernwieser mit Blick auf die viel befahrene Staatsstraße 2064, die von Weilheim aus durch seine Gemeinde über St. Heinrich die A 95 anschließt. Er fürchtet, „dass der Verkehrsdruck auf unsere Gemeinde erhöht wird“ und lehnt deshalb eine Ost-Umfahrung bei den Nachbarn kategorisch ab. „Es wird die Nähe zur Autobahn verkürzen.“ Die Möglichkeiten für eine verkehrstechnische Entlastung gibt es für Seeshaupt eh nicht, sagt der Bürgermeister. Wegen der eingeklemmten Lage zwischen Starnberger See und Osterseen gebe es keinen Platz für eine eigene Umgehung. Für Bernwieser gibt es nur eine Weilheimer Lösung: einen Tunnel. „Wenn man überhaupt etwas braucht.“ Derzeit wird im Rathaus ein Brief an das Staatliche Bauamt aufgesetzt. Gespräche mit der Behörde gab es laut Bernwieser bislang nicht. „Wir sind völlig draußen“, sagt er – schließlich betreffen die Planungen keine Seeshaupter Flur. Sollte der heimische Protest nicht fruchten, kündigt der Bürgermeister weiteren Widerstand an. In Form von Tempolimit auf der Ortsdurchfahrt zum Beispiel. „Wir werden alles tun, um unsere Straße unattraktiv zu machen.“ 

Wielenbach ist gegen West-Umfahrung

Auch in Wielenbach ist man nicht begeistert über die Trassenvarianten. Zumindest, was eine West-Umfahrung betrifft. Nördlich der Kreisstadt sieht man die lange Variante mit Sorge. Das Thema landete erst im Dezember-Gemeinderat auf der Tagesordnung. Die „ortsferne Westumfahrung lang“, wie die Variante beim Staatlichen Bauamt heißt, sieht vor, dass die B 2 auf Höhe von Wielenbach nach Westen schwenkt und zwischen Wielenbach und Unterhausen in Richtung Ammer verläuft. Doch das lehnt der Gemeinderat Gremium vehement ab. Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus, der Straßenbehörde die Bedenken der Kommune mitzuteilen. Gewarnt wird, dass die Trasse ausgerechnet durch zwei wichtige Wasserschutzgebiete laufen würde und damit die Versorgung Wielenbach und Pähls mit dem kostbaren Nass gefährde. Und nicht zuletzt verringere eine solche Fahrbahn die Wohnqualität am südlichen Ortsrand und beeinträchtige das Landschaftsbild, hieß es. 

Polling rechnet nur mit Verschiebung des Verkehr

In Polling wird ein wachsames Auge auf die Umfahrungs-Planungen der nördlichen Nachbarn geworfen. Kritische Stimmen sind jedoch zumindest im Gemeinderat noch nicht laut geworden. Diskutiert wird jedoch. Zum Jahresende hatte Vize-Rathauschef Martin Pape den Antrag gestellt, wonach die Varianten vorgestellt werden sollen – unklar ist laut Bürgermeisterin Felicitas Betz jedoch noch, in welcher Form dies geschehen soll. Große Bedenken für ihr Klosterdorf hat sie nicht. „Ich glaube nicht, dass es mehr oder weniger Verkehr geben wird“, sagt sie. Je nach West- und oder Ost-Trasse würden sich täglichen Fahrten lediglich verschieben – entweder über Oderding oder über die B 2 bei Längenlaich und Etting. Betz, die zwar generell einen Bedarf für eine Verkehrslösung in Weilheim sieht, betrachtet die Pläne dennoch kritisch: Die beiden Trassen im Osten und Westen „finde ich schwierig, weil sie wahnsinnig viel Fläche verbrauchen“. Aus ihrer Sicht sei eine Tunnelvariante wohl das nachhaltigste Modell. 

Pähl hat keine Probleme mit einer Umfahrung

Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer ist bei dem Thema entspannt. „Auswirkungen auf Pähl sehe ich gar nicht“, sagte er. Grundsätzlich befürwortet der Rathauschef, dass es bei den südlichen Nachbarn eine Verkehrslösung gibt. „Egal was.“ Überhaupt würde eine Weilheimer Umfahrung den anstehenden Ausbau der Bundesstraße B 2 bis Obertraubling sowie die geplante neue Anbindung Tutzings an die Schnellstraße stimmig machen. Eines wünscht sich der Pähler Grünbauer jedoch bei den Weilheimer Plänen: Dass es eine Lösung gibt, „die auch kostenmäßig verträglich ist“. Im Gemeinderat wurde das Thema laut Grünbauer bisher noch nicht behandelt – es habe keinen Diskussionsbedarf gegeben. Der Umfahrungsbefürworter blickt jedoch durchaus kritisch auf die heftigen Debatten ein paar Kilometer südlich: „Die Diskussion in Weilheim kann ich nicht nachvollziehen.“ 

