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Professor Bernhard Spielberg ermutigte rund 150 Besucher im „Haus der Begegnung“ zu Weite statt Enge.

„Weilheimer Glaubensfragen“

Wie die Kirche Zukunft hat

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„Alles im Wandel – Nix is fix?!“ heißt das Thema der diesjährigen „Glaubensfragen“ in Weilheims katholischer Pfarreiengemeinschaft. Und der Auftakt dieser Vortragsreihe, der am Montagabend gut 150 Zuhörer ins „Haus der Begegnung“ lockte, war rundum gelungen.

Weilheim Der erste Abend der „Weilheimer Glaubensfragen 2018“ begann mit James Bond. Auch der beliebte Film-Agent „ist nicht mehr das, was er mal war“, sagte Referent Dr. Bernhard Spielberg – und fügte an: „Gott sei Dank!“. Die Bond-Macher hätten es vielmehr geschafft, die seit Jahrzehnten gefragte Figur Film für Film in die Gegenwart zu übertragen. Und so tauge James Bond sogar zum Vorbild für eine Kirche, die mehr als ein Museum sein will.

Spielberg, 1976 in Würzburg geboren und seit 2014 Juniorprofessor für Pastoraltheologie an der Uni Freiburg, entfaltete fundiert und gewitzt das Panorama des Epochenwandels, in dem die Kirche heute zu wanken scheint– und versuchte, den Zuhörern die Angst vor dem Wandel zu nehmen. Die heutige gesellschaftliche Situation sei eine „wirkliche Chance für das Evangelium“, so das Credo des Theologen und dreifachen Vaters: Die Kirche dürfe sich nicht zurückziehen von der Welt, ja, sie wachse „überhaupt erst in der Auseinandersetzung mit der Gegenwart“.

Gegenläufige Trends

Für diese Gegenwart diagnostizierte Spielberg einige grundlegende Entwicklungen: Es gebe einerseits lang anhaltende „Megatrends“ wie die Vervielfältigung der Lebensbereiche („man kann wählen, muss sich aber auch ständig entscheiden“), die Individualisierung und das wachsende Bildungsniveau. Einst Fragloses wird heute hinterfragt, und deshalb gelte auch für die Kirche: „Man muss vom Argument der Macht zur Macht der Argumente finden.“ Mitunter in Widerspruch dazu stünden soziokulturelle Trends wie die Sehnsucht nach Verwurzelung, nach einem gemütlichen Zuhause oder nach Gemeinschaft mit anderen – sofern man die Leute und den Grad der Verbindlichkeit selbst bestimmen kann.

Die Herausforderung für die Kirche sei stets, mit Brüchen zwischen der gegenwärtigen Kultur und dem Evangelium umzugehen. Gute Strategien dafür sind laut Spielberg weder ein „fundamentalistischer Rückzug“, der in die Enge führt, noch ein „basiskirchliches Christentum“, das Fremdes so verpacke, „dass es besser zu uns passt“. Der junge Professor plädiert stattdessen für einen vielgestaltigen Katholizismus, der eher weit sein müsse als eng, aber wisse, „wofür man steht“: Kirchenleute müssten die Fragen der modernen Menschen hören („und zwar nicht nur die, die man hören möchte“), sie müssten Dialog und Begegnung zulassen und fördern. Auf diese Weise könnten Christen heute „auch unbekannte Facetten des Evangeliums Gottes entdecken“. So wie es Jesus darum gegangen sei, Menschen in ihrem Leben zu stärken, diene Kirche heute „nicht zum Selbsterhalt, sondern dazu, dass andere gut leben können“.

Freilich: Veränderung, so meinte Spielberg in der kurzen, aber intensiven Fragerunde nach seinem viel beklatschten Vortrag, Veränderung und Erneuerung kämen in der Regel nicht „von oben“, nicht aus der Hierarchie. Hoffnungsträger sind für ihn „Leute, die kreativ unzufrieden sind“, und „ein großes Innovationspotential vor Ort, in den Gemeinden“.

Nächster Termin

der „Weilheimer Glaubensfragen“: Autorin Birgit Kelle spricht zum Thema „Familie – was bleibt, wenn sie geht?“ – am Donnerstag, 3. Mai, um 20 Uhr im „Haus der Begegnung“ an der Römerstraße (Eintritt frei).

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