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Symbolfoto.

Weilheimer hatte 1000 Fotos auf dem PC

Wie kam Kinderpornografie auf Computer?

Ist er Opfer oder Täter? Einem Weilheimer (48) wird vorgeworfen, kinderpornografische Schriften zu besitzen und ein Bild über Facebook verbreitet zu haben.

Weilheim –  Vehement bestritt der Mann die ihm vorgeworfene Tat und schilderte, wie die Bilder seiner Meinung nach auf seinen Computer gelangt sind. Der Angeklagte habe an einem nicht näher bekannten Zeitpunkt ein Online-Spiel auf seinem Computer installiert. Dabei sei er aufgefordert worden, die Firewall, den Schutz vor Computerviren, auszuschalten.

Das sei ein fataler Fehler gewesen, wie er nun vor Gericht sagte. Denn als er das Spiel nach einigen Stunden öffnen wollte, habe er eine kuriose Nachricht erhalten. Eine durchaus glaubhafte Seite des Bundeskriminalamtes (BKA) sei erschienen, mit der Forderung, einen bestimmten Betrag zu zahlen, weil er mit kinderpornografischen Schriften erwischt worden wäre. Wenn der Weilheimer nicht zahlen würde, würde sein PC gesperrt.

Der 48-Jährige sagte weiter, dass zudem in rascher Reihenfolge sogenannte Pop-Ups mit Hinweisen auf verschiedene pornografische Seiten aufgegangen seien. „Ich habe da aber keinerlei Kinderpornografie gesehen“, erklärte der Mann. Immer wieder habe er diese reklamehaften Aufblendungen weggeklickt, aber sein Computer sei vollkommen infiziert gewesen. Seine Frau, die sich im Gegensatz zu ihm sehr gut mit Computern auskenne, habe dann das Betriebssystem neu installiert.

Aufgefallen waren die angeblich kinderpornografischen Bilder, als eines davon plötzlich auf seiner Facebookseite auftauchte, so der Weilheimer. Eine Unbeteiligte hatte das Bild entdeckt und die Polizei benachrichtigt. „Ich war aber zu dem Zeitpunkt, als das Bild gepostet wurde, gar nicht online. Ich saß im Auto“, erklärte der Angeklagte.

Der Sachverständige der Polizei sagte aus, dass fast eintausend Bilddateien pornografischen Inhalts auf dem Computer des 48-Jährigen gefunden worden seien. Zehn davon eindeutig im strafbaren Bereich. „Hier ist gezielt nach Kinderpornografie gesucht worden“, sagte der Beamte. Der Suchverlauf und die entsprechenden eindeutigen Suchbegriffe würden darauf hinweisen. „Kann der BKA-Virus das auch verursacht und all die Bilder auf den Computer geladen haben, ohne dass das der Angeklagte selbst wollte?“, fragte Richterin Katrin Krempl den Sachverständigen. Der wollte sich nicht festlegen. Ein solcher BKA-Virus sei durchaus verbreitet, seines Wissens sei ein Hochladen derart zahlreicher Bilddateien aber eher unmöglich. Ein Kollege aus dem Bereich der Cyberkriminalität würde sich damit jedoch auskennen, so der Polizeibeamte. In der nächsten Verhandlung wird dieser Sachverständige angehört werden.

Für die Fotos kam noch eine weitere Möglichkeit ins Spiel: die Nichte des Angeklagten, die in den Ferien meist bei ihrem Onkel war und dessen Computer regelmäßig für Spiele und Filmseiten nutzte. Sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass ihr Onkel solches Bildmaterial auf seinem PC hat. „Der kennt sich nur geringfügig aus mit Computern“, sagte sie. Die 19-Jährige erklärte ganz freimütig, dass doch jeder mal nach Pornos suchen würde. Ganz ausschließen konnte sie nicht, dass sie die gefundenen Suchbegriffe einmal eingegeben habe. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Regina Wahl-Geiger

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