Weilheim 

Saftige Geldstrafe für Anwalt

Am Ende haben ihm alle seine juristischen Tricks nichts genützt: Ein Weilheimer Anwalt  muss eine hohe Geldstrafe zahlen. Und sein Führerschein ist weg. 

Von Kathrin Hauser 

Weilheim –  Die  Richterin Christiane Serini verurteilte einen Anwalt, der wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht angeklagt war (wir berichteten), zu einer Geldstrafe von 19 800 Euro. Zudem bleibt der Führerschein noch weitere zwei Jahre eingezogen.

Im November hatte die Polizei den Führerschein bei dem Weilheimer zu Hause abgeholt, nachdem der Anwalt im Juni alkoholisiert einen Mann an einer Weilheimer Tankstelle um- und beinahe überfahren hatte und dann davongefahren war. Diese Tat sowie zwei weitere Taten, die dem Anwalt vorgeworfen wurden – ein Mal hatte er eine Postbotin angefahren, ein anderes Mal hatte er beim Einparken ein Auto beschädigt – sah die Richterin nach einer Verhandlung, die sich insgesamt über mehr als zehn Stunden erstreckte – als erwiesen an.

In der Urteilsbegründung fand sie deutliche Worte: „Das ist gefährlich, wie Sie rumfahren. Gott sei Dank war es kein Kind, ein Kind wäre nämlich tot gewesen“, sagte sie zum Unfall an der Tankstelle. Sogar während der Urteilsbegründung versuchte der Anwalt die Richterin zu unterbrechen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte es auch am zweiten Verhandlungstermin kein Urteil gegeben, denn zu Beginn hatte er den Antrag gestellt, die Befangenheit der Richterin festzustellen. Diese habe durch die Äußerung, dass es am zweiten Verhandlungstag ein Urteil geben werde, bewiesen, dass sie nicht neutral sei und seine Beweisanträge nicht gründlich prüfen werde. Zu dem Antrag mussten sowohl der Angeklagte als auch die Richterin schriftlich Stellung nehmen, dann lehnte eine andere Amtsrichterin den Befangenheitsantrag ab: Die Richterin sei in ihrer Urteilsfähigkeit nicht eingeschränkt.

Als Richterin Serini die Verhandlung fortsetzen wollte, teilte der Anwalt mit, dass er ab Mittag wichtige Termine habe, die er wahrnehmen müsse. Doch die Richterin bestand darauf, dass er nach einer Unterbrechung, die für einen anderen Prozess nötig war, wieder zum Gericht zurückkehren musste. Als die Verhandlung dann begann, lehnte Serini zunächst die Beweisanträge ab, die der Anwalt gestellt hatte. Dann sahen sich die Prozessbeteiligten ein Video an, das die Tankstellen-Kamera vom Unfall aufgezeichnet hatte. Darauf war klar zu sehen, wie der Anwalt den Eberfinger umfuhr. In seinem Plädoyer zeigte der Angeklagte zum ersten Mal Reue: „Ich habe zu viel getrunken, ich habe einen großen Fehler begangen“, sagte er über den Vorfall. Für die beiden anderen Taten forderte er Freispruch. Dem kam die Richterin nicht nach: Es bestehe „nicht der Hauch eines Zweifels“, dass er die Postbotin und das andere Auto angefahren habe. Strafschärfend habe sie berücksichtigt, dass der Anwalt sich bei keinem seiner Opfer entschuldigt habe. „Ich habe das Gefühl, es ist Ihnen ziemlich wurscht, was da schiefgeht.“ Gegen das Urteil kann der Anwalt Berufung oder Revision einlegen. Weil er die Postbotin wegen Betrugs angezeigt hatte, erwartet ihn möglicherweise eine Anzeige wegen falscher Verdächtigung.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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