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Kandidatenkarussell in Weilheim: Wer wird Loths Stellvertreter?

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Von: Magnus Reitinger

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Ansprachen zu halten ist eine der Aufgaben eines stellvertretenden Bürgermeisters: Hier Weilheims 2. Bürgermeister Horst Martin im Juni 2018 bei einem Festabend von „Asyl im Oberland“ im Stadttheater. © EMANUEL GRONAU

Am Tag nach der Stichwahl sind sich Weilheims Lokalpolitiker einig: Dass Markus Loth (BfW) 1. Bürgermeister bleibt, war „so zu erwarten“. Derweil ist das Rennen um die beiden Stellvertreterposten eröffnet. Und da gibt es höchst unterschiedliche Ansichten – und Ambitionen.

Weilheim – Bürgermeister Loth war am Tag nach seinem Wahlerfolg schon früh in seinen derzeitigen Alltag getaucht – den Krisenalltag. Er pendelte im Rathaus zwischen Besprechung, Handy und Festnetztelefon. Dem alles bestimmenden Thema „Corona“ zum Trotz: Man müsse auch die Weichen für die weitere Stadtratsarbeit stellen, sagt der Rathaus-Chef am Telefon auf „Tagblatt“-Anfrage. Wann es wieder Sitzungen geben wird, weiß freilich keiner. Für 23. April wäre die Haushaltssitzung vorgesehen, für 30. April das letzte Treffen des amtierenden Stadtrats, für 7. Mai die Konstituierung des neuen. Ob die Termine zu halten sind, ist völlig offen. „Wir fahren auf Sicht“, erklärt Loth.

Dabei hat der 52-Jährige, der seit 18 Jahren das Rathaus führt, die nächsten Entscheidungen durchaus im Blick – insbesondere jene über seine Stellvertreter. Horst Martin (60, SPD) ist seit sechs Jahren 2. Bürgermeister, Angelika Flock (61, CSU) 3. Bürgermeisterin. Wird es dabei bleiben? „Das glaube ich nicht“, antwortet Loth, „so ehrlich muss man sein“. Er wolle Martin wieder als Vize und Alfred Honisch (66, Grüne) als 3. Bürgermeister vorschlagen.

Grüne und CSU melden Ansprüche an

Entscheiden wird darüber der Stadtrat. Und da bahnen sich spannende Abstimmungen an – denn es gibt durchaus gegensätzliche Ambitionen. Horst Martin würde gern 2. Bürgermeister bleiben, wie er auf Anfrage sagt. Seine bisherige Amtsausübung wird durchweg gelobt, seine Art geschätzt. Allerdings hat die SPD künftig nur noch zwei statt vier Sitze. Die Grünen hingegen haben ihre Zahl verdoppelt, von drei auf sechs, das weckt Begehrlichkeiten. „Natürlich müssen sich die neuen Verhältnisse im Stadtrat auch in den Stellvertreterposten widerspiegeln“, meint Fraktionssprecher Alfred Honisch, auch „der grüne Einfluss als drittstärkste Fraktion“. Was seine Person betrifft, ist Honisch diplomatisch: „Wie heißt der Politikerspruch? Wenn die Sache an mich herangetragen wird, würde ich nicht nein sagen.“

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Ansprüche meldet auch die CSU an. „Ich sehe schon einen klaren Wählerauftrag, dass Angelika Flock 2. Bürgermeisterin werden soll“, sagt Fraktions-Chefin Marion Lunz-Schmieder mit Blick auf Flocks „achtbare“ 38,6 Prozent in der Bürgermeister-Stichwahl. Auch die Kandidatin selbst hat ihr Ergebnis bereits am Wahlabend so interpretiert.

„Natürlich ist zu überlegen, ob der in der Stichwahl unterlegenen bisherigen 3. Bürgermeisterin nicht schon allein aufgrund des Bürgerwillens der Posten der 2. Bürgermeisterin zusteht“, erklärt FDP-Stadträtin Saika Gebauer-Merx – wenngleich sie dies „für Horst Martin äußerst bedauern würde“, wie sie betont. Überhaupt solle eigentlich „nicht nach Parteiproporz, sondern nach persönlicher Eignung“ ausgewählt werden.

Geht es um Proporz oder um Eignung?

Rüdiger Imgart, für die AfD neu im Stadtrat, wünscht sich „einen verwaltungserfahrenen Stellvertreter und als weiteren Bürgermeister ein möglichst junges, wenn nicht jugendliches Mitglied des Stadtrates“. Der ÖDP-Ortsvorsitzende Andreas Halas, einer von zwei künftigen Stadträten der Ökopartei, fordert hingegen inhaltliche Kompetenz: Die Stadt müsse – das führe die Corona-Pandemie noch mehr vor Augen – einen Beitrag leisten, „um weniger gewinnorientierte, sondern solidere und nachhaltigere Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsstrukturen zu fördern“. 2. oder 3. Bürgermeister solle deshalb die- oder derjenige werden, „der unserem 1. Bürgermeister in diesem Sinne am besten zur Seite stehen kann“.

Noch keine Meinung zur Besetzung der Stellvertreterposten hat Romana Asam (Freie Wähler): Man wolle sich diesbezüglich zunächst mit allen Stadtratskandidaten der FW absprechen. Auch Ullrich Klinkicht, der für „Weilheim Miteinander“ ein Stadtratsmandat eroberte, tut sich schwer mit einer Einschätzung. Er gehe davon aus, dass es über die Vize-Posten bereits „Gespräche zwischen den größeren Parteien gegeben hat“, habe selbst aber noch keine Präferenz. Und er fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich gehe mal davon aus, dass sie mich nicht wählen.“

Auf einer Linie mit Bürgermeister Loth liegt BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek: Horst Martin habe sich als 2. Bürgermeister „gut bewährt, auch mit unserer Fraktion war eine gute Zusammenarbeit möglich“. Deshalb sehe sie keinen Grund, dies zu ändern. „Für das Amt des 3. Bürgermeisters muss man sehen, wer Ansprüche anmeldet. Aber nachdem die Grünen so deutlich zugelegt haben, sehe ich darin eine verdiente Option.“

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