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Weilheimer Kellertheater: So viel Gemeinheit, so sehenswert

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Spielen ab heute „Die Grönholm-Methode“ im Weilheimer Stadttheater: (v.l.) Ludger Raschewski, Sylvia Bannert-Reischmann, Herbert Leistner und Sebastian Schmederer. Das „Kellertheater“ feiert damit 50-jähriges Bestehen.
Spielen ab 24. November „Die Grönholm-Methode“ im Weilheimer Stadttheater: (v.l.) Ludger Raschewski, Sylvia Bannert-Reischmann, Herbert Leistner und Sebastian Schmederer. Das „Kellertheater“ feiert damit 50-jähriges Bestehen. © ruder

Ja, sie können’s noch, das Acting. Dazu hat das Team vom Kellertheater ein wirklich interessantes Stück ausgegraben, obwohl es nur vier Protagonisten gibt bei der Personalgewinnung nach „Grönholm-Methode“. Bis Samstag ist die Inszenierung viermal im Stadttheater zu sehen.

Weilheim – Der Raum für das Gespräch mit den letzten vier Bewerbern für einen attraktiven Posten füllt sich nur langsam. Am Anfang sind nur Enrique (Ludger Raschewski) und Porta (Herbert Leistner) im Raum und fragen sich, wo wohl der Personalmanager bleibt. Enrique wirkt quasselig, etwas unsicher – aber warum auch nicht, kommt er doch nach eigenen Worten aus einer eher kleinen Firma. Porta ist der Ungeduldige, Schnippische und scheint von sich recht überzeugt. Dann aber wird das Bewerber-Zimmer voller. Es kommen Mercedes (Karrieretyp: Sylvia Bannert-Reischmann) und Carlos (wilder Mix aus Bohemien und weltläufigem Englisch-Plapperer: Sebastian Schmederer). Auch diese beiden sind klarerweise nicht die Typen, die man in einer Personalabteilung vermuten würde.

jeder bekommt seine Portion Demütigung

Ab jetzt steigt die Nervosität im Bewerber-Zoo, denn eine normale Einstellungssituation sähe anders aus. Und zunehmend fühlt sich das Bewerberzimmer wie ein Käfig an, denn Herausgehen aus dem Raum bedeutet das Ende der Karrierechance. Zu allem Überfluss kommen noch Aufgabenstellungen von außen hinzu, unter anderem, das verdeckte Mitglied der Personalabteilung zu entlarven. Allerdings geben die Challenges jedem Anwesenden seine deutliche Portion Demütigung mit. Sind also doch alle vier echte Bewerber?

Das Ende ist ganz anders als gedacht

Des Rätsels Lösung gibt es ganz zum Ende – und ganz anders als gedacht. Zwischendurch erlebt man Raschewski larmoyant klagend über ein früheres Schicksal, Schmederer im schön-schiefen Rollen-Pingpong zwischen Torero und Verweiblichung, Bannert-Reischmann in Gefühlswechseln zwischen Schicksalsschlag, Mitgefühl und Härte gegen sich selbst; Leistner hingegen schwankt zwischen Mobbing und offener Aggression.

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Alle Schauspieler machen ihre Sache gut, wie die Generalprobe am Dienstag zeigte. Aber ob man jemanden davon einstellen wollte – eher nicht. Immerhin geben ironische Spitzen und die fantastisch dichten Dialoge auch manchen Anlass zum Kichern. Ein Psychostück mit komischen Momenten also, keine Tragödie. Die Inszenierung in der Regie von Bannert-Reischmann ist unterhaltsam und auch interessant, zumal es ähnliche Settings mit uninformierten Teilnehmern und externen Challenges aktuell als Internet-Hit gibt, siehe etwa „7 vs. wild“.

Gibt es so viele Gemeinheiten tatsächlich?

Zuletzt aber schluckt man doch auch im Theatersessel. Kann es sein, dass es so viel Ausspionieren und so viele Gemeinheiten tatsächlich gibt? Und man denkt sich als Antwort nur: sehenswert und selber herausfinden.

Andreas Bretting

Aufführungstermine:

Donnerstag, 24. November, 20 Uhr; Freitag, 25. November, 20 Uhr; Samstag, 26. November, 15 und 20 Uhr, im Stadttheater Weilheim. Karten (Erwachsene 13 Euro, ermäßigt 7 Euro) unter kellertheater-vorverkauf@web.de sowie an der Abendkasse.

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