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Ab in den Himmel, zeigt der Boandlkramer (Werner Eggenhofer) dem Brandner Kaspar (Winfried Hübner) an. Doch der erluchst sich noch ein paar Jahre.

„Brandner Kaspar“ in Weilheim: Der Himmel hat’s mal wieder gerichtet

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Zum Jubiläum gönnen sich die Weilheimer Festspiele erstmals eine Wiederholung. Die Premiere in der Hochlandhalle zeigte: Der „Brandner Kaspar“ hat von seinem Reiz nichts verloren.

Weilheim – Dass es für ein Bühnenbild spontanen Zwischenapplaus gibt, mitten im Theaterstück, das hat man auch noch nicht erlebt. Bei der diesjährigen Premiere für „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ war genau das der Fall – und zwar nach der Pause, als der Himmel aufging. Das ist nun wirklich ein großer, ein genialer Wurf, wie er da über dem schnöden, irdischen Teil der Bühne schwebt: mit seinen perspektivischen Säulen, mit all den Akten, in denen „aufgesetzet ist“, wer wann in diesem Himmel der Bayern erwartet wird, und mit dem herrlich komischen himmlischen Personal, das dort Karten spielt, Weißwurst zuzelt und überhaupt sehr sympathisch ist.

Schwierige Akustik in der Halle

Man muss hinzufügen, dass dieses Paradies, an dem Ausstatter Andreas Arneth bis zuletzt tage- und nächtelang gemalt hat, auch deshalb so einschlägt, weil das Geschehen darunter bis zu diesem Moment ein bisschen blass war – jedenfalls bei der Premiere, bis zu der dieses Mal so vieles so knapp herging, dass man froh sein musste, am Freitagabend alles planmäßig stattfinden zu sehen. Die Jagdszene, die den 72-jährigen Brandner laut göttlichem Plan per Streifschuss und Todesschreck in den Himmel befördern sollte, hat einen als Zuschauer nicht wirklich mitgerissen. Schwer tat man sich anfangs auch mit der Akustik der Halle und mit dem manchmal zu schnell oder undeutlich gesprochenen Bairisch.

Kurzum: Es hat ein bisschen gedauert, bis dieses Festspiel unter der Regie von Yvonne Brosch (die als Mitwirkende in Kurt Wilhelms legendärer 70er-Jahre-Inszenierung mit über 700 Aufführungen am Münchner Residenztheater gewiss eine der allerbesten „Brandner“-Kennerinnen ist) so richtig in Schwung kam. Aber dann wurde das Ganze doch ziemlich himmlisch – und durchaus dem Jubiläum „20 Jahre Weilheimer Festspiele“ würdig, zu dem man sich erstmals nach 39 Produktionen eine Wiederholung erlaubt hat, als Reminiszenz an die Anfänge: Mit dieser Komödie Kurt Wilhelms nach Franz von Kobells Erzählung aus dem Jahr 1871 hatte 1999 die Festspiel-Ära in Weilheim begonnen.

Zur Feier der zwei Dekaden gönnt man sich auch wieder mal die rustikal-stimmungsvolle Hochlandhalle, die den perfekten Rahmen für dieses Stück bildet und deren Höhe und Größe es braucht für Arneths große und großartige Kulisse. Gleichwohl ist die Halle räumlich und akustisch schwierig zu bewältigen.

Ein starkes Duo in den Hauptrollen

Das zentrale Duo bilden in der Neuauflage zwei hocherfahrene Schauspieler, die man schon oft und gerne bei den Weilheimer Festspielen gesehen hat und die hier doch erstmals gemeinsam auf der Bühne stehen: Winfried Hübner ist ein stets authentischer, angemessen schlitzohriger „Brandner Kaspar“, Werner Eggenhofer sein ideales Gegenüber als „Boandlkramer“. Es ist immer noch und immer wieder herrlich anzuschauen, wie der Kaspar den himmlischen Boten zum Schnapseln verführt und ihm dann per Kartentrick 18 weitere Lebensjahre abluchst. „Woaßt“, stöhnt der Boandl nach dem vierten Kerschgeist, „die Menschen: Immer jammern... Und dann wolln’s ums Verrecken weiterleben“.

Als seine Enkelin Marei (mit anrührender Gesangseinlage: Lore-Bronner-Preisträgerin Teresa Sperling) tragisch ums Leben kommt, leidet freilich auch Brandners Freude am Irdischen. Und wie ihn der Boandlkramer, um seinen Fehler wieder auszumerzen, nur mal ins Paradies schauen lässt, bleibt er tatsächlich freudig droben. Petrus (Florian Münzer), der heilige Nantwein (Florian Fisch), der weise Turmair (Georg Denk aus Polling) und Erzengel Michael (Michael Althauser) sind aber auch wirklich einladend...

Auch Stadtkapelle und Goaßlschnalzer mit dabei

Das Profi-Ensemble, dem auch Stefan Voglhuber als Jäger Simmerl angehört, wird durch engagierte Weilheimer ergänzt: Anita Kurzrock, Lukas Wörle, Markus Abenthum und Waltraud Lederer fügen sich ehrenwert ein. Dazu kommen launige Gäste und Kellnerinnen (Max Bair, Bärbel Hanusa, Gaby Heidenreich, Barbara Röllnreiter, Elisa Wörle, Luzia Wörle), die Goaßlschnalzer des Heimat- und Trachtenvereins und die Stadtkapelle. Sie alle machen auch diesen „Brandner Kaspar“ zu dem Spektakel, das er sein muss.

Magnus Reitinger

Weitere Vorstellungen in der Großen Hochlandhalle: Freitag, 25. Oktober, 20 Uhr • Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr • Sonntag, 27. Oktober, 18 Uhr • Freitag, 1. November, 20 Uhr • Samstag, 2. November, 20 Uhr. Karten: Veranstaltungsbüro im Rathaus und Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz (Tel. 0881/686-11 oder -12) sowie per Reservierung auf Mailbox: Telefon 0152/565 70 359.

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