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Überraschender Fund: Jürgen Bittner (l.) hält das vor 100 Jahren geschnitzte Kruzifix seines Urgroßvaters Richard Josef Bittner in den Händen, das lange in Berlin weilte. Mit ihm freut sich Vater Richard Bittner; er hält ein später erstelltes Kruzifix.

Weilheim

Weilheimer Familie Bittner erlebt große Überraschung mit 100 Jahre altem Kruzifix

  • Paul Hopp
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Vor 100 Jahren schnitzte Richard Josef Bittner in Weilheim ein Kruzifix. Das Stück landete danach in Berlin, überstand dort den Zweiten Weltkrieg und kam nun über einen Mann aus Xanten wieder heim – punktgenau zu einem runden Geburtstag.

Weilheim - Der Überraschungsfund liegt auf dem Wohnzimmertisch. Vorsichtig, ja direkt ehrfürchtig nimmt Richard Bittner das Kruzifix in die Hände. Ein kleines Malheur wird gleich offensichtlich, ein Arm des Heiland ist abgebrochen. Richard Bittner ist gelassen: „Das kann man gut reparieren.“ Ansonsten ist das Stück in hervorragendem Zustand – und darüber sind der ehemalige Rektor der Weilheimer Mittelschule und sein Sohn Jürgen durchaus erstaunt.

Denn das Kruzifix, das Ahnherr Richard Josef Bittner (1873 bis 1943) einst in Weilheim schnitzte, hat in Berlin die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs sowie den Einmarsch der Roten Armee überstanden und war danach für Jahrzehnte als Wandschmuck in Gebrauch, ehe es nun den Weg zurück fand. „Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass wir es nach genau 100 Jahren gefunden haben und es zurückholen konnten“, so Jürgen Bittner.

Familie Bittner: Großes Interesse an Ahnenforschung

Dass sein Urgroßvater in seiner Freizeit ein passionierte Schnitzer war, wusste der promovierte Chemiker. Diverse Stücke befinden sich im Elternhaus. Doch von diesem Kruzifix wusste die Familie noch nichts. Nachdem die letzte Besitzerin in Berlin gestorben war, kümmerte sich ihr in Xanten (Niederrhein) lebender Sohn Christian Dijkstal um die Haushaltsauflösung. Dabei stieß er auf das Stück, auf dessen Rückseite der Vermerk „Handgeschnitzt von Richard Bittner in Weilheim ca. 1920“ aufgebracht ist. Dijkstal stieß auf die Homepage von Jürgen Bittner; sah, dass Ahnenforschung ein Hobby des Weilheimers ist, und nahm Kontakt auf. Man wurde sich handelseinig – genau zwei Tage vor dem 80. Geburtstag von Richard Bittner traf es in der Kreisstadt ein. „Eine größere Überraschung hätte es gar nicht geben können“, sagt der Senior. 

Familie Bittner: Familienwurzeln liegen in Niederschlesien

Vater und Sohn haben sich schon vor Jahren der Ahnenforschung verschrieben. Den Familienzweig mit Namen Bittner konnten sie bislang bis 1759 zurückverfolgen, bei anderen Familienzweigen reichen gesicherte Erkenntnisse gar bis 1430 zurück. „Es macht uns Spaß“, sagt Jürgen Bittner. Ein Vorfahr, ein Dr. Petzsch, war Anfang des 18. Jahrhunderts in der Porzellanmanufaktur in Meißen ein Arkanist – also einer von insgesamt nur vier Menschen in dieser Einrichtung, die über die Porzellanherstellung Bescheid wussten. „Wenn man so etwas herausgefunden hat, wird man regelrecht süchtig“, sagt Jürgen Bittner. „Und man lernt viel über Geschichte allgemein.“ Für seinen Vater hat die Suche in der Historie der eigenen Familie einen weiteren schönen Aspekt: „Geschichte lebt dann richtiggehend.“ Jahreszahlen seien so nicht einfach nur gesichtslose Daten.

Richard Bittner war früher schon historisch tätig – im Jahr 2006 präsentierte er ein über 400 Seiten starkes Werk zur „Geschichte der Weilheimer Volksschulen“, an dem er rund zehn Jahre gearbeitet hatte. Diese Arbeit führte auch dazu, dass er und sein Sohn sich der Familienhistorie annahmen. Die Wurzeln der Bittners liegen nach aktuellem Kenntnisstand in Niederschlesien. 

Familie Bittner: Zigarrenladen in der Admirla-Hipper-Straße

Richard Josef Bittner, der Großvater von Richard Bittner, wurde 1873 in Biskupitz (Oberschlesien/damals Preußen) geboren – er hatte zwölf Geschwister. Mit Schwester Maria kam er zum kinderlosen Onkel nach Berlin und lernte das Handwerk des Kunstschmieds. Auf seiner Wanderschaft kam Richard Josef Bittner über Westdeutschland nach München. Im Alter von 21 Jahren wurde er zur bayerischen Armee eingezogen (Bayerns Heer war seit 1868 an die preußische Heeresorganisation angegliedert) und verpflichtete sich für zwölf Jahre. Danach arbeitete er in der Kaserne am Lechfeld und war Weltkriegsteilnehmer von 1914 bis 1918. Mit seiner Frau zog er schließlich nach Weilheim, wo er ein Haus in der Nähe der Apostelkirche kaufte. In diesem leben die Nachfahren Bittners heute noch.

Von 1921 bis 1934 führte der Ahnherr ein „Zigarrenhaus“ an der Admiral-Hipper-Straße, direkt neben dem Pfarrhof gelegen. Einen Tabakwarenladen gibt es dort auch heute noch, Inhaber ist Christian Schreitt. In der Freizeit schnitzte er gern – unter anderem ein Relief nach Arnold Böcklins Gemälde „Der Einsiedler“. „Er war kein Tilman Riemenschneider, aber Talent hatte er“, sagt Jürgen Bittner. Über die Weihachtskrippe des Altvorderen gab es im Dezember 1932 sogar einen Zeitungsartikel. 

Familie Bittner: Kruzifix hat großen ideellen Wert

Das nun in die Heimat zurückgekehrte Kruzifix ist – wie der Ausfertigung zu entnehmen ist – wohl das erste von insgesamt vier Stücken. Jürgen Bittner vermutet, dass es als Geschenk an die Berliner Verwandtschaft gegeben wurde. Die Mutter des Xanteners erstand es schließlich auf einem Pfarrbasar von St. Matthias in Schöneberg – und nun fand es den Weg zurück. „Für uns hat es einen hohen ideellen Wert“, sagt Jürgen Bittner.

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