Wessobrunn sieht keine Belastung

In Wessobrunn wurde bislang nichts gegen eine Umfahrung in Weilheim unternommen. Im Gemeinderat war es noch kein Thema gewesen, berichtet Bürgermeister Helmut Dinter. Außerdem: „Wir haben null Rückmeldung aus der Bevölkerung gekriegt.“ Dinter begründet es damit, dass eine wie auch immer geartete Umfahrung in Weilheim keine Auswirkungen weit westlich gelegene auf das Klosterdorf habe. „Zusätzliche Belastungen sehen wir nicht.“ Doch Dinter, für klare und kritische Worte bekannt, hat seine eigene Meinung zu dem nicht unumstrittenen Millionenprojekt. Und diese ist negativ. Eine Tunnnel-Lösung bezeichnet er schon jetzt, bevor Pläne auf dem Tisch liegen, als „schlimmste Variante“ – weil die Unterführung lediglich den Verkehr durch Weilheim lotsen würde und nicht als Stadtzubringer zu gebrauchen sei. Und überhaupt: „Das wird ein mordsmäßiges Gedöns für ein Vorhaben gemacht, dass erst in 20 bis 25 Jahren realisiert wird“, sagt das Dorfoberhaupt. Die große Frage sei doch, neben der Naturzerstörung und den hohen Kosten, die Dinter anprangert: „Was passiert bis dahin?“ Dinter hat sich seine eigenen Gedanken gemacht. Sein simpler Vorschlag: Die vorhandenen Hauptstraßen in Weilheim – Münchener Straße und Pollinger Straße sowie B 2 – jeweils nur in eine Nord- beziehungsweise in eine Südrichtung für den Verkehr freigeben. Als Ost-West-Verbindung dazwischen könnten die bereits existierenden Querverbindungen als Einbahnstraßen genutzt werden. „Das wäre wie ein großer Kreisverkehr“, sagt Dinter – inklusive stets fließendem Verkehr, extra Einbiegespuren und neuer Radwege entlang der Streckenführungen.

Staatliches Bauamt: Keine Auswirkungen auf Nachbarorte

Im Staatlichen Bauamt werden derzeit die Weilheimer Umfahrungsvarianten geprüft. „Unsere Arbeiten liegen im Zeitplan“, teilt Behördenchef Uwe Fritsch auf Nachfrage mit. Wie gehabt sollen die Zahlen, Daten und Fakten im Frühjahr vorgestellt werden. So hatte es die Behörde in der Stadtratssitzung am 12. November angekündigt. „Die von Planungsvarianten unmittelbar betroffenen Gemeinden sind in die Vorplanung eingebunden“, sagt Fritsch. Bereits am 18. Januar fand eine Information des Gemeinderats Polling statt, am 15. Mai vergangenen Jahres habe es eine Bürgerveranstaltung in Wielenbach gegeben. Weitere Informationen sind für das Frühjahr geplant, wenn die Ergebnisse der Variantenuntersuchung vorliegen. Zur kritischen Haltung einiger Kommunen befragt, erklärt der Bauamtsleiter, dass alle Vorschläge und Einwendungen geprüft und „im Zuge des umfassenden Variantenvergleichs bewertet“ werden. Die Seeshaupter Bedenken kann Fritsch jedenfalls nicht nachvollziehen. Er zieht das Verkehrsgutachten des Münchner Professors Harald Kurzak heran an, das dieser 2017 für das Staatliche Bauamt erstellt hatte und in dem es um eine Entlastung Weilheims inklusive Prognosen für das Jahr 2035 ging. In der Untersuchung „wird keine nennenswerte Verkehrszunahme auf der Staatsstraße zwischen Weilheim und Seeshaupt prognostiziert“, zitiert Fritsch aus dem Papier. Begründet wird es mit der Entfernung. Die Strecke über Seeshaupt nach München sei rund zehn Kilometer länger als die direkte Verbindung über Starnberg. Sobald der in Bau befindliche Tunnel Starnberg fertiggestellt ist, gebe es – auch zu Hauptverkehrszeiten – „keinen nachvollziehbaren Grund mehr, die umwegige Route über Seeshaupt zu wählen“, so Fritsch. Überhaupt sei gemäß der Kurzak-Untersuchung „mit keinen nennenswerten verkehrlichen Auswirkungen auf die Nachbargemeinden zu rechnen“.

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Rubriklistenbild: © Staatliches Bauamt Weilheim

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