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Symbolbild.

Weilheimer hatte 19-Jährige verprügelt

Familiendrama kam ans Licht

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Ein 41-jähriger Landwirt wollte noch einmal Bewährung bekommen. Bei der Verhandlung am Landgericht München II kam eine Familientragödie ans Licht. Ins Gefängnis muss der Weilheimer dennoch.

Weilheim Im Streit hat ein Landwirt (41) aus Weilheim die Freundin (19) seiner Frau gegen einen Schrank geschubst und mit Faustschlägen malträtiert. Das Amtsgericht in Weilheim verurteilte ihn im Februar wegen Körperverletzung zu neun Monaten Haft. Weil er noch einmal Bewährung wollte, legte er aber Berufung beim Landgericht München II ein – ebenso wie die Staatsanwaltschaft, die eine höhere Strafe wollte. Außerdem ging es noch um eine Haftstrafe von fünf Monaten wegen vier Fällen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Vor dem Landgericht kam dann allerdings ein wahres Familiendrama zutage, bei dem auch Kinder die Leidtragenden sind.

Zu Beginn der Berufungsverhandlung zeigte die Vorsitzende Richterin gleich klare Kante: Wenn man die Aktenlage betrachte, frage sie sich, wie das Gericht eine Bewährung in diesem Fall begründen solle. Bewährungsstrafen hätten bei dem Angeklagten „schlicht nicht funktioniert“; die Geschwindigkeit, in der er wieder straffällig werde, sei „beeindruckend“. Anderen Menschen, die sich an die Gesetze und Strafen hielten, „ist das nicht zu vermitteln“.

Der Landwirt hat bereits acht Vorstrafen, darunter wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, Betrugs und Körperverletzungen. Die Richterin regte an, dass er sich überlegen solle, ob er die Strafe des Amtsgerichts nicht lieber so stehen lassen wolle.

Verteidiger Florian Ott bat jedoch darum, seinen Mandanten anzuhören: „Er hatte bisher nicht die Möglichkeit, seine Situation mal zu schildern.“ In seiner Kanzlei, so Ott, laufe nämlich auch das Familienverfahren: „Das ist nicht Standard, sondern starker Tobak.“ Wenn man mitbekomme, was familiär lief, werde erst ein Bild daraus.

Mit Tätlichkeiten sei es demnach erst losgegangen, als der Weilheimer im September 2014 nach viermonatiger Haft zurückkam, er hatte eingesessen, weil er eine Bewährungsauflage nicht bezahlt hatte.

Der Angeklagte schilderte dann seine Sicht der Dinge: „Als ich zurückkam, sah es aus, als ob ich zehn Jahre weg gewesen wäre.“ Das Haus sei völlig verwahrlost gewesen, die Kinder verdreckt und hungrig. Seine (Noch-)Ehefrau habe die Kinder auch geschlagen, sagte der Landwirt. „Früher war ich voll im Saft,“, sagte er, „aber dann sind wir in ein Loch reingekommen, aus dem wir nicht mehr rauskamen.“ Verteidiger Ott sprach von einem „Klima, mit dem er nicht zurechtgekommen ist“ – ebensowenig wie die Ehefrau. „Er hatte sich nicht mehr im Griff, stand unter Dauerstress.“ Das habe zu „Austickern“ geführt.

Seit Anfang 2016 sind der Landwirt und seine Frau getrennt, das Familiengericht hat die Kinder in ein Heim eingewiesen. Dort besucht sie der Weilheimer jede Woche – und bezahlt auch für sie. Seit der Trennung des Paares habe der Weilheimer wieder eine positive Sozialprognose, sagte sein Verteidiger.

Der Landwirt hat inzwischen auch 500 Euro Entschädigung an die 19-jährige Auszubildende überwiesen. Sie hat ihm verziehen – und schilderte den Fall mit den Faustschlägen noch einmal vor Gericht. So habe die Frau des Angeklagten sie am 4. September 2016 gefragt, ob sie statt des Ehemannes mit auf das Landwirtschaftsfest fahre, da dieser „schon wieder spinnt“. Anschließend entbrannte ein Ehestreit um das Geld, das auf das Fest mitgenommen werden sollte. Als ihr die Ehefrau den Geldbeutel habe geben wollen, sei der 41-Jährige dazwischen gegangen, habe sie gegen einen Schrank geschubst und geschlagen.

Aufgrund eines Verständigungsgesprächs bildete das Landgericht am Ende eine Gesamtstrafe aus den beiden Strafen, die der Angeklagte aus Weilheim mitbrachte. Ergebnis: Er muss elf Monate ins Gefängnis. Außerdem bleibt sein Führerschein für neun Monate gesperrt – abgesehen vom Traktor.

„Um eine Haftstrafe kommen Sie nicht herum“, hatte die Richterin bereits zuvor deutlich gemacht. Aber man habe jetzt noch mal neue Umstände gehört. Dennoch habe es sich „immerhin um vier Faustschläge“ gehandelt. Er könne von Glück sprechen, dass nicht mehr passiert sei als Prellungen.

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