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Glyphosat.

Weilheimer Grünflächen

Lieber Unkraut als Glyphosat

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Kommen auf städtischen Grünflächen und im Stadtwald Glyphosat- Spritzmittel zum Einsatz? Das wollte die Fraktion der Grünen im Weilheimer Stadtrat wissen. Nein, schon seit einigen Jahren nicht mehr, so die Antwort. Die Folgen des Verzichts gefallen jedoch nicht allen.

Weilheim – Immer wieder, so berichtete Bürgermeister Markus Loth (BfW) in der gestrigen Bauausschuss-Sitzung, ernte das Rathaus Beschwerden, weil an Gehsteigen und Straßenrändern quer durch die Stadt das Unkraut sprieße. Auch auf dem Friedhof missfalle das manchen. Doch das liege eben daran, dass die Stadt und die „Stadtwerke“ im Bereich der Straßen und Wege seit ein paar Jahren „überhaupt keine Herbizide mehr einsetzen“.

Bei den „Stadtwerken“ gebe es aus früherer Zeit noch „Restbestände“ des glyphosathaltigen Unkrautvernichters „Roundup“, sagte im Bauausschuss gestern Gregor Leisching, der Leiter des Bereichs „Grünpflege“: „Aber wir nehmen’s nicht her.“ Seit mindestens zwei Jahren würden generell keine solchen Mittel mehr verwendet – „weder auf unseren eigenen noch auf städtischen Flächen“, so Leisching. Das Unkraut an den Straßenrändern werde mit Wildkräuterbürsten an den Kehrfahrzeugen mechanisch entfernt. „Wenn aufgrund starken Unkrautbefalls von Grünflächen eine Bekämpfung notwendig werde“, so zitiert das Stadtbauamt die „Stadtwerke“, „würde eine solche nur in Absprache und mit Genehmigung des Landratsamtes erfolgen“.

Man sehe es Weilheims „Bordsteinkanten“ an, dass das Unkraut nur noch mit Bürsten bekämpft wird, konstatierte Rupert Pentenrieder: „Mechanisch ist nicht alles zu beseitigen“, so der Grün-Referent des Stadtrats, und auch „Abflammen“ sei ob der Brandgefahr nicht möglich. Doch der Einsatz von Spritzmitteln sei keine Alternative. „Wir werden damit leben lernen müssen, dass aus Randsteinen Unkraut wächst“, betonte Rathaus-Chef Loth. Auch auf dem Friedhof müssten Grabbesitzer „in ihrem Umfeld selber Unkraut rupfen“.

In Weilheims Stadtwald werden laut Grün-Referent Pentenrieder „seit über 20 Jahren weder Herbizide noch Pestizide verwendet“. Der Einsatz solcher Mittel wäre zwar möglich, insbesondere bezüglich des Borkenkäfers, so Pentenrieder: „Aber wir wollen das nicht.“ Im Zuge des Naturschutzkonzeptes für die Bewirtschaftung des Stadtwaldes hat auch der Stadtrat 2015 den Grundsatzbeschluss gefasst, auf Pestizide vollständig zu verzichten.

Zu weit geht Pentenrieder hingegen der Antrag der Grünen, dass die Stadt Pächter gemeindlicher landwirtschaftlicher Flächen zum Verzicht auf glyphosathaltige und ähnliche Mittel verpflichten solle. „Das wäre ein K.o.-Verfahren für konventionelle Landwirte“, warnte der BfW-Stadtrat. Hier solle die Stadt nicht eingreifen, zumal der verantwortliche Umgang mit Herbiziden zur Ausbildung und zum Befähigungsnachweis für jeden Landwirt gehörten. Die Bauern seien ohnehin der „am meisten überwachte“ Berufsstand, sagte Pentenrieder, der im Stadtrat auch als Referent für Landwirtschaft fungiert. Und seines Wissens gebe es „in den letzten fünf bis zehn Jahren keinen Großflächeneinsatz von Herbiziden mehr“, sondern „nur Einzelbehandlungen“, vor allem bei der Bekämpfung von Ampfer.

Wie es denn „mit Privathaushalten und dem Handel“ in Weilheim in Sachen „Glyphosat-Einsatz“ stehe, wollte Petra Arneth-Mangano (SPD) im Bauausschuss wissen. „Das können wir nicht regeln“, antwortete Bürgermeister Loth, die Zulassung sei Sache des Gesetzgebers. Die Stadt selbst aber wolle solche Mittel nicht einsetzen.

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