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Wegen angeblicher Corona-Party: Acht Polizisten zu Beauty-Salon gerufen - „Ich träume nachts davon“

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Von: Boris Forstner

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Die Weilheimerin Anka Reindl wurde bei der Polizei angeschwärzt.
Die Weilheimerin Anka Reindl wurde bei der Polizei angeschwärzt. © Friso Gentsch/dpa

Bei Verstößen gegen Maskenpflicht oder Kontaktbeschränkung greift die Polizei in Corona-Zeiten hart durch. Oft wird sie auch durch Bürger alarmiert, die Nachbarn anschwärzen.

Weilheim – Knapp zwei Wochen ist es her, als Anka Reindl am Sonntagnachmittag ein befreundetes Paar zu Besuch hatte. „Wir haben uns nur vor der Tür getroffen, sagt die Weilheimerin, die in der Kirchmayrstraße nahe des Bahnhofs eine Beauty-Lounge betreibt. Der Besuch war bereits wieder weg und Reindl plauderte noch mit einer Nachbarin, als plötzlich ein Mannschaftsbus sowie ein Streifenwagen der Polizei – „entgegen der Einbahnstraßen-Richtung“, so Reindl – vor ihrem Grundstück hielt und acht Beamte ausstiegen. „Die wollten wissen, wo bei mir in den Geschäftsräumen die illegale Corona-Party stattfinde“, berichtet Reindl. Sie habe beteuert, dass es sich um einen Irrtum handeln müsse. Sie habe nur kurz mit dem bereits wieder verabschiedeten Paar gesprochen. Erst nachdem sie glaubhaft versichert habe, dass niemand im Haus sei, und auch nichts zu hören war, seien die Polizisten wieder abgezogen, so Reindl.

Weilheim: Nach dem Polizeieinsatz hat Anka Reindl Alpträume

Seitdem ist sie regelrecht traumatisiert. „Ich bin wahrlich nicht zart besaitet, aber ich träume nachts schon davon, dass plötzlich die Polizei vor meinem Bett steht“, sagt Reindl. „Ich bin schockiert, dass so etwas passieren kann.“

Eine Stunde nach dem unliebsamen Besuch hat Reindl bei der Polizei angerufen und wollte wissen, wer sie unrechtmäßig angezeigt habe. Doch da biss sie auf Granit: „Der Polizist hat gesagt, ich solle mich nicht so haben, es sei ja nichts passiert.“ Sie müsse den Einsatz auch nicht bezahlen, hieß es. „Das wäre ja noch schöner gewesen“, sagt Reindl.

Sie ließ jedoch nicht locker und nahm sich einen Anwalt. „Ich wollte wissen, was ich in der Angelegenheit machen kann.“ Doch auch der Anwalt konnte nicht weiterhelfen. Bei einem weiteren Anruf von Reindl habe es geheißen, der Vorfall sei gar nicht aufgenommen worden, es gebe keinen Bericht. „Da werden Menschen geschützt, die andere unberechtigt anschwärzen“, regt sich Reindl auf. Der Rat des Polizisten lautete nur, dass sie mal in ihrer Nachbarschaft fragen solle, wer das gewesen sein könne. „Ein toller Tipp“, sagt Reindl sarkastisch.

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen im Landkreis Weilheim-Schongau in unserem aktuellen News-Ticker.

Weilheim: Häufig werden anonym Corona-Verstöße gemeldet

Bei der Polizei kommen solche Anrufe, dass angeblich gegen die Corona*-Bestimmungen verstoßen wird, immer wieder vor. „Ich bin jetzt vier Wochen hier und hatte schon fünf, sechs solcher Fälle“, sagt Boris Netschajew, Vize-Leiter der Polizeiinspektion Weilheim. Natürlich gehe man solchen Vorwürfen nach. Dass aber gleich acht Polizisten dort auftauchen, sei natürlich nicht die Regel. „Ich kann es mir nur so erklären, dass nach dem Schweigemarsch an dem betreffenden Sonntag noch zahlreiche auswärtige Polizeieinheiten vor Ort waren, die verfügbar waren und hingeschickt wurden“, sagt Netschajew. In der Regel fahre eine Streife zu solchen Meldungen. Dass man den Namen der meldenden Person nicht herausgebe, sei korrekt. Manchmal kennt ihn die Polizei auch selbst nicht: „Wir haben oft anonyme Mails spätabends bekommen, in denen sich jemand über eine Feier oder ähnliches beschwert hat. Wenn wir das am nächsten Tag lesen, ist es natürlich zu spät. Da muss man schon bei uns anrufen“, so Netschajew.

Das Corona-Impfzentrum im Landkreis hat ein Zuhause gefunden. In Peißenberg laufen schon die Vorbereitungen.

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