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„Wir sind im Umgang vorsichtig geworden“

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Von: Kathrin Hauser

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Missbrauch in der katholischen Kirche
Im Zuge der Studie zu sexuellem Missbrauch in der Kirche hat auch das Bistum Augsburg Zahlen veröffentlicht. Demnach gab es 164 Opfer und 85 Beschuldigte. © dpa / Uwe Zucchi

Im Zuge der Studie zu sexuellem Missbrauch in der Kirche hat auch das Bistum Augsburg Zahlen veröffentlicht. Wir haben bei örtlichen Geistlichen nachgefragt.

Weilheim/Peißenberg – „Es ist interessant, dass wir alle aktuell keine Reaktionen aus der Pfarrei hatten“, sagt Stefan Reichhart, Diakon in der Pfarreiengemeinschaft Weilheim. Erst vor wenigen Tagen habe er mit Stadtpfarrer Engelbert Birkle und anderen, die für die Weilheimer Pfarreiengemeinschaft tätig sind, darüber gesprochen, wie erstaunlich es sei, dass es von Pfarreimitgliedern keine Reaktionen auf die aktuelle Studie über die Missbrauchsfälle gegeben habe. „Das kommt sicher noch“, sagt Reichhart. „Ich denke, dass die Zahl der Kirchenaustritte noch zunimmt.“ Wobei sich Reichharts Einschätzung nach viele schon in den letzten Jahren wegen des Missbrauchsskandals von der katholischen Kirche gelöst haben.

Der interne Kreis der Verantwortlichen in der Weilheimer Pfarreiengemeinschaft sei „zutiefst betroffen“ über das, was sich laut der Studie über Jahrzehnte in der katholischen Kirche abgespielt hat. Diese Betroffenheit sei allgegenwärtig und ziehe sich durch alle Ebenen. „Es erschüttert und beschämt uns zutiefst“, sagt Reichhart.

Vorsicht im Umgang sei spürbar

Er meint, dass sich der Vertrauensbruch, der durch die vielen Missbräuche geschehen ist, in einigen Bereichen erst später bemerkbar machen könnte. „Es wird sich zeigen, ob wir nicht von bestimmten Gruppen Misstrauen spüren werden“, sagt der Diakon. Was jetzt schon spürbar sei, sei eine gewisse Vorsicht im Umgang. „Wir sind alle miteinander äußerst vorsichtig geworden.“

Seiner Meinung nach muss auf diese Vorfälle nun ein grundlegendes Nachdenken über viele kirchliche Bereiche folgen – auch darüber, wie weit Klerikern eine herausragende Position zukommt. „Das entspricht nicht dem Evangelium. Wir stehen alle im Dienst“, sagt Reichhart. Er sehe seine Aufgabe als Diakon als Dienst am Menschen. Und er sei gespannt, ob den Worten von Kardinal Marx nun auch Taten folgen. Für ihn persönlich bedeute dieser Skandal „eine Ermunterung, sich ganz auf die christliche Botschaft zu besinnen“.

Immer wieder Austritte

Auch an Georg Fetsch, Dekan und Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Peißenberg-Forst, ist anlässlich der Studie über Missbrauchsfälle von Pfarreimitgliedern noch nichts an ihn herangetragen worden. „Nur in Sitzungen in der Pfarrei wurde darüber geredet.“, sagt Fetsch. Es seien bislang auch keine Veranstaltungen oder Gesprächsrunden zu diesem Thema geplant, sie würden aber angeboten, wenn sie nachgefragt würden. Wegen der Missbrauchsfälle sei es in der Vergangenheit immer wieder zu Austritten gekommen, sagt der Pfarrer.

Es seien bereits viele Präventionsmaßnahmen getroffen worden. Fetsch ist überzeugt, dass es nach Veröffentlichung der Studie nach und nach weitere Reaktionen der Bischöfe geben werde. Der Pfarrer begrüßt, dass die Missbrauchsfälle untersucht und die Ergebnisse veröffentlicht wurden. „Ich hoffe, dass das eine heilsame Sache ist, auch für die Kirche.“ Ihn selber habe das Ausmaß der Missbräuche erschreckt. „Darauf kann man nur mit Scham und Bedauern für jeden einzelnen Fall reagieren.“

Von Kathrin Hauser

